22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Sackgasse für heimische Artenvielfalt durch Klimawandel
Wien, 1. April 2014 – Der Klimawandel hat auf seltene und bedrohte Arten besonders dramatische Auswirkungen. Das ist ein zentrales Fazit des in Yokohama vorgestellten fünften Klimabericht des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change). Meist sind es nicht einzelne Ursachen, die zum Rückgang von Tieren und Pflanzen führen, sondern das tödliche Zusammenspiel mehrerer Faktoren. „Zum Sargnagel wird der Klimawandel oft in Verbindung mit der Intensivierung der Landnutzung“, warnt Bernhard Kohler, Programmleiter Biodiversität im WWF Österreich. Als Beispiel für Österreich nennt der WWF den Alpensalamander, den Hochmoor-Gelbling, die Pracht-Nelke und den Halsbandschnäpper.
Weil die Erderwärmung zu einer Verschiebung der Klimazonen führt, verschieben sich auch die Verbreitungsgebiete vieler Arten nach Norden. Im Gebirge müssen kälteangepasste Arten in immer größere Höhen und auf schattige Hänge ausweichen. „Vom Klimawandel sind besonders Arten betroffen, die kühl-feuchte Bedingungen bevorzugen, in nährstoffarmen Lebensräumen vorkommen, kleine zerstreute Verbreitungsgebiete haben und wenig mobil sind, sagt WWF Artenschutzexperte Kohler „Solche Arten tun sich besonders schwer damit, in neue Lebensräume auszuweichen. Im Gebirge droht spätestens auf Berggipfeln die Sackgasse“.
Beim Alpensalamander, der in feuchten Bergwäldern und im felsigen Gelände über der Baumgrenze lebt, rechnet man mit einem Rückzug in größere Höhen und einem Rückgang des Verbreitungsgebiets um 75 Prozent. Eine intensivere Erschließung der Bergwälder, die sich angesichts des vermehrten Holzbedarfs abzeichnet, wird den Salamander noch zusätzlich unter Druck bringen. Auf großen Kahlschlägen ist es für den Alpensalamander zu trocken und zu heiß.
Auch der Hochmoor-Gelbling, ein seltener Schmetterling heimischer Moore, wird auf zweifache Weise bedrängt. Ausbleibende Niederschläge führen zur Austrocknung der wenigen, verblieben Moore. Stickstoff-Einträge aus der Luft, die letztlich aus dem Autoverkehr stammen, führen zum Rückgang der typischen Moor-Pflanzen, von denen die Raupe des Hochmoor-Gelblings lebt.
Auch der Pracht-Nelke, einer wunderschönen Bewohnerin nährstoffarmer Feuchtwiesen, machen Austrocknung und vermehrte Düngung zu schaffen. Hier wirken Klimawandel und Nutzungs-Intensivierung zusammen. Denn trotz sinkender Niederschläge werden nach wie vor Feuchtwiesen trockengelegt und mit Gülle aufgedüngt um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Oder die Wiesen werden – weil nicht länger benötigt ‒ einfach aufgeforstet und gehen so als Lebensraum für die Pracht-Nelke verloren.
Durch Klimawandel und Nutzungsintensivierung bedroht sind auch die Bewohner alter Wälder, wie der Halsbandschnäpper. Dieser schwarz-weiße Zugvogel lebt vor allem in schattigen Eichen-Hainbuchenwäldern im Osten Österreichs, in denen es viele alte, höhlenreiche Bäume gibt. Die Klimaerwärmung macht dem Weitstreckenzieher, der in Afrika überwintert, besonders zu schaffen. Denn seine alljährliche Rückkehr nach Europa gerät zunehmend mit dem Nahrungsangebot außer Takt. Da die Waldbäume immer früher austreiben, entwickeln sich auch die Blätter fressende Raupen immer früher. Wenn der Halsbandschnäpper nach seiner Rückkehr aus Afrika zu brüten beginnt, ist der Höhepunkt des Raupenangebots oft schon überschritten und das Futter reicht für eine erfolgreiche Aufzucht der Jungen nicht mehr. Zugleich raubt die verstärkte Nutzung von Tot- und Altholz, die im Zuge des Biomassebooms und der Holzmobilisierung propagiert wird, dem Halsbandschnäpper die Brutplätze.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, WWF Pressesprecher, Tel. 01-48817-231, E-Mail: franko.petri@wwf.at.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz













