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Österreich im Artenschutz-Check: Die Alpenrepublik tut zu wenig für ihre bedrohten Tierarten
Wien, am 22. Mai 2019 – Schrumpfende Lebensräume, hoher Bodenverbrauch und Nutzungsdruck verbunden mit falscher Prioritätensetzung durch die Politik beschleunigen das Artensterben weltweit und auch in Österreich. Vor diesem Hintergrund legt der WWF Österreich erstmals ein Bundesländer-Ranking zum Umgang mit ausgewählten streng geschützten heimischen Wildtieren vor. „Österreich ist schon lange kein Umweltmusterland mehr. Bis auf wenige Ausnahmen ist der Artenschutz völlig unzureichend und verfehlt in vielen Fällen europäische und internationale Standards. Das muss auf allen Ebenen dringend verbessert werden“, sagt WWF-Expertin Christina Wolf-Petre. Der WWF-Artenschutz-Check analysiert das Management ausgewählter Arten auf Basis von Umfragen bei Behörden und Fachleuten, deren Informationen mit eigenen Recherchen und wissenschaftlichen Studien ergänzt werden. Auf dieser Grundlage bewertet die Naturschutzorganisation in einem vierstufigen Bewertungssystem den Umgang der Behörden mit Wolf, Seeadler, Luchs, Fischotter und Biber, die für Ökosysteme besonders wichtig sind.
In allen Bundesländern gibt es erhebliche Defizite. 31 der insgesamt 35 Bewertungen zum Management der untersuchten Arten fallen in die Kategorie schlechte bzw. mangelhafte Umsetzung. Fast überall fehlen Geld und Willen für regelmäßige, wissenschaftlich begleitete Bestandserhebungen, Managementpläne sowie vorbeugenden Schutz. Wichtige Informationen werden entweder gar nicht oder nur unzureichend der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. „Wir müssen unser Naturerbe besser schützen, damit sich ehemals ausgerottete Arten wieder erholen können. Die Basis dafür schaffen gute europäische Naturschutz-Richtlinien, die aber von Österreich leider schlecht umgesetzt werden“, analysiert die Biologin Wolf-Petre. „Angesichts der verheerenden Lage der Artenvielfalt braucht es ein vorausschauendes Management und mehr Bewusstsein und Verantwortung bei allen politisch Zuständigen. Das ist auch eine Grundvoraussetzung für ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben mit bedrohten Arten wie Wolf, Luchs, Seeadler, Biber und Fischotter. Ein schlechtes Management dieser ausgewählten Arten bedeutet nicht nur einen unzureichenden Artenschutz, man lässt dadurch auch betroffene Landnutzergruppen im Regen stehen.“
Drei-Punkte-Plan für ein nachhaltiges Artenschutzmanagement
Im Einklang mit den EU-Richtlinien und internationalen Abkommen leitet der WWF Österreich aus dem Artenschutz-Barometer drei zentrale Forderungen an die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern ab. Diese reichen von nationalen Managementplänen und Artenschutzprogrammen über ein besseres Monitoring bis hin zu einem einheitlichen System der Vorbeugung und Schadensabgeltung. Die Umweltministerin sollte dafür die Federführung übernehmen und diesen Prozess koordinieren.
1.Monitoring verbessern und national abstimmen: Entwicklung, Erhebung und Bereitstellung fachlicher Grundlagen. Für die Planung und Umsetzung von Managementmaßnahmen sind aktuelle und vergleichbare Informationen über die Situation und Verbreitung der relevanten Arten essentiell (man kann nur das managen, was man auch misst). Diese fehlen derzeit aber oft.
2.Managementpläne und Artenschutzprogramme müssen österreichweit einheitlich und anhand von Best-Practice-Beispielen ausgerichtet werden. EU-Richtlinien müssen erfüllt und wo notwendig auch übertroffen werden. Wildtiere kennen keine Grenzen, daher muss auch ihr Management länderübergreifend ausgerichtet sein. Genauso wichtig ist die völkerrechtlich verpflichtende, aber in Österreich oft nicht gelebte Einbindung aller Betroffenen. Hier gibt es nach wie vor große Versäumnisse.
3.Präventions- und Kompensationsmaßnahmen österreichweit einheitlich und unbürokratisch gestalten. Dies erleichtert den Interessensausgleich zwischen Naturschutz und Landnutzung. Ein gutes Management erfordert die möglichst breite Einbindung aller relevanten Interessensgruppen. Gerade beim Schutz von Arten, die durch ihr natürliches Verhalten manchmal in Konkurrenz zu menschlichen Interessen stehen, braucht es einen Brückenschlag zwischen allen Betroffenen.
Wie der jüngste Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) gezeigt hat, ist ein umfassender Naturschutz wichtiger denn je, weil ansonsten weltweit bis zu einer Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Bereits im Vorjahr ließ der „Living Planet Report“ des WWF aufhorchen, wonach immer mehr Wildtieren die notwendigen Lebensräume fehlen. In Österreich sind die untersuchten Wirbeltierbestände – Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien – in den vergangenen drei Jahrzehnten um durchschnittlich 70 Prozent geschrumpft. Auch ein Bericht des Umweltbundesamtes zeigt, dass von 209 bewerteten Tier- und Pflanzenarten rund 80 Prozent in ungünstigem Erhaltungszustand sind.
Im Rahmen des LIFE-Projektes EuroLargeCarnivores haben sich 16 WWF-Landesbüros sowie vier Partnerorganisationen zum Ziel gesetzt, die Koexistenz mit großen Beutegreifern in Europa durch Kommunikation, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Wissensaustausch zu verbessern.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl
WWF-Pressesprecherin
Tel. 01/48817-250
E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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