Erfasste Populationen seit 1970 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft – Lebensraumzerstörung größte Bedrohung – Schutzmaßnahmen ermöglichen Erholung einzelner Arten + BILDER und VIDEOS
Alien-Gecko und getigerte Grubenotter: 163 neue Arten entdeckt
Wien/Hanoi 25. September 2009. – Ein Vögel fressender Frosch und ein neuer Leopardgecko, der aussieht wie ein Alien aus einer anderen Welt, sind nur zwei der neuen 163 Arten die letztes Jahr in den Ländern am Mekong aufgespürt wurden, wie ein neuer Bericht des WWF ergab. „Wir rechnen mit vielen weiteren Arten, die in den nächsten Jahren entdeckt werden“, freut sich Jutta Jahrl, Artenschutzexpertin des WWF Österreich, die selbst in Vietnam im Einsatz ist. Der WWF warnt aber davor, dass viele neue Arten am Mekong durch den Klimawandel aussterben könnten bevor sie entdeckt werden.
„Wir waren gerade dabei, eine neue Geckoart zu fangen, als mich mein Sohn auf eine tigerartig gestreifte Grubenotter hinwies, die nur wenige Zentimeter von meiner Hand entfernt war. Wir fingen dann den Gecko und die Schlange und hatten damit auf einen Schlag zwei neue Arten entdeckt“, sagte Lee Grismer von der La Sierra Universität in Kalifornien. Unter den 2008 neu entdeckten 163 Arten befindet sich auch ein mit Reißzähnen ausgestatteter Frosch, der Vögel frisst und in Bächen auf seine Opfer wartet. Der wie ein Alien erscheinende Leopardgecko mit orangen Augen, dürren Gliedern und bunter Haut inspirierte den Namen des WWF-Berichts „Unheimliche Begegnungen“. Weitere Highlights unter den neuen Arten sind eine rubinrote Barbenart und ein Vogel aus der Familie der Timaliden, der kaum fliegt.

Von den 163 Arten, die 2008 in Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam und der südchinesischen Provinz Yunnan entdeckt wurden, sind 100 Pflanzen, 28 Fische, 18 Reptilien, 14 Amphibien, zwei Säugetiere und eine neue Vogelart. Der WWF-Bericht wurde heute anlässlich der UN-Klimagespräche in Bangkok der Weltöffentlichkeit präsentiert. Er beschreibt diese seltenen und einmaligen Arten, die von den Wissenschaftlern in den Wäldern, Flüssen und auf Inseln dieser Länder neu gefunden wurden und weist darauf hin, dass die Artenvielfalt besonders in den Mekongländern durch den Klimawandel massiv gefährdet ist.
Aktuelle Studien zeigen, dass der Klimawandel in den Mekongländern bereits im Gange ist. Temperaturerhöhungen, Schwankungen der Temperaturen und häufigere zerstörerische Wetterereignisse wurden beobachtet. Auch das Steigen des Meeresspiegels und Salzwassereinbrüche bedrohen die Artenvielfalt im Mekongdelta. „Die Lebensräume der Arten werden schrumpfen und solche Arten, die sich nicht schnell genug anpassen können, werden aussterben“, befürchtet Jahrl.
In den nächsten zwei Wochen finden in Bangkok die UN-Klimagespräche statt. Die Delegierten bereiten dort einen neuen globalen Klimavertrag für die Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember vor. „Das Überleben der Arten in den Mekongländern hängt entscheidend von den Erfolgen der Konferenzen von Bangkok und Kopenhagen ab“, so Jahrl.

Im Mekongraum leben 320 Millionen Menschen. Der WWF arbeitet mit den Regierungen und Konzernen in zahlreichen Naturschutz- und anderen Projekten zusammen. 600.000 Quadratkilometer an grenzüberschreitenden Wäldern und Flussregionen sollen so geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden. 16 der wichtigsten 200 globalen Ökoregionen befinden sich in den Ländern am Mekong.
Erst im Dezember 2008 präsentierte der WWF eine Studie, nach der in den letzen zehn Jahren mehr als Tausend neue Arten in den Mekongländern entdeckt wurden. „Wir müssen die Artenvielfalt retten, bevor die Tiere aussterben ohne dass wir sie überhaupt entdecken konnten“, appelliert Jahrl im Namen des WWF an die Delegierten der beiden UN-Klimakonferenzen.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231
Fotos, TV Footage und WWF-Studie zum Download unter http://www.divshare.com/folder/601590-bb7.
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