Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
Appell an Landesrat Pernkopf: Fischotter nicht abschießen, sondern umsiedeln
Presseaussendung zum Tag des Artenschutzes (UN World Wildlife Day) am 3. März
Wien, am 2. März 2017 – Im Zusammenhang mit der geplanten „Entnahme“ von 40 Fischottern, die VP-Landesrat Stephan Pernkopf als „Kompromiss zur Herstellung des ökologischen Gleichgewichts“ bezeichnet, üben Naturschutzorganisationen erneut heftige Kritik: „Ein Abschlussplan, der auf keiner wissenschaftlichen Basis beruht, ist für uns ein fauler Kompromiss“, stellt Christian Pichler vom WWF klar. „Der Entscheidung des Landesrates liegen keine glaubhaften Daten zugrunde: die Anzahl der Otter, die man über die Klinge springen lässt, ist somit aus der Luft gegriffen. Wenn schon Entnahme, kann man als erste Notlösung den Abfang und die Umsiedelung andenken um von Tötungen abzusehen.“ Damit der WWF in seiner Rolle endlich gehört wird, sucht die Naturschutzorganisation dieser Tage offiziell um Parteistellung im Verfahren an. "Solange der Abschussbescheid noch nicht vorliegt, sollte man jetzt die Vernunft walten lassen und nochmals alle Möglichkeiten prüfen, bevor 40 Fischotter umsonst sterben müssen", fordert Pichler.
Die logische Vorgangsweise wäre aus WWF-Sicht gewesen, zuerst alle Möglichkeiten der Schadensvorbeugung auszuschöpfen, die Besatzpraktiken zu ändern und deren Erfolg zu prüfen, bevor auf Druck der Fischer und Teichwirte fachlich unsinnige Zugeständnisse gemacht werden. Pichler ruft nochmals alle ÖsterreicherInnen zur Unterstützung der Petition gegen den Abschuss von Fischotter auf, die unter www.wwf.at/fischotter-petition unterschrieben werden kann. Gerade am internationalen Tag des Artenschutzes, dürfe nicht auf die heimischen Arten vergessen werden, denen es zunehmend an den Kragen geht. Nur 19 Prozent der Arten in Österreich befinden sich in einem „günstigen Erhaltungszustand“. Unser Land nimmt in punkto Umsetzung der Verpflichtungen zum Schutz von Arten und Lebensräumen innerhalb der EU einen traurigen Platz auf den hinteren Rängen ein.
„Die Tötung geschützter Arten kann niemals eine Lösung sein!“, unterstreicht auch Margit Gross vom Naturschutzbund Niederösterreich und führt aus: „Der Mythos, Fischotter würden ganze Gewässerabschnitte leer fressen, wäre doch wider die Naturgesetze: Der Otter würde sich selbst der Lebensgrundlage entziehen, wenn er seine Nahrungsbasis ausrotten würde. Außerdem, wenn vom ‚natürlichem Gleichgewicht‘ die Rede ist: Es ist für uns nicht nachvollziehbar, was Karpfen im Karpfenteich und degenerierte ausländische Besatzfische in unseren Flüssen mit biologischem Gleichgewicht zu tun haben“, so Gross weiter. Wie Wölfe gehören auch Fischotter zu jenen Arten, die ihren Bestand über das Angebot an Lebensraum und Nahrung selbst regulieren. Das heißt, wenn ein Revier frei wird, würde der nächste Otter nachrücken.
Keine einzige seriöse Untersuchung im deutschsprachigen Raum weist einen direkten Zusammenhang zwischen dem bedauerlichen Rückgang der Fischfauna und der Tätigkeit des Fischotters nach. Im Gegenteil, es liegen Studien vor, die den Fischrückgang in Abwesenheit des Otters aufzeigen. So zeigt der Tiroler Fischereiverband in einem Artikel auf, dass sich die Fischfauna an der Schwarza in NÖ trotz der Anwesenheit des Fischotters und sogar des Kormorans prächtig entwickeln kann, wenn die Besatzmaßnahmen naturverträglich sind. In dem Pilotprojekt wurden der Besatz mit Regenbogenforellen und das Einbringen fangfähiger Bachforellen verboten und stattdessen ausschließlich Bachforelleneier eingebracht. Die erfolgreichen Ergebnisse – Forellen in großer Anzahl und in allen Größen sowie ganze Schulen von Äschen – erstaunten sogar die Fischer.
Auch an den Bächen im Mühl- und Waldviertel, an denen ebenfalls eine fortschrittliche Bewirtschaftungsstrategie verfolgt wird, sind Fischbestände in Anwesenheit des Otters recht stabil.
WWF und Naturschutzbund begrüßen die positiven Signale des Landes Niederösterreich in Richtung Information, Prävention und dass mehr Gelder für solche Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Parallel dazu muss jedoch eine seriöse Studie erstellt werden, die die tatsächlichen Untersachen für den Zusammenbruch der heimischen Wildfischbestände untersucht. „Wir sind gegen die Entnahme von Fischottern. Sollte das Land trotzdem an seinem Vorhaben festhalten plädieren wir dafür, Fischotter in Gebiete umzusiedeln, in denen es noch genügend ungenützte geeignete Gewässerabschnitte gibt“, fordern Pichler und Gross abschließend.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF Österreich, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Margit Gross, Naturschutzbund NÖ, Tel. 01/402 93 94, E-Mail: margit.gross@naturschutzbund.at
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