Eisbären, Walrosse und Ringelrobben leiden unter Klimakrise und Öl-Industrie – WWF fordert konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie und wirksam geschützte Rückzugsräume
Ausbau Kraftwerk Kaunertal bedroht Wasserressourcen im Ötztal
Der Sommer 2022 gehört in Österreich zu den heißesten und trockensten der Messgeschichte. Das bekommen besonders Gebiete zu spüren, die ohnehin nur geringe Niederschlagsmengen aufweisen, wie zum Beispiel das Tiroler Ötztal. „Das Ötztal gehört zu den niederschlagsärmsten Tälern Tirols“, erklärt Bettina Urbanek, Gewässerschutzexpertin der Umweltschutzorganisation WWF Österreich. „Die Klimakrise führt vor allem im Sommer zu einer Verknappung der Wasserressourcen – Dürreperioden werden länger, Niederschläge verlagern sich in den Alpen vom Sommer in den Winter und gleichzeitig verlieren wir in den Ötztaler Alpen in den nächsten 20 bis 30 Jahren einen Großteil der Gletscher als wichtige Puffer für den Wasserhaushalt.“ Trotz der drohenden Wasserknappheit halten die Tiroler Landespolitik und die TIWAG weiter an den Plänen zum Ausbau des Kraftwerks Kaunertal fest. Das Projekt hätte massive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt des gesamten Ötztals, da aus Venter- und Gurgler Ache bis zu 80 Prozent des Wassers ins Kaunertal abgeleitet werden sollen. Der WWF fordert daher das Ende aller Planungen und eine Sicherung der Wasserressourcen für die Menschen in Tirol. „Statt in das Ausbauprojekt Kaunertal müssen die Gelder in eine naturverträgliche Energiewende investiert werden“, so Bettina Urbanek, „Dazu braucht es eine Photovoltaik-Offensive und eine Reduktion des Energieverbrauchs.“
Trinkwasserquelle am Limit
Wie dramatisch die Wasserknappheit im Ötztal schon jetzt ist, zeigt der Zustand der elf Trinkwasserquellen in Obergurgl: „Wir hatten noch nie so wenig Wasser wie dieses Jahr. Unsere Quellen sind schon seit Juli ausgelastet – so früh wie nie zuvor!“, erklärt Reinhard Scheiber, Obmann zweier Agrargemeinschaften in Obergurgl. „Wir diskutieren bereits, ob wir in Zukunft Trinkwasser aus der Gurgler Ache speichern müssen.“ Der Grund für die Knappheit liege in den geringeren Niederschlägen im Winter und dem bereits spürbaren Rückgang der Gletscher. „Auf unserer Alm sind diesen Sommer zwei Bäche trocken geblieben und unsere Schafe mussten weite Strecken zurücklegen, um Trinkwasser zu finden“, warnt Scheiber. „Wir haben große Bedenken, dass wir künftig unsere Tiere nicht mehr ausreichend tränken können. Und auch für die Versorgung der Tourismusbetriebe gibt es schon jetzt kein überschüssiges Wasser mehr. Der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal hätte dementsprechend katastrophale Auswirkungen auf die Region und die Menschen.“
Auch der renommierte Österreichische Biodiversitätsrat spricht sich gegen die Kraftwerkspläne aus. „Fließgewässer liefern überlebenswichtige Ökosystemfunktionen. Sie erhalten die Nährstoffkreisläufe und dienen uns Menschen als Grundlage für Trinkwasser und Nahrung“, erklärt Ratsmitglied Gabriel Singer von der Universität Innsbruck. Die Vernichtung eines der zwei letzten unverbauten Gletscherbachsysteme mit natürlichem Abflussregime sowie des hochalpinen Platzertals sei völlig inakzeptabel. „Durch die geplante massive Wasserentnahme würde die natürliche Dynamik der Gletscherflüsse im Ötztal vollständig unterbunden. Intakte Ökosysteme sind unsere Versicherung in der Klimakrise. Wir brauchen dringend großräumige Schutzausweisungen und die Wiederherstellung von Ökosystemen, um die Vielfalt an Lebensräumen für Tiere und Pflanzen zu erhalten und das aktuelle Artensterben abzubremsen.“
Weiterführende Informationen zum geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal: https://www.wwf.at/artikel/kaunertal/
Vollständige Stellungnahme des Biodiversitätsrats: https://bit.ly/3RFvR7Y
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