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© Sebastian Frölich

Nein zum Ausbau des Kraftwerks Kaunertal

Mega-Kraftwerksprojekt bedroht Ötztaler Flussjuwele

Unsere heimischen Alpenflüsse stehen unter massivem Druck durch die Energiewirtschaft. Mit dem Ausbau des Kraftwerks Kaunertal soll nun ein weiteres Megaprojekt mitten in eine hochsensible Naturlandschaft gezwängt werden. Die TIWAG (Tiroler Wasserkraft AG) plant das bestehende Speicherkraftwerk Kaunertal zu erweitern. Das Projekt steht vor der Umweltverträglichkeitsprüfung. Eine Genehmigung wäre fatal.

Gurgler Ache - Kraftwerksausbau Kaunertal

Kraftwerk Kaunertal – eine ökologische Katastrophe

Der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal wäre eine ökologische Katastrophe an vielen Schauplätzen: Insgesamt wären 3 Talschaften (Kaunertal, Ötztal, Platzertal) und 20 Gemeinden von diesem Monsterprojekt betroffen. Wertvolle Fluss- und Moorlandschaften würden zerstört werden und selten gewordene Tierarten ihren Lebensraum verlieren. 6 Naturschutzgebiete wären bedroht und das gesamte Ötztal von Wasserentzug betroffen. Ganz abgesehen von jahrelangen Großbaustellen oder dem Verlust der Biodiversität, die wir im Kampf gegen die Klimakrise dringend brauchen.

Nein zum Ausbau des Kraftwerks Kaunertal (c) WWF

Zudem ist die Errichtung eines riesigen Speichersees mit einem 120 m hohen und 450 Meter breiten Staudamm geplant. Durch den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal sollen 4 ökologisch intakte Gebirgsbäche und –flüsse (Verwallbach, Königsbach, Venter Ache, Gurgler Ache) über Tunnelsysteme in einen bestehenden Speicher umgeleitet werden. Die Wassermenge der Ötztaler Ache – sie versorgt Mensch und Natur mit kostbarem Gletscherwasser – würde dadurch um bis zu 80 % reduziert. Gleichzeitig würde das ökologisch einzigartige Platzertal in den Ötztaler Alpen hinter einem Staudamm verschwinden und geflutet werden.

Ausbaupläne Kraftwerk Kaunertal WWF Österreich

Ötztaler Alpen: Wildwasserparadies und Öko-Schatzkammer

Majestätische Gletscher, erhabene Berge, tosende Gebirgsbäche: In den Ötztaler Alpen ist die Wildnis zuhause. Denn hier befindet sich das größte zusammenhängende Gletschergebiet der Ostalpen. Aus dessen Eis speist sich ein Netzwerk von Hochgebirgsbächen, wie zum Beispiel Venter und Gurgler Ache.

Flussheiligtum Venter Ache, Ötztale Alpen (c) Sebastian Frölich

Diese wurden 1998 vom WWF und dem Umweltministerium als sogenannte Flussheiligtümer von besonderer Schutzwürdigkeit ausgewiesen. Beide Flussheiligtümer sind nun durch die Kraftwerksausbaupläne gefährdet. Die gesamte Region kann als wahre „Öko-Schatzkammer“ bezeichnet werden. Die beeindruckende Gebirgs- und Gletscherwelt, mit einem Mosaik verschiedenster Naturschutzgebiete, bietet typischen alpinen Tierarten wie dem Steinadler oder dem Murmeltier wichtige Rückzugsräume und Brutareale.

Alpenmurmeltier © WildWondersOfEurope/Lesniewski

Kaunertal Erklärung 2022

Die Klima- und Biodiversitätskrise gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Beide können nur mit Hilfe der Natur bewältigt werden – und nicht auf ihre Kosten! Je mehr Natur wir zerstören, desto schwieriger wird der Klimaschutz. Darum müssen wir dringend und schnellstmöglich die letzten intakten Naturräume der Alpen vor weiterer Zerstörung und Verbauung schützen. Wir sagen: Ja zum Schutz der Alpenflüsse – Ja zur naturverträglichen Energiewende – Nein zum Ausbau des Kraftwerks Kaunertal. Die Tiroler Politik und die TIWAG müssen jetzt die Weichen für eine naturverträgliche Energiewende stellen – anstatt einseitig auf den Bau von neuen Wasserkraftwerken zu setzen. Mit der vom WWF-Österreich initiierten Kaunertal Erklärung 2022 haben wir 5 konkrete Forderungen an die Politik formuliert

Forderungen in voller Länge nachlesen.

Kaunertal

5 Forderungen an die Politik

  1. Den sofortigen Stopp des Ausbauprojekts Kraftwerk Kaunertal. Das überholte Großprojekt würde auch nach über zehn Jahren an Planänderungen durch die TIWAG massive Folgeschäden für Mensch und Natur verursachen. Es ist daher nicht naturverträglich umsetzbar.
  2. Den umfassenden Schutz der letzten ökologisch intakten Alpenflüsse, wie zum Beispiel der Venter und der Gurgler Ache. Nur wenige Flüsse der Alpen sind derart naturnah erhalten, daher dürfen sie nicht weiter energiewirtschaftlich genutzt, verbaut oder ausgeleitet werden. Die Entnahme von bis zu 80 Prozent des Wassers würde außerdem das Ötztal, eines der niederschlagärmsten Täler Tirols, massiv beeinträchtigen und gerade in Zeiten der Klimakrise die vielfältigen Funktionen der Ötztaler Ache gravierend verschlechtern. Davon wären neben den wertvollen Ökosystemen auch die Erholungsfunktion und der Naturtourismus, sowie die langwirtschaftliche Bewässerung stark betroffen.
  3. Den Erhalt alpiner Naturlandschaften wie des Platzertals als einzigartiges Naturerbe Österreichs.
  4. Eine naturverträgliche Energiewende! Der Weg zur Energie-Sicherheit braucht wie der Weg aus der Klimakrise schnelle und massive Maßnahmen bei der Energieeinsparung und dem naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren. Energieeinsparung ist der größte Schlüssel zur Energie-Sicherheit. Es braucht ein umfangreiches Energiespar-Programm der Landesregierung, denn die naturschonendste, billigste und beste Kilowattstunde ist die, die gar nicht erst benötigt wird. Für den naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren ist der einseitige Fokus auf Wasserkraftausbau in Tirol nicht zielführend, denn Wasserkraft ist bereits massiv ausgebaut, die Ökosysteme der Flüsse schwer beschädigt. Die Klima- und Biodiversitätskrise können nur mit Hilfe der Natur bewältigt werden – und nicht auf ihre Kosten. Das Potenzial bei der Wasserkraft liegt in der Effizienzsteigerung der über 960 Anlagen. In Tirol braucht es einen deutlich schnelleren und umfassenderen Ausbau der Photovoltaik auf Dächern und Fassaden sowie auf bereits verbauten Flächen.
  5. Die rasche Behebung der Belastungen durch bestehende Wasserkraftwerke. Dafür müssen insbesondere die starken Schwall-Sunk-Belastungen am Inn saniert und Flusslebensräume am Inn wiederhergestellt werden.

Die Kaunertal Erklärung 2022 wird von 30 Organisationen aus den Bereichen Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Fischerei und Wildwassersport und 10 Stimmen aus der Wissenschaft unterstützt.

HIER können Sie die ganze Kaunertal Erklärung 2022 und unsere

„Flüsse voller Leben“ 

Auf der Seite „Flüsse voller Leben“ finden Sie ausführliche Hintergrundinfos zum Kraftwerksausbau Kaunertal, zu aktuellen Bedrohungen an unseren Flüssen und Bürgerinitiativen.

Was kann ich tun?

Erzählen Sie Ihrem Umfeld vom geplanten Kraftwerksausbau Kaunertal! 

Ausführliche Informationen über den Ausbau und Möglichkeiten, dagegen aktiv zu werden, finden Sie auf 
„Flüsse voller Leben“: www.fluessevollerleben.at

Stopp Ausbau Kraftwerk Kaunertal

Zahlen & Fakten

  • Neuer Staudamm im Platzertal geplant
  • Staudamm soll 120 Meter hoch und 450 Meter breit werden
  • Moore in der Größe von 9 Fußballfeldern würden unter dem Damm im Wasser versinken
  • 6 Schutzgebiete durch Kraftwerksausbau bedroht
  • 20 Gemeinden betroffen
  • 3 Talschaften betroffen: Kaunertal, Öztal, Platzertal
  • Geschützte Tierarten wie Murmeltier, Alpenschneehuhn oder Innäsche würden ihren Lebensraum verlieren
  • Bis zu 80 % weniger Wasser im Ötztal als Folge der Ausleitung von 4 Gebirgsbächen und -flüssen

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