Bellende Schafe vertreiben den Wolf

19. Februar 2016 | Presse-Aussendung

Presseaussendung Wien, 19. Februar 2016 – Nach dem peinlichen Sager von Umweltminister Andrä Rupprechter in Sachen Wolf, fordert der WWF einen raschen Herdenschutz-Gipfel mit den zuständigen Ländervertretern. „Wenn es Rupprechter ernst meint mit seiner Sorge, dass es „zu möglichst keinen Konflikten beim Zusammentreffen von Beutegreifern und Nutztieren kommt“, muss er dafür auch endlich aktiv werden. […]

Presseaussendung

Wien, 19. Februar 2016 – Nach dem peinlichen Sager von Umweltminister Andrä Rupprechter in Sachen Wolf, fordert der WWF einen raschen Herdenschutz-Gipfel mit den zuständigen Ländervertretern. „Wenn es Rupprechter ernst meint mit seiner Sorge, dass es „zu möglichst keinen Konflikten beim Zusammentreffen von Beutegreifern und Nutztieren kommt“, muss er dafür auch endlich aktiv werden. „Wir brauchen ein sicheres Finanzierungsmodell für Herdenschutz mit Hunden, eine unbürokratische Schadensabgeltung und intensive Aufklärungsarbeit“, fasst WWF-Wolfsexpertin Christina Reisenbichler zusammen. Diese Maßnahmen bilden die wichtigste Grundlage für die Akzeptanz des Wolfes in unserer Gesellschaft und sind eine Bringschuld des Ministers, denn vor allem bei den Landwirten ist die Sorge verständlicherweise groß.

„Dennoch muss festgehalten werden, dass Wild und nicht Nutztiere die Hauptnahrungs-quelle des Wolfes darstellt“, erklärt Reisenbichler. Entgegen anderslautender Darstellungen mancher Bauernvertreter, machen ungeschützte Nutztiere, also Schafe und Ziegen, beim Wolf  nur einen minimalen Bestandteil seines Beutespektrums aus. Bei den Wölfen an der Lausitz in Deutschland etwa, beträgt er gerade mal ein Prozent. „Der Grund dafür, dass der Wolf auch nach Österreich zurückkehrt, liegt an den steigenden Beständen in unseren Nachbarländern, dass er hier bleibt, liegt aber vor allem an der riesigen Anzahl von Hirschen, Rehen und Wildschweinen in unseren Wäldern“, so Reisenbichler.

Nur ungeschützte Schafe oder Ziegen sind „leichte Beute“


Mit der WWF-Broschüre „Lernen, mit dem Wolf zu leben“, dem „Managementplan Wolf“, sowie der „Nationalen Beratungsstelle Herdenschutz" liegen bereits einige Initiativen zum konfliktarmen Zusammenleben mit Wölfen im Alpenraum vor. Christina Reisenbichler vom WWF erklärt: „Lösungsvorschläge gibt es zur Genüge, aber es hapert an der Umsetzung.“

Einen ersten Schritt zur Lösung der Probleme der Landwirte hat Österreich bereits gesetzt: In Kals am Großglockner wird seit zwei Jahren modellhaft der Herdenschutz mit Hirten, Herdenschutzhunden und Hütehunden geprobt. "Wir müssen den Nutztierhaltern zur Seite stehen und sie bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen unterstützen, denn die Kosten und der persönliche Einsatz sind enorm und können von den Bauern nicht getragen werden“, unterstreicht Georg Höllbacher, Obmann der Nationalen Beratungsstelle Herdenschutz und Leiter des Modellprojekts in Kals.

Breiter Dialog mit allen Interessenvertretungen notwendig


Auf dem Herdenschutz-Gipfel soll ein nationales Aktionsprogramm für den Herdenschutz beschlossen werden. Neben dem zuständigen Bundesminister Andrä Rupprechter sollen auch die zuständigen Vertreter und Wolfsbeauftragten der Länder, Vertreter der Land- und Forstwirtschaft, der Jägerschaft, sowie Vertreter von Naturschutzorganisationen in den Dialogprozess mit einbezogen werden. Der WWF bietet dazu seine fachliche Mitarbeit an.

169 Hunde: Herdenschutz funktioniert in der Schweiz bestens


Um beispielsweise Schafherden vor eindringenden Wölfen zu schützen, hat sich in einigen Ländern eine Sicherung der Weideflächen mit Elektrozäunen in Kombination mit speziell ausgebildeten Herdenschutzhunden bewährt. In der Schweiz wurden im vergangenen Jahr 169 solcher Gebrauchshunde eingesetzt. Dort blieb die Anzahl der Risse stabil, obwohl der Wolfsbestand in den letzten zwei Jahren auf 23 Tiere angestiegen ist. Über 90 Prozent der gerissenen Tiere standen auf völlig ungeschützten Almen.

Verletzungen durch Haushunde sind häufiger


Wölfe sind sehr anpassungsfähig und können in den unterschiedlichsten Habitaten leben. Deshalb können sie auch in landwirtschaftlich genutzten oder touristisch frequentierten Gebieten vorkommen. Gerade dort, wo Touristen, Kinder oder Mountainbiker unterwegs sind, ist es notwendig und werden deshalb Herdenschutzhunde mit einem „sanften Wesen“ eingesetzt, die sich darauf einstellen können. Da sie bereits als Welpen zur Herde gegeben werden, begreifen sich Herdenschutzhunde als Rudelmitglieder und werden von den Schafen als Gleichgesinnte wahrgenommen. Diese Hunde verteidigen die Herde, indem sie „Störenfriede“ durch Bellen melden.

Für die Touristen gibt es zur Information entsprechende Hinweistafeln im Gelände bzw. Ratgeber und Video-Tutorials.

Rückfragehinweis:


Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Christina Reisenbichler, WWF-Expertin Große Beutegreifer, Tel. 01/488 17-283, E-Mail: christina.reisenbichler@wwf.at

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