Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Bodenschutz ist Klimaschutz
Presseaussendung
Wien, 3. Dezember 2015 – 2015 ist das internationale Jahr des Bodens, der 5.12. ist außerdem der jährlich wiederkehrende Tag des Bodens. Beide haben zum Ziel, besondere Aufmerksamkeit auf die enorme Bedrohung unseres Erdreiches zu legen. Auch im Rahmen der Weltklimakonferenz, die dieser Tage in Paris stattfindet, ist der Boden Thema. Ist er doch ein engagierter Klimaschützer, wenn man ihn lässt. Denn das Ökosystem Boden bildet ein fragiles Netzwerk aus Wasserspeicher, Kohlenstoffspeicher und Lebensräumen. Kommt ein Faktor aus dem Gleichgewicht, sind die Folgen oft fatal. „Auch für den Schutz der Böden sind verbindliche Klimaziele unabdingbar. Wir müssen jetzt handeln, damit wir nicht den Boden unter unseren Füßen verlieren. Darum fordert der WWF den Schutz und die Wiedervernässung von Mooren und eine gezielte Förderung von Maßnahmen zum Humusaufbau,” appeliert Julia Haslinger, Klimaschutzreferentin des WWF Österreich.
Als enormer Kohlenstoffspeicher trägt der Boden wesentlich zum Klimaschutz bei. Pflanzen atmen das CO2 aus der Luft ein und speichern es in ihren Blättern und Ästen. Wenn diese verwelken bzw. von der Pflanze abfallen, transportieren kleine Bodenlebewesen die Reste weiter ins Erdreich und wandeln sie in Humus um. So wird ein intakter Boden zum wichtigen Kohlenstoffspeicher. Einseitige Bewirtschaftung und die Nutzung von synthetischen Düngemitteln degradieren ihn und berauben ihn seiner Fähigkeit, den Kohlenstoff in Form von Humus bei sich zu behalten. CO2 wird freigesetzt und belastet das Klima.
Der Boden als Schwamm gegen die Hitze
Intakter Boden nimmt Regenwasser auf wie ein Schwamm – er filtert und speichert es. So sorgt er für sauberes Trinkwasser und dient als Wasserquelle für Mensch, Tier und Pflanze. Humusreicher Boden kann extreme Wetterereignisse wie lange Dürre- bzw. Niederschlagsperioden abfedern, indem er entweder gespeichertes Wasser an die Pflanzen abgibt oder überschüssiges Wasser aufsaugt. So können sogar Hochwässer und Trockenheit abgeschwächt bzw. verhindert werden. Wenn sich Wetterextreme häufen, wird die Funktion des Bodens überstrapaziert und er kann sie nicht mehr erbringen.
Der Boden als Heimat der Vielfalt
15 Tonnen – so groß ist die Masse an Bodenlebewesen, die sich unter der Fläche von einem Hektar befindet. Zum Vergleich, das entspricht ungefähr dem Gewicht von 20 Kühen, oder anders gesagt unterirdisch zehn mal mehr Bodenlebewesen als oberirdisch Milchkühe. Boden ist Lebensraum für rund ¼ der Erdbiodiversität. Dank dieser Vielfalt herrscht in einem intakten System eine ausgewogene Boden-Pflanzen Wechselwirkung. Die Bodenlebewesen wandeln nicht nur abgestorbene Pflanzenteile in Humus um. Der König des Bodens, der Regenwurm, bohrt Löcher und lockert so das Erdreich. Wasser kann dadurch besser aufgenommen werden. Außerdem nutzen andere Lebewesen diese Höhlen als Wege und Behausungen und befüllen sie mit Pflanzenresten. Diese verrotten und werden dabei in wertvollen, nährstoffreichen Humus umgewandelt.
Der WWF fordet den Schutz und die Wiedervernässung von Mooren und eine gezielte Förderung von Maßnahmen zum Humusaufbau.
Weiterführende Informationen und WWF-Studien finden Sie hier
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF Österreich Pressesprecherin, Tel, 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung [AL1.1]diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz
WWF zum Natura 2000-Tag: Neue EU-Daten zeigen schlechte Lage der Biodiversität in Österreich
Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
WWF zur Inflation: Fossile Energien sind zentraler Preistreiber
Ein Drittel der Teuerung geht auf höhere Treibstoff- und Heizölpreise zurück – WWF fordert mehr Energieeffizienz, Abbau umweltschädlicher Subventionen und naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien – Spritpreisbremse nahezu wirkungslos
WWF zu EABG-Verhandlungen: Regierung muss ihren Entwurf grundlegend verbessern
Naturschutzorganisation kritisiert mangelnde Kompromissbereitschaft der Koalition und fordert klare Verbesserungen bei Naturverträglichkeit
WWF: Mehr als 1.300 geschützte Tiere seit 2020 in Österreich getötet
Abschüsse von Bibern, Fischottern, Wölfen und Greifvögeln nehmen deutlich zu – WWF warnt vor „Normalisierung“ der Tötung geschützter Arten – Neue Kampagne gestartet
Almauftrieb am Hundsheimer-und Spitzerberg: Erste Beweidung seit 60 Jahren stärkt Biodiversität
Grasende Rinder sichern Lebensraum für seltene Arten – Vorzeigemodell: WWF fordert Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in ganz Österreich













