2030-Ziel außer Reichweite – WWF fordert Waldschutzpaket und entwaldungsfreie Lieferketten
Breite Umwelt-Allianz fordert Naturschutz beim Erneuerbaren-Ausbau
WWF und Umweltdachverband appellieren gemeinsam mit einer breiten Allianz an die Parlamentsparteien: Keine Kraftwerksförderung in Schutzgebieten, Naturjuwele erhalten!
Wien, am 28. April 2021. Während die Verhandlungen zum Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) im Nationalrat in die Zielgerade gehen, richtet eine breite Allianz aus 43 Umweltorganisationen, Bürger*inneninitiativen und Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft einen dringenden Appell an alle Parlamentsparteien. Denn auch wenn der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig und begrüßenswert ist, könnte das EAG zu einer Millionenförderung von Kraftwerksbauten in Schutzgebieten und an ökologisch einzigartigen Flussstrecken führen. „Die Naturschutz-Kriterien müssen schärfer formuliert und lückenlos umgesetzt werden. Wichtige Lösungsansätze für die Klimakrise dürfen nicht zu einem Brandbeschleuniger für das Artensterben werden, damit wir auch in Zukunft von lebendigen und klimafitten Flüssen profitieren“, sagt Bettina Urbanek, Gewässerschutz-Expertin beim WWF Österreich.
Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes, ergänzt: „Wenn Biodiversitätsschutz kein Lippenbekenntnis bleiben soll, braucht es wirksame Naturverträglichkeitskriterien für die zukünftige Förderung des Erneuerbaren-Ausbaus. Intakte Natur und funktionsfähige Ökosysteme sind die Basis für Klimaschutz und Klimaregulation. Wer Klimaschutz gegen Naturschutz ausspielt, wird beides verlieren.“
Ungezügelte Verbauungspläne stoppen
Da der Beschluss des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes im Nationalrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigt, laufen aktuell intensive Verhandlungen. „Wir erfahren laufend von den intensiven Bemühungen, die wenigen Naturschutz-Kriterien im EAG sogar noch weiter aufzuweichen. Die Energiebranche will offensichtlich auch noch die letzten freien Flüsse verbauen, um ihre Profite auf Kosten der Allgemeinheit zu steigern. Die Verhandler*innen dürfen dem keinesfalls nachgeben. Sie müssen die ungezügelte Verbauung der letzten Naturjuwele verhindern“, sagt Urbanek. Gerade Schutzgebiete sind unersetzliche Lebensräume und Rückzugsorte für gefährdete Arten.
Wirksame Naturschutz-Kriterien gefordert
Konkret fordern die unterzeichnenden Organisationen wirksame Naturschutz-Kriterien für die Vergabe neuer Ökostrom-Subventionen sowie die Konzentration der Förderung auf die Effizienzsteigerung jener bestehenden Anlagen, die ökologisch weniger bedenklich sind als der Bau neuer Kraftwerke. „Das bisherige System enthält völlig falsche Anreize für die Verbauung intakter Flüsse, obwohl rund 80 Prozent der bestehenden Kraftwerke die ökologischen Mindestanforderungen verfehlen. Die Sanierung und Effizienzsteigerung dieser Anlagen müssen klare Priorität für die Förderungen haben“, sagt Maier.
Im Gegensatz zur Sonnenenergie ist die Wasserkraft in Österreich bereits extrem stark ausgebaut. Mehr als 5.200 Kraftwerke sind einer der Hauptfaktoren für den schlechten Zustand heimischer Gewässer – viele davon Kleinstwasserkraftwerke, die für sehr wenig Energie sehr viel Natur zerstören. Nur noch 14 Prozent der Flüsse sind in einem sehr guten ökologischen Zustand, über 80 Prozent sind bereits verbaut, rund 60 Prozent müssen saniert werden, um wieder ökologisch intakte Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen.
Rückfragehinweis:
Mag. Nikolai Moser
Leiter Kommunikation WWF Österreich
+43 664 883 92 489
nikolai.moser@wwf.at
www.wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Bodenverbrauch in Österreich 2025 gestiegen
7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
Budget: WWF fordert Wasserzins nach Schweizer Vorbild
Österreichisches Modell könnte rund 685 Millionen Euro jährlich für Budget bringen – Einnahmen sollen zweckgebunden in Gewässerschutz, Renaturierung und Energiesparmaßnahmen fließen
WWF: Salzburger Wolf-Verordnung verstößt gegen EU-Recht
Naturschutzorganisation warnt vor Gefährdung des Artenschutzes und erheblichem Tierleid – Rückzug der Verordnung aufgrund zahlreicher Mängel gefordert
WWF-Analyse zeigt dramatische Unterfinanzierung des Naturschutzes
Finanzierungslücke von fast einer Milliarde Euro beim Schutz der Biodiversität – Nur 30 Prozent des Bedarfs gedeckt – WWF und Wissenschaft fordern Kurswechsel bei Budget-Entscheidungen
WWF kritisiert Österreich-Vorstoß zur Lockerung von EU-Umweltauflagen
Kritik an Vorpreschen der Bundesregierung bei Deregulierung – Natur- und Artenschutz-Richtlinien wichtiges Schutzschild für Biodiversität und Klima
Durchbruch an der Grenzmur: WWF zeigt, wie Renaturierung gelingt
WWF Österreich und slowenische Projektpartner stellen natürlichen Fluss der Mur wieder her – Verbesserung des Hochwasserschutzes und der Flusslebensräume
Hitzetod bedroht Amazonas-Delfine: Studien zeigen gefährliche neue Normalität
Anhaltende Überhitzung von Flüssen gefährdet seltene rosa Flussdelfine – Klimakrise als Ursache für “thermische Fallen” von bis zu 41 Grad Celsius – WWF fordert besseren Schutz von Flüssen
Hunde-Spaziergang am Inn: Wie man Vogel-Nachwuchs schützen kann
An den Kiesbänken des Inns brüten derzeit wieder seltene Vogelarten. Doch Spaziergänger:innen und freilaufende Hunde können den Nachwuchs unwissentlich gefährden.










