© Sebastian Frölich
Tiroler Lech: Wild. Frei. Unverzichtbar.
Der Lech ist einer der letzten großen Wildflüsse Österreichs. Mit seinen verzweigten Seitenarmen, weitläufigen Schotterbänken und dynamischen Ufern bietet er Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Wo der Fluss seinen Lauf noch selbst bestimmen kann, entsteht eine einzigartige Landschaft, die in den Alpen nur noch selten zu finden ist. Obwohl er seit 2000 unter Schutz steht, gerät der Lech mit seinen unverzichtbaren Zubringern immer wieder durch Pläne der Energiewirtschaft unter Druck, wie aktuell am Namlosbach.
Ein Fluss, der sich seinen eigenen Weg bahnen darf
Der Lech bewegt große Mengen an Kies und Schotter und verändert dadurch ständig sein Flussbett. Seitenarme bilden sich neu, Ufer werden umgelagert und neue Kiesflächen entstehen.
Diese natürliche Dynamik ist die Grundlage für die besondere Vielfalt des Lechs. Sie schafft laufend neue Lebensräume für Arten, die auf genau diese wechselnden Bedingungen angewiesen sind.
Rund 60 Kilometer lang fließt der Lech in Tirol noch weitgehend frei und dynamisch. Eine solche großflächig erhaltene Wildflusslandschaft ist in den nördlichen Alpen einzigartig.
Doch diese Freiheit endet an der Grenze: In Bayern ist der Lech auf weiten Strecken durch Wasserkraftnutzung geprägt. Gerade deshalb ist der frei fließende Tiroler Abschnitt von besonderer Bedeutung – für die Natur und für den Schutz der letzten Wildflüsse Europas.
WWF-Flusswahl: „Fluss des Jahres“ 2026
Der WWF fordert von der Landesregierung eine öffentliche Schutzgarantie für den Lech und seine Zuflüsse, um den Wildfluss dauerhaft vor neuen Eingriffen zu schützen.
Ein Paradies für seltene Arten
Wo andere Flüsse längst verbaut und begradigt sind, findet der Flussuferläufer am Lech noch geeignete Brutplätze. Auch die stark gefährdete Deutsche Tamariske, dieser unscheinbare, aber äußerst anspruchsvolle Strauch, ist auf ein natürliches Flusssystem angewiesen.
Schotterbänke, Seitenarme, Auwälder und regelmäßig überschwemmte Ufer bilden ein Mosaik unterschiedlichster Lebensräume. Davon profitieren zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Verschwindet ihr Lebensraum, verschwinden auch sie.
Renaturierung mit Erfolg
Durch zwei große LIFE-Projekte wurde der Lech zu dem, was ihn heute auszeichnet. Mit mehr als 13 Millionen Euro wurden harte Uferverbauungen entfernt, Flussabschnitte renaturiert und neue Lebensräume für seltene Arten geschaffen. So bekam der Lech wieder mehr Raum für seine natürliche Entwicklung.
Heute ist er ein Aushängeschild für naturnahen und sanften Tourismus und zieht zahlreiche Menschen an, die diese einzigartige Landschaft erleben möchten.
Lech trotz Schutzstatus im Visier der Wasserkraft
Der WWF setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz des Lechs ein. Im Jahr 2000 wurde die einzigartige Flusslandschaft als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen. 2004 folgte der Schutz als Naturschutzgebiet und die Ernennung zum Naturpark Tiroler Lech.
Doch trotz seines hohen Schutzstatus gab es immer wieder Pläne der Energiewirtschaft, Wasser aus dem Lech-System für die Wasserkraft zu nutzen. Die ÖBB planten beispielsweise, Wasser aus den Lechzuflüssen Pazüelbach und Zürsbach abzuleiten, um das Kraftwerk Spullersee zu erweitern. Nach jahrelangem Widerstand der Bevölkerung, betroffener Bauern und Umweltschutzorganisationen wie dem WWF Österreich zogen die ÖBB ihre Ausbaupläne 2015 schließlich zurück. Ein wichtiger Erfolg, der zeigt, was möglich ist, wenn sich viele Menschen gemeinsam für den Schutz unserer Flüsse einsetzen.
Hände weg vom Namlosbach
Aktuell droht dem Lech-System ein neuer schwerer Eingriff: Die Elektrizitätswerke Reutte planen, dem Namlosbach, einem wertvollen und naturnahen Seitenbach des Lechs, einen Großteil seines Wassers zu entziehen. Über einen rund 5,8 Kilometer langen Stollen soll das Wasser in den Rotlech-Speicher geleitet werden.
Doch der hohe Schutzstatus muss ernst genommen werden. Auch die Zubringer des Lechs sind Teil dieser geschützten Flusslandschaft und tragen entscheidend zu ihrer natürlichen Dynamik und Artenvielfalt bei. Werden ihnen große Mengen Wasser entzogen, wird damit das gesamte Flusssystem geschwächt.
Zahlen & Fakten zur Lech
- Quelle: Formarinbach und Spullerbach im Lechquellengebirge bei Lech am Arlberg in Vorarlberg
- Länge: rund 264 Kilometer bis zur Mündung in die Donau
- Flusslauf: Von Vorarlberg durch Tirol nach Bayern
- 60 Kilometer Wildfluss: In Tirol darf der Lech noch rund 60 Kilometer weitgehend frei und dynamisch fließen.
- Und dann? In Bayern wird der Lech auf weiten Strecken durch eine dichte Abfolge von Wasserkraftwerken, Staustufen und Stauseen geprägt.
- Flusstyp: verzweigter Alpenwildfluss
- Schutzstatus: Natura 2000, Naturschutzgebiet
- Besonderheit: eine der letzten großen Wildflusslandschaften Österreichs
- Typische Lebensräume: Schotterbänke, Seitenarme, Auwälder und dynamische Ufer
Flora & Fauna
Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Türks Dornschrecke, Bergmolch, Kreuzkröte, Äsche und Koppe
Flora
Deutsche Tamariske, Zwerg-Rohrkolben, Alpen-Knorpellattich, Gelber Frauenschuh
Links
- Website der Bürgerinitiative Namlosbach – namlosbach.at
- Online-Petition „Finger weg vom Namlosbach! – Hier unterschreiben >
Der Lech ist in seiner Gesamtheit ein Juwel, das es zu bewahren gilt. Ein gesunder Fluss braucht seine Zubringer. Wird ihm an einer Stelle Wasser entzogen, betrifft das den gesamten Fluss. Wie bei unserem Körper hat ein Eingriff an einer Stelle Auswirkungen auf das gesamte System.
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Ein Flussjuwel für die Zukunft bewahren
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