Rahmenbedingungen für Klimaneutralität 2040 längst überfällig – Industriellenvereinigung verhindert zahlreiche Energiegesetze und schadet sich selbst
Nach Straßenbau-Evaluierung: WWF fordert Klima- und Bodencheck in ganz Österreich
Weitere große Bauprojekte neu bewerten – Boden- und Klimaschutz als öffentliches Interesse festschreiben
Wien, am 16. Juli 2021 – Anlässlich der wichtigen Evaluierung zahlreicher Straßenbauprojekte durch das Klimaschutzministerium fordert die Naturschutzorganisation WWF die Verankerung eines generellen „Klima- und Bodenchecks“ in Österreich. Die beiden Faktoren sollen als zentrale öffentliche Interessen definiert und große Bauprojekte unter diesem Gesichtspunkt neu bewertet werden – unabhängig, wissenschaftsbasiert und mit Konsequenzen. „Die Erderhitzung wird immer akuter, der Flächenfraß gefährdet überlebenswichtige Bodenfunktionen und die biologische Vielfalt. Daher müssen Projekte, die beim Klima- und Boden-Check durchfallen, rasch gestoppt oder durch eine umweltfreundliche Lösung ersetzt werden“, fordert WWF-Bodenschutzsprecherin Maria Schachinger. Mit durchschnittlich 11,5 Hektar verbautem Boden pro Tag verfehlt Österreich das Nachhaltigkeitsziel des Bundes um mehr als das Vierfache. Zugleich ist der Flächenfraß seit 20 Jahren knapp dreimal schneller gewachsen als die Bevölkerung. Der WWF fordert daher einen „Bodenschutz-Vertrag“ gegen den Flächenfraß sowie eine grundlegende Reform des Umweltrechts.
Anhand neun aktueller Negativbeispiele zeigt der WWF, wie geplante Skigebiete, Chaletdörfer, Straßen, Wasserkraftwerke und Logistikzentren unser Land zu zerstückeln drohen. In allen Bundesländern stehen massive Verbauungsprojekte an, die das Klima schädigen, wertvolle Böden versiegeln und in einigen Fällen nicht einmal vor Naturschutz-Gebieten halt machen. „Die Projekte zeigen die jahrzehntelangen Versäumnisse einer Raumordnungspolitik, die vor allem auf kurzsichtige Profitinteressen ausgerichtet ist. So werden immer mehr Böden zu Asphaltwüsten und Betonburgen, worunter sowohl unsere eigene Gesundheit, als auch Klima und Artenvielfalt leiden“, warnt WWF-Expertin Maria Schachinger.
Versiegelt und verbaut – Neun Negativbespiele für die Verbauung Österreichs
Besonders deutlich zeigt sich der Bedarf nach einem umfassenden Klima- und Bodencheck bei den vielen flächenfressenden, klimaschädigenden Straßenbauprojekten wie der Lobau-Autobahn, der Marchfeldschnellstraße oder der Bodensee-Schnellstraße. Gleichzeitig verdeutlicht der laufende Ausbau der Skigebiete, wie beispielsweise in Vorderstoder (OÖ) oder Zauchensee (Salzburg) gravierende Schwachstellen bei Bodenschutz und Umweltrecht mit viel zu hohen Schwellenwerten. Rund 40.000 Hektar Leerstand stehen laut Daten des Umweltbundesamts in Österreich zur Verfügung. Dennoch soll einem Logistikzentrum in Graz-Liebenau wertvolle Ackerfläche zum Opfer fallen. Währenddessen schreitet der Ausverkauf der Natur in Kärnten durch zahlreiche geplante Chalet-Dörfer voran, die zum Teil in weitgehend naturbelassenen Berglandschaften wie dem Spitaler Berg Goldeck entstehen sollen. Im Burgenland liegt eines der letzten wichtigen Vogelbrutgebiete direkt vor dem Nationalpark und UNESCO-Weltkulturerbe am Neusiedlersee. Ausgerechnet hier soll das Krankenhaus Gols errichtet werden – trotz mehrerer Alternativstandorte. Und in Tirol gefährdet der Ausbauplan des Kraftwerks Kaunertal eine streng geschützte Hochgebirgslandschaft, die hinter einer 120 Meter hohen Staumauer zu verschwinden droht.
Über den Klima- und Bodencheck
Der WWF fordert, dass ein umfassender Klima- und Boden-Check in alle relevanten Gesetze, Verordnungen und Strategien integriert wird. Anstatt zahnloser und lückenhafter Wirkungsfolgenabschätzungen braucht es unabhängige, wissenschaftsbasierte Kontrollen (vor allem bei Klimaschutz, Bodenverbrauch und Biodiversität) sowie die verpflichtende Vorlage von Alternativen. Das gilt vor allem dann, wenn geplante Vorhaben die Ziele des Pariser Klimavertrags, des EU-Naturschutzrechts und der Biodiversitätsstrategie verletzen oder konterkarieren.
Downloads: Negativ-Projekte Bundesländer (pdf, 3,6 MB)
Rückfragehinweis:
Valentin Ladstätter
Pressesprecher WWF Österreich
+43 676 83488 257
valentin.ladstaetter@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Trockenheit in Österreich: WWF fordert Schutz des Platzertal-Moors als wichtigen Wasserspeicher
Feuchtgebiete in der Klimakrise immer wichtiger – Kraftwerkspläne bedrohen einzigartiges, hochalpines Moor – WWF fordert Schutz intakter Moore für wertvollen Wasserrückhalt
WWF-Ranking: Kein Bundesland schützt Böden ausreichend
Naturschutzorganisation analysiert Bodenpolitik der Bundesländer – Salzburg an der Spitze, aber nur „lückenhaft“ – Kärnten und Oberösterreich Schlusslichter – Mehr als die Hälfte der 99 Teilbewertungen im neuen WWF-Bodenreport kritisch oder ungenügend
Countdown für Renaturierungspläne: WWF fordert rasche Fertigstellung und Veröffentlichung
Zwei Wochen vor EU-Deadline noch immer kein Gesamtentwurf vorliegend – Historische Dürre zeigt Notwendigkeit von Renaturierung – Umweltminister und Bundesländer in der Pflicht
Klimakrise trifft verbaute Flüsse besonders hart: WWF fordert Renaturierung zum Schutz seltener Huchen
Fehlender Wasserrückhalt verschärft Austrocknung – Kleinwasserkraftwerke behindern Fischwanderung – WWF fordert mehr Renaturierung zum Erhalt der gefährdeten Huchen in der Pielach
WWF-Erfolg: 20 Sambars in thailändischem Nationalpark freigelassen
20 Tiere, ein Nationalpark und ein großes Ziel: Die Natur wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Im Nationalpark Mae Wong wurden erfolgreich Sambars freigelassen.
WWF und ÖKOBÜRO gewinnen Artenschutzverfahren am Verwaltungsgerichtshof
Höchstgericht bestätigt fehlende Rechtskonformität von Abschuss-Verordnungen für geschützte Tierarten – Ende der pauschalen Tötungen gefordert
WWF: Klimakrise stellt Budget auf Belastungsprobe
Folgen der Klimakrise sorgen für Schäden in Millionenhöhe – Umweltschutzorganisation fordert konsequenten Klimaschutz und wirksame Klimawandelanpassung statt reiner Symptombekämpfung
Elefanten in der Klimakrise: WWF warnt vor “gefährlichem Cocktail” für Dickhäuter
Dürre, Hitze und extreme Niederschläge verändern den Lebensraum von Elefanten massiv – Suche nach Wasser und Futter zunehmend erschwert – WWF fordert verstärkte Schutzmaßnahmen









