Umweltschutzorganisation macht auf dramatischen Zustand des Mittelmeers aufmerksam – Konkrete Maßnahmen gegen Plastikverschmutzung, Überfischung, intensive Schifffahrt und Artensterben gefordert
Der Inn: Sicher und lebendig oder verbaut und gestaut ?
Innsbruck, am 22. Oktober 2009 – “Ausbau der Wasserkraft heißt immer auch Opferung wertvoller Flusslandschaft und völlige Veränderung des Ökosystems. Wasserkraft ist zwar erneuerbar, ein zerstörter Flussabschnitt aber definitiv nicht!”, erinnert Nicole Schreyer, Alpenprogrammleiterin des WWF. “Lohnt es wirklich, die letzten typischen, den Inn säumenden Auwaldreste, wie wir sie bei Rietz und Mieming noch vorfinden, für ein paar Promille Strom zu opfern?”fragt sich Schreyer. Der WWF informierte heute in einer Postwurfsendung an alle betroffenen IKB-Stromkunden, sowie im Rahmen einer Informationsveranstaltung in Innsbruck über die Bedeutung des größten Tiroler Flusses, und die Bedrohungen, denen er ausgesetzt ist.
Der menschliche Eingriff auf den Inn ist seit jeher sehr groß. Von der Quelle bis zur Mündung zerschneiden bereits 24 Wasserkraftwerke und zahlreiche Querbauten seinen Verlauf. Zusätzlich führten Regulierungsmaßnahmen, Landgewinnung und die Nutzung als Transportweg zu massiven Umgestaltungen und Beeinträchtigungen des Flusssystems, sodass sich in Tirol nur noch rund 10 Prozent des Flusslaufes in einem naturnahen Zustand befinden. Zu diesen ökologisch wertvollsten Abschnitten gehört auch das unter strengem Naturschutz stehende Gebiet der “Rietzer und Mieminger Innauen” , die durch das Kraftwerk Telfs massiv beeinträchtigt würden.
“Hier haben wir es mit den buchstäblich letzten Resten einer natürlichen Wasserlandschaft am Inn zu tun”, erklärte jüngst auch Univ-Prof. Dr. Roland Psenner von der Universität Innsbruck. Durch die Dynamik des Wassers entstehen hier mittlerweile selten gewordene wertvolle Lebensräume, wie Schotterbänke mit Pioniergebüschen, Auwälder und Flussinseln. „Die Ufer bei Telfs sind einer der wenigen Abschnitte des Inn, an denen noch gefährdete Vogelarten wie der Flussregenpfeifer brüten“ ergänzt Nicole Schreyer vom WWF.
Ein Laufkraftwerk wie die geplante Anlage in Telfs würde den Inn im betroffenen Abschnitt in einen langsam dahin tümpelnden See verwandeln, der Fischen und anderen wasserliebenden Arten keinen Lebensraum mehr bietet. “Soviel zur Mähr vom sauberen Strom aus Wasserkraft,” wirft Schreyer ein. “Wir dürfen unsere allerletzten Flusslandschaften doch nicht mit der selben Fortschrittseuphorie zubetonieren wie noch in den 1950er Jahren!”
Von der ehemals reichen Fischfauna mit 31 Arten kommen nur noch zwei heimische Fischarten in guten Beständen vor. Dennoch punktet der Inn zwischen Prutz und Kirchbichl mit einer freien Fließstrecke, die nicht nur für die Fische sondern auch für den ökologischen Hochwasserschutz eine wichtige Rolle spielen. “Um die Naturräume am Inn zu erhalten oder wieder herzustellen, wird seit Jahren von Bund und Land Tirol viel Geld investiert”, erklärt Schreyer. Vieles wurde bereits erreicht, und bedrohte Arten wie Biber, Fledermaus, Flussuferläufer und Co haben wertvollen Lebensraum zurück gewonnen. “Die Zukunft des Inns steht auf dem Spiel. Wir müssen uns jetzt die Chance auf einen sicheren und lebendigen Fluss erhalten!”, so Schreyer abschließend.
Um die Artenvielfalt im und am Fluss geht es auch bei der Infoveranstaltung “Hinschauen und Innstauen” am 22. Oktober von 14 bis 17 Uhr am Innbrucker Marktplatz. Groß und Klein sind dazu eingeladen, die faszinierenden Wasserlebensräume im WWF-Flussrätselzelt spielerisch zu entdecken, “lebendige Flüsse” und “Innstaue” nachzubauen, und vieles mehr.
Rückfragehinweis und Programm der Veranstaltung:
Mag. Nicole Schreyer, WWF-Alpenprogrammleiterin,
Tel. 0512/57 35 34-25
E-Mail: nicole.schreyer@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Hitzewelle: Stark gefährdete Huchen in der Pielach verendet
Fotobelege aus Wasserkraft-Restwasserstrecken – WWF fordert akute Wasserabgabe, Schutzprogramm und rasche Renaturierung der letzten Huchenflüsse
WWF-Analyse stellt Tiroler Abschuss von Forschungswolf infrage
Auswertung der Standortdaten zeigt unauffällig wandernden Wolf abseits von Ortschaften – Forschungsleiter kritisiert Vorgehen der Behörden – WWF fordert volle Aufklärung durch Landesregierung
WWF kritisiert Niederösterreichs Angriff auf Renaturierung scharf
Naturschutzorganisation: Blockade-Drohung ist fahrlässig und verantwortungslos – Wiederherstellung der Natur schützt Gemeinden vor Hitze, Hochwasser und Folgekosten
WWF: Wolfsabschüsse erreichen bereits zur Jahresmitte neuen Höchststand
Mindestens 23 Abschüsse allein im ersten Halbjahr 2026 – Von Jänner bis Juni schon mehr behördliche Tötungen als im gesamten Vorjahr – WWF kritisiert aggressives Vorgehen gegen geschützte Art
March erstmals über 30 Grad: WWF warnt vor Hitzestress für Fische
Neuer Höchstwert von 30,3 Grad bei Hohenau – Bisheriger Rekord aus 2018 deutlich überschritten – WWF fordert Ausweitung von Renaturierungsprojekten
WWF-Kritik an Linzer “Österreich-Deklaration”: Stillstand beim Bodenschutz wird zementiert
Zitierte ÖROK-Zahlen zeigen massive Zielverfehlung von Bund und Ländern
Hitze – WWF fordert Sonderbudget für Entsiegelung und Renaturierung
Bund und Länder sollen Gemeinden beim Umbau stark versiegelter Orte unterstützen – Zusätzliche Mittel für Begrünung, naturnahe Gewässer und mehr Wasserrückhalt – EU-Renaturierungsgesetz ambitioniert umsetzen
WWF und BirdLife fordern „Aktion scharf gegen Giftköder“
Grausame Geier-Vergiftung im Lesachtal muss Konsequenzen haben – Verbotenes Nervengift für 90 Prozent aller nachgewiesenen Wildtier-Vergiftungen verantwortlich – Seit Jahrzehnten verboten, aber bis heute eingesetzt













