7,7 Hektar pro Tag – Politisches Ziel deutlich überschritten – „Boden-Budget“ bereits Ende April erschöpft – WWF fordert Maßnahmen gegen fortschreitende Verbauung
Der Luchs ist zurück: WWF freut sich über ersten genetischen Nachweis in Tirol
Naturschutzorganisation begrüßt natürliche Rückkehr und fordert einen besseren Schutz von Europas größter Katzenart: Artenschutz fördern, Flächenfraß und Verbauung eindämmen
Innsbruck/ Wien, 15.01.2021 – Die Naturschutzorganisation WWF Österreich freut sich über den ersten genetischen Nachweis eines Luchses in Tirol, weil Europas größte Katzenart in Österreich akut vom Aussterben bedroht ist. Seit den 1970ern konnten die einst ausgerotteten Luchse erfolgreich wiederangesiedelt werden, aber derzeit stagniert ihre Zahl auf sehr niedrigem Niveau. Da die maximal 39 heimischen Individuen bisher nur in kleinen, voneinander isolierten Populationen leben, die kaum Nachwuchs hervorbringen und genetisch verarmen, droht ein Rückgang und im schlimmsten Fall ihr gänzliches Verschwinden, wenn die Politik nicht handelt. „Die Zerschneidung ihrer Lebensräume verhindert, dass einzelne Luchse zur Fortpflanzung zueinander finden. Zugleich dezimieren Fälle von Wilderei die isolierten Populationen. Dieser Teufelskreis muss unbedingt durchbrochen werden“, fordert WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler. „Der Luchs spielt eine zentrale Rolle im Ökosystem und ist ein wichtiger Regulator des Wildes sowie von kleinen Beutegreifern in Wäldern und Gebirgen. Seine natürliche Rückkehr nach Tirol ist sehr positiv.“
Aus WWF-Sicht ist es vor allem eine Frage des politischen Willens, das erneute Aussterben der großen Katzen zu verhindern. „Ein gutes Management ist die Voraussetzung für die dauerhafte Rückkehr. Neben konkreten Artenschutz-Maßnahmen muss vor allem der hohe Bodenverbrauch eingedämmt werden“, fordert Christian Pichler. Jeden Tag werden österreichweit im Schnitt 13 Hektar neu verbaut, auch in Tirol ist der Flächenfrauß enorm. „Die weitere Zerschneidung der Luchs-Lebensräume, zum Beispiel durch neue Straßen oder Industrie- und Gewerbegebiete, muss durch eine bessere Raumplanung verhindert werden. Zugleich braucht es sichere Querungsmöglichkeiten für bestehende Hindernisse. Genauso wichtig ist, dass illegale Verfolgung als Straftat konsequent verfolgt und bestraft wird. Darüber hinaus kann die Umsiedelung von Luchsen aus anderen Gegenden Europas ihr Vorkommen in Österreich stärken“, erklärt der WWF-Experte.
Bisher gibt es drei heimische Luchsvorkommen. Im Norden hat Österreich Anteil an der grenzüberschreitenden böhmisch-bayerisch-österreichischen Population. Davon konnten 23 Luchse in Österreich nachgewiesen werden, von denen aber kein Exemplar ausschließlich hierzulande lebt. Die Region um den oberösterreichischen Nationalpark Kalkalpen beherbergt eine stark bedrohte Population von derzeit sechs Tieren. Das Vorkommen einiger weniger Luchse in Vorarlberg ist eine Folge der sich langsam ausbreitenden Population in der Ostschweiz.
Bundesländer müssen gemeinsam handeln
Obwohl es in Österreich ausreichend Lebensräume und Wildtiere als Beute für den Luchs gibt, scheitert ein stabilisierendes Wachstum an fehlenden bundesländer-übergreifenden Maßnahmen. Insbesondere das dafür zuständige „Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs“ muss hier umgehend tätig werden. „Für die Luchse ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie werden rund zehn Jahre alt. Nur vier bis fünf Weibchen bringen im Schnitt jeweils zwei Jungtiere pro Jahr zur Welt. Doch lediglich jeder vierte Jungluchs erreicht auch das Erwachsenenalter. Gelingt es nicht für wesentlich mehr Nachwuchs zu sorgen, ist der Fortbestand des Luchses in Österreich bald Geschichte“, warnt WWF-Experte Christian Pichler.
Rückfragehinweis:
Mag. Volker Hollenstein
Leitung Politik und Kommunikation WWF Österreich
volker.hollenstein@wwf.at
+43 664 501 31 58
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