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Die überwinternde Tierwelt der Auen
Ein strenger Winter wird für heuer von manchen Fachleuten prognostiziert. Wie er wirklich ausfällt, wird sich erst weisen, doch fest steht: Die Tierwelt der Aulandschaften an Donau und March hat längst Vorkehrungen getroffen, vom Wegziehen oder Einschlafen über Frostschutz bis zu trickreicher Nahrungssuche. Welches Tier wappnet sich wie? – Diese und andere Fragen haben die Naturexperten von BirdLife, Nationalpark Donau-Auen und WWF nicht kaltgelassen: Ein spannender Streifzug durch die winterliche Au.
Schneereiche Zeiten sind im Osten Österreichs die Seltenheit, doch auf wochenlange Kälteperioden und eisigen Wind muss sich die Tierwelt hier im Winter einstellen. Die Nahrungs-Knappheit und kurze Tage tun ihr übriges.
Zweifellos am Gemütlichsten ist es, die unwirtliche Zeit einfach zu verschlafen… Davor gilt es aber, sich den Bauch noch ordentlich vollzuschlagen und so Reserven anzulegen. Unter anderem wählen Ziesel, Igel, Bilche und Fledermäuse die Strategie des Winterschlafs. Körpertemperatur und Atemfrequenz sinken ab und die Vitalfunktionen sind vermindert.
Wechselwarme Tiere wie Reptilien und Amphibien verfallen im Winter hingegen, zurückgezogen in sichere Verstecke, in Kältestarre. Die Einlagerung von Glukose in die Körperflüssigkeiten verhindert deren Einfrieren. „Ein typisches Beispiel sind die Europäischen Sumpfschildkröten im Nationalpark Donau-Auen. Sie suchen rechtzeitig schlammige Gewässerböden auf, stellen auf Hautatmung um und überdauern hier die kalte Zeit!“, so Nationalpark-Mitarbeiterin Erika Dorn.
Unter den Insekten gibt es zahlreiche Vertreter, die nach der Eiablage im Sommer sterben. Ihre Eier oder Larven verbringen den Winter geschützt und entwickeln sich im Frühling weiter. Viele Schmetterlinge verpuppen sich vor Einbruch der Kälte – doch der Zitronenfalter kann auch in seiner erwachsenen Form überwintern. Er ist mit einem speziellen Frostschutz ausgestattet – er lagert Glyzerin ein!
Neben dem echten Winterschlaf gibt es auch Tiere, die Winterruhe halten – also längere Ruheperioden mit kurzen aktiven Phasen. Lediglich die Herzschlagfrequenz wird verringert. Eichhörnchen und Dachs etwa werden zwischendurch munter, um sich zu stärken – mit Vorräten, die sie im Herbst angelegt haben, bzw. nun auffindbarer Beute.
Einst streifte auch der Braunbär durch die Flussauen der Donau, die heute als Nationalpark geschützt sind. Bären ziehen sich während der kalten Jahreszeit in einen Bau oder eine Höhle zurück um dort zu ruhen – zumindest die Männchen. Denn Bärenweibchen bringen in dieser Höhle zwischen November und Februar ihre Jungen zur Welt. Davor haben sich Herr und Frau Petz noch bis in den Spätherbst hinein einen tüchtigen Fettvorrat angefressen. Im Winter überlassen sie das Feld dann anderen großen Beutegreifern wie den Wölfen und Luchsen, die durchgehend wach sind und mit denen sie sich oft ein Revier teilen. Wenngleich die großen Jäger derzeit im Osten unseres Landes kaum vorhanden sind, stellt die Auenwildnis für diese Weitwanderer ein wichtiges Verbindungsstück zwischen den Lebensräumen in den Alpen und den Karpaten dar.
Zahlreiche Wildtiere bleiben ohne Unterbrechung aktiv – ein dichtes Fell bzw. wasserdichtes Gefieder und Geschick helfen ihnen dabei, die Kälte abzuwehren. Besonders üppig ist das Futter-Angebot aber wahrlich nicht. Reh- und Rotwild nutzen Gräser und Moos oder knabbern an Rinde und Trieben der Gehölze. Wildschweine wühlen im Waldboden nach Fressbarem. Der Biber fällt Bäume, um an die zarten Zweige der Kronen zu gelangen – da die ausgesuchten, ufernahen Exemplare meist ins eisige Wasser stürzen, bleibt die Nahrung viele Wochen frisch und er kann sich immer wieder bedienen.
Auch dem Wolf hilft sein dichtes Fell, harte Winter zu überstehen. Ortsnamen wie Wolfsthal deuten darauf hin, dass er früher in den Donau- March- und Thaya- Auen gelebt hat. Sicher ist, dass Wölfe den Alpen-Karpaten-Korridor nutzen, wenn sie – von der Slowakei kommend – über Niederösterreich und das Burgenland in die Alpen ziehen. Im Gegensatz zu ihren Beutetieren können sich Wölfe im Winter wesentlich besser durch tiefverschneites Gebiet bewegen. Vor allem geschwächte oder kranke Rehe, Hirsche und andere Beutetiere fallen ihm dann zum Opfer oder sie werden nach dem Verenden als Aas gefressen. „Auf diese Weise erhöht der Wolf die Vitalität des Wildes“, erklärt Christian Pichler vom WWF.
Letztlich kann man der Kälte auch schlichtweg entfliehen: Unsere Zugvögel, darunter Weißstorch, Pirol oder Flussregenpfeifer, begeben sich rechtzeitig vor Anbruch der kalten Jahreszeit in wärmere Gefilde, wo sie günstigere Bedingungen vorfinden. Für Meise, Rotkehlchen, Kleiber und Co heißt es allerdings Eis und Schnee im Auwald zu trotzen. „Kälte kann auch dem kleinsten Vogel nichts anhaben, solange er genügend Nahrung findet“, so Gerald Pfiffinger von BirdLife Österreich. Das Übrige tut das Daunenkleid: Die fein verästelten Daunenfedern ermöglichen isolierende Luftpolster am Vogelkörper, sodass die notwendige Körpertemperatur von konstanten 40 Grad erhalten bleibt. Die Pflege des Federkleides ist deshalb durch das Jahr hindurch von großer Wichtigkeit. Die Füße der Vögel sind auch im Winter kalt – nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt. So taut der Schnee nicht unter den schmalen Vogel-Füßen und verhindert das Festfrieren.
Prinzipiell ernähren sich Vögel auch im Winter von Beeren, Samen und Insektenlarven. Nur manche Vertreter legen sich rechtzeitig einen Wintervorrat an: Eichelhäher vergraben Eicheln im Boden. Tannen-, Sumpf- oder Haubenmeise und der Kleiber verstecken Samen und Haselnüsse unter Baumrinden.
Wer besonders schlau ist, lässt jedoch arbeiten: Der mächtige Seeadler macht, anstatt selbst nach Fischen oder Wasservögeln zu jagen, manchmal anderen, unterlegenen Vögeln wie dem Kormoran seinen Fang streitig – meistens mit Erfolg.
Rückfragen richten Sie bitte an:
Mag. Bettina Klöpzig, BirdLife Österreich
mobil: +43/699/18155565, bettina.kloepzig@birdlife.at
www.birdlife.at
Mag. Erika Dorn, Nationalpark Donau-Auen
Tel.: 02212/3450-26, mobil: +43/676/84223526, e.dorn@donauauen.at
www.donauauen.at
Claudia Mohl, WWF Österreich
Tel. 01/48817-250, claudia.mohl@wwf.at
www.wwf.at
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