Naturschutzorganisation fordert rasches Handeln von Bund und Ländern – Echte Energiewende setzt zuerst beim Verbrauch an – Erneuerbare Energien konsequent naturverträglich ausbauen
Ein Jahr nach Wuhan: WWF-Report warnt vor hunderten Wildtiermärkten in Risikogebieten
Gefährlicher Wildtierhandel in südostasiatischer Mekong-Region könnte weitere Virus-Sprünge aus dem Tierreich begünstigen – WWF fordert rasche Einstellung des illegalen und unregulierten Handels
Vor einem Jahr, am 31. Dezember 2019, wurde der Ausbruch einer neuen Lungenerkrankung in der chinesischen Stadt Wuhan bestätigt. Inzwischen gilt es als wissenschaftlich gesichert, dass das SARS-CoV-2-Virus von einem Wildtier auf den Menschen übersprang. Diese Zoonose setzte eine weltweite Pandemie in Gang, unter der die Welt bis heute leidet. Anlässlich des Jahrestages veröffentlicht die Naturschutzorganisation WWF eine Analyse zum Wildtierhandel in der südostasiatischen Mekong-Region. Das Ergebnis: Von rund 500 Märkten in größeren Städten, auf denen häufig mit Wildtieren gehandelt wird, liegt rund die Hälfte in Regionen mit einem potenziell hohen Zoonose-Risiko. „China hat zwar im Februar ein Verbot der Wildtier-Zucht für die Fleischproduktion erlassen, aber in mehreren südostasiatischen Staaten muss noch deutlich mehr getan werden. Der Artenschutz für bedrohte Wildtiere und die öffentliche Gesundheitsvorsorge gehören dringend zusammen gedacht, um die Gefahr des Überspringens von Viren auf den Menschen einzudämmen“, sagt Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms beim WWF Österreich. Als Teil eines Zehn-Punkte-Plans fordert er vor allem die rasche Schließung illegaler und unregulierter Wildtiermärkte sowie schärfere Kontrollen gegen den illegalen Handel: „Der Schmuggel von Wildtieren jenseits aller Regeln schafft einen idealen Nährboden für Virensprünge auf den Menschen. Daher müssen Politik und Behörden deutlich mehr tun.“
In vielen ländlichen Gegenden der Mekong-Region sind Menschen zur Ernährungssicherung noch immer auf Wildtiere angewiesen – darunter sind auch abgelegene Gebiete mit Mangelernährung bei Kindern. Zunehmend werden Wildtiere aber auch für den Verkauf in Städten gejagt. Große Märkte mit niedrigen Hygienestandards sind besonders riskant für die Übertragung von Infektionskrankheiten und auch aus Tierschutz-Sicht verheerend. Auf Lebend-Tiermärkten wie sie in weiten Teilen Chinas und Südostasiens existieren, werden Wild- und Nutztiere nebeneinander verkauft und geschlachtet. Restaurants, die Gerichte mit Wildtieren zubereiten, sowie Online- und Straßenverkäufe sind ebenfalls potenzielle Schmelztiegel für neue Krankheitserreger. Doch nicht nur die Märkte sind ein Risiko: „Die Corona-Ausbrüche in europäischen Nerzfarmen zeigen, dass auch Wildtierfarmen tickende Virus-Bomben sind. Von diesen gibt es in Südostasien immer noch hunderte“, warnt Georg Scattolin.
In der Region werden laut der WWF-Analyse jedes Jahr Dutzende Millionen Wildtiere zu Nahrungszwecken oder zur Verwendung in der traditionellen Medizin gehandelt. Neben Wildschweinen und Hirschen sind das häufig Nagetiere und Fledermäuse, die als Reservoir für eine Vielzahl von pathogenen Erregern gelten. „Die Einstellung des illegalen und unregulierten Wildtierhandels ist daher ebenso wichtig wie die Durchsetzung von Hygiene- und Sicherheitspraktiken auf Wildtiermärkten und in Restaurants“, sagt Georg Scattolin. Regionale Netzwerke und nationale Behörden, die den Handel mit Wildtieren überwachen und geltendes Recht durchsetzen, sind jedoch stark unterfinanziert. Daher braucht es auch auf dieser Ebene mehr Unterstützung, um pandemische Risiken im Keim zu ersticken. Ebenfalls entscheidend ist, dass die Nachfrage nach Produkten des Hochrisiko-Wildtierhandels reduziert wird.
Massive Entwaldung begünstigt Zoonosen
Der WWF macht in seiner Analyse auch auf ein zweites Umweltproblem aufmerksam, das Virus-Sprünge aus dem Tierreich auf den Menschen befördert: Von 1990 bis 2010 wurde die Waldfläche Südostasiens von 268 Millionen Hektar auf 236 Millionen Hektar reduziert. „Wenn Lebensräume zerstört werden und natürliche Barrieren wegfallen, bringt das Arten in Kontakt zueinander, die vorher nicht im Kontakt waren. Werden dort neue Siedlungsräume geschaffen, entsteht eine neue, räumliche Nähe zum Menschen und seinen Nutztieren“, warnt Georg Scattolin vor den Folgen der Entwaldung. Beispiele aus vielen Weltregionen verdeutlichen die Gefahr: Schweinefarmen und Obstbaumplantagen in Malaysia haben den Weg für die Übertragung des Nipah-Virus von Flughunden auf Menschen bereitet. Die Expansion von Reisfeldern und Schweinehaltung in Vietnam hat die Ausbreitung der Japanischen Enzephalitis beschleunigt. Auch andere Infektionskrankheiten werden von Entwaldung getrieben, wie eine brasilianische Studie bereits 2010 aufgezeigt hat: Die Abholzung von vier Prozent eines Waldes ging mit einer fast 50-prozentigen Zunahme der Malariafälle einher.

WWF fordert internationalen Naturschutzpakt
„Die Corona-Krise ist auch das Symptom eines kranken Planeten. Der menschliche Raubbau an der Natur verringert die Artenvielfalt, zerstört den Lebensraum von Wildtieren und drängt diese in die Nähe des Menschen. Zusätzliche Risiken schafft der illegale Handel mit Wildtieren. In Summe entstehen dadurch immer mehr gefährliche Schnittstellen, an denen sich Krankheiten von Tieren auf Menschen übertragen können“, warnt WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin. Daher fordert der WWF einen internationalen Aktionsplan, der sowohl den gefährlichen Wildtierhandel stoppt als auch unsere Natur und Artenvielfalt weltweit verbindlich schützt. „Das Problem sind nicht die Wildtiere, sondern der zu enge Kontakt und falsche Umgang mit ihnen. Im schlimmsten Fall entwickeln sich daraus fatale Pandemien, wie wir sie jetzt erleben. Es liegt daher in unserem ureigenen Interesse, Ökosysteme besser zu schützen. Denn eine intakte Natur gehört zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen gegen globale Gesundheitsgefahren“, sagt Georg Scattolin.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Tiwag-Studie: WWF warnt vor Profiten auf Kosten der Natur
Naturschutzorganisation kritisiert Wasserkraft-Tunnelblick des Energiekonzerns – Alternativen zu teuren Uralt-Projekten wie Kaunertal-Ausbau gefordert – Schäden für Biodiversität werden ignoriert
WWF kritisiert Abschuss-Bilanz 2025: Alle zwei Wochen ein toter Wolf
25 Tötungen im Vorjahr, sieben weitere 2026 – Österreich schießt im mehrjährigen Vergleich sogar fünf Mal mehr als Deutschland – WWF fordert Kurswechsel
Frühes Zeichen des Frühlings: erster Weißstorch des Jahres in Marchegg
Im WWF-Reservat hat die Storchen-Saison begonnen – 2025 gutes Jahr für den Storchen-Bestand – Weitere Rückkehrer werden in den kommenden Wochen erwartet
20 Jahre WWF Earth Hour: Weltweit gehen am 28. März die Lichter aus
Bundespräsident Alexander Van der Bellen ruft gemeinsam mit WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides zur Teilnahme an der globalen Klima- und Naturschutz-Aktion auf
WWF-Klimaschutz-Monitor: Schlechte Klimapolitik wird zum Milliardenrisiko
Analyse nach erstem Jahr der Dreier-Koalition zeigt große Defizite – Bundesregierung verspielt Erreichen der Klimaziele und erzeugt Milliardenrisiken für Budget – WWF fordert Kurskorrektur
Bundesregierung: Erstes Bodenschutz-Zeugnis zeigt große Defizite
WWF-Bodenschutz-Monitor 2026 veröffentlicht: Ein Jahr nach Regierungsstart prägen Stillstand und Rückschritte die Bodenpolitik – Widmungsabgabe als positive Ausnahme
Video: Animation zeigt Klimarisiken im Kaunertal
Eine ZDF-Animation zeigt, was passieren könnte, wenn ein Felssturz den Gepatsch-Stausee trifft.
Notruf vom Nordpol: WWF warnt vor zunehmenden Gefahren für die arktische Tierwelt
Eisbären, Walrosse und Ringelrobben leiden unter Klimakrise und Öl-Industrie – WWF fordert konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie und wirksam geschützte Rückzugsräume









