Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
Ende für Erde am 22. August: Globale Öko-Verschuldung nimmt zu
Wien/Oakland, USA, 21. August 2012 – Der Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day) fällt heuer auf den morgigen 22. August. Damit wurde die Gesamtleistung der Natur auf unserem Planeten im Jahr 2012 in weniger als neun Monaten aufgebraucht. Ab morgen übersteigt der Ökologische Fußabdruck der Menschheit die Biokapazität der Erde. „Die Menschheit nimmt sich dann mehr von der Erde als diese jährlich an natürlichen Ressourcen erneuern und an Treibhausgasen aufnehmen kann“, so die Umweltorganisationen WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace.
Das Global Footprint Network berechnet jährlich die auf der Erde verfügbare Biokapazität – das Potenzial der Natur – und stellt es dem Ökologischen Fußabdruck (Footprint) gegenüber – dem Maß für die menschliche Inanspruchnahme der Naturleistungen. Ist die Beanspruchung größer als der Nachschub, spricht man von einem „Overshoot“ – der ökologischen Überschuldung. Somit lebt die Menschheit ab dem 22. August bis zum Jahresende 2012 über ihre Verhältnisse – sozusagen auf Pump. „Wenn in weniger als neun Monaten das gesamte Jahreseinkommen verbraucht wird, sollten die Alarmglocken längst Sturm läuten“, sagt Wolfgang Pekny, Geschäftsführer der Plattform Footprint, und warnt „Noch immer ist der Welterschöpfungstag ein wichtiges Datum, von dem kaum jemand Notiz nimmt.“
„Es ist längst an der Zeit, unsere Wirtschaft so zu organisieren, dass sie auch in Zukunft funktionieren kann“, sagt Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Networks. „Wirtschaftliche Erholung wird nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn sie mit einer systematischen Reduktion des Bedarfs an Ressourcen und Leistungen des Ökosystems einhergeht“, so Lisa Kernegger von GLOBAL 2000 zustimmend.
In den 70er Jahren rutschte die Menschheit erstmals in die ökologische Verschuldung. Seitdem kommt der Welterschöpfungstag jedes Jahr ein wenig früher. Der Overshoot Day kann nicht mit letzter Exaktheit festgelegt werden, da sowohl einnahmenseitig bei der Biokapazität, als auch ausgabenseitig beim ökologischen Fußabdruck immer Unschärfen bei der Datenerhebung vorliegen. Der große zeitliche Schritt vom Welterschöpfungstag 2011 (27. September) auf 2012 zeigt keine sprunghafte Zunahme sondern ergibt sich aus methodischen Veränderungen bei der Datenerfassung.
Im Moment beansprucht die Menschheit bereits so viele Ressourcen, dass es eineinhalb Erden bedürfte um diese nachhaltig bereit zu stellen. Nur ein Viertel aller Menschen verursachen durch ihren konsumorientierten Lebensstil den Großteil der Übernutzung. Bei bestehenden Trends wären noch vor 2050 zwei Planeten von der Qualität der Erde erforderlich um unseren Lebensstandard zu halten. Würde die ganze Menschheit so verschwenderisch leben wie wir Österreicher, wären bereits heute drei Planeten von der Qualität der Erde erforderlich. Der österreichische Welterschöpfungstag fiel heuer bereits auf den 3. Mai, der Erschöpfungstag in den USA war schon am 28. März. Der Lebensstil der US-Amerikaner verbraucht derzeit mehr als vier Planeten.
„Die Analyse des Overshoot zeigt uns höchst alarmierende Trends, die von der Politik sträflich ignoriert werden“, warnt Wolfgang Pekny. „Es gibt weder Ziele die jährliche Öko-Neuverschuldung einzudämmen noch Pläne, wie die jährlich wachsende Gesamtschuld jemals zurückbezahlt werden könnte.“ Die Parallelen zur gegenwärtigen Finanzkrise sind offensichtlich. Die ökologische Verschuldung ist aber langfristig weit gefährlicher als die finanzielle. Die derzeitige Knappheit an Getreide etwa wurde durch nur eine trockene Saison ausgelöst und Millionen Menschen hungern heute. „Die Reserven der Natur sind dünn geworden. Ein Bankrott der Natur hätte vernichtende Folgen auf alle Menschen“, so Franko Petri vom WWF. Die globale Übernutzung ist kein ökologisches Problem: Sie ist die zentrale Herausforderung der Menschheit. Für jedes weitere versäumte Jahr werden wir einen höheren Preis bezahlen müssen: Verschärfung bestehender Ungerechtigkeiten, Ressourcenkonflikte, Kriege, Hunger und verheerende Naturkatastrophen.
Wolfgang Pekny bleibt trotzdem optimistisch: „Die Konzepte für ein ‚One-Planet-Living‘ sind technisch, ökonomisch und sozial längst vorhanden. Auch steigt die Zahl der Menschen mit Globalverstand, die begreifen, dass weniger Konsum und dafür mehr Zeit die Qualität unserer Gesellschaft und ein gutes Leben auf dem Raumschiff Erde für den Einzelnen und für alle erhöhen.“ Jeder kann auf www.mein-fussabdruck.at seinen eigenen Ökologischen Fußabdruck berechnen und Verbesserungsmöglichkeiten analysieren.
Für Rückfragen:
Wolfgang Pekny, Plattform Footprint, Tel. 0664-1210761,
Email: wolfgang.pekny@footprint.at.
Franko Petri, WWF, Tel. 01/488 17 231, Email: franko.petri@wwf.at
Hintergrundinformationen auf www.footprint.at.
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