Eine ZDF-Animation zeigt, was passieren könnte, wenn ein Felssturz den Gepatsch-Stausee trifft.
Erfolgsprojekt an der March sichert mehr Platz für Natur und gefährdete Arten
Marchegg. Im Zuge des LIFE+ Projekts „Renaturierung Untere March-Auen“ wurden seit 2017 Schritt für Schritt mehrere gewässerökologische Verbesserungen und Renaturierungen entlang des österreich-slowakischen Grenzflusses durchgeführt. Heute zählt die March mit ihren Auwäldern und -wiesen zu den wertvollsten Naturjuwelen des Landes. Insgesamt kommen in den March-Thaya-Auen viele Hunderte gefährdete Tier- und Pflanzenarten vor. Für 91 besteht eine besondere Verantwortung, weil sie österreichweit ihre jeweils bedeutendsten Vorkommen an der March haben oder nur dort vorkommen. Mehrere Arten haben hier ihre europaweit wichtigsten Vorkommen, wie etwa Rot- und Schwarz-Milan, Seeadler, Hügelnelke oder Urzeitkrebse. Entsprechend positiv ist das Resümee der Projektpartner viadonau, WWF Österreich und NÖ Landesfischereiverband, für die das Projekt einen Meilenstein im niederösterreichischen Naturschutz darstellt. Einst trockengelegte Seitenarme führen heute wieder reichlich Wasser. Schädliche Regulierungen wurden zurückgebaut und Bachmündungen naturnahe umgestaltet. Insgesamt entstanden sieben Kilometer neu durchströmte Fließgewässer wofür 115.000 Kubikmeter Sedimente entfernt wurden. In der Au sind über 15 Hektar Feuchtwiesen neu entstanden, über 20 Hektar an Sutten konnten gesichert werden und das Beweidungsprojekt mit Konikpferden läuft erfolgreich. Die so entstandenen naturnahen Lebensräume wurden sehr rasch von der typischen Flora und Fauna angenommen.
„Schon heute ist deutlich erkennbar, dass die Renaturierungen nicht nur ökologische Verbesserungen für die March selbst, sondern auch für ihre Auen gebracht hat. Auf den neu geschaffenen Feuchtwiesen findet der Weißstorch einen reich gedeckten Tisch vor und der Wachtelkönig einen Brutplatz. Die wassergefüllten Senken (Sutten) bieten etwa Rotbauchunke und Donau-Kammmolch wichtige Laichhabitate. Die Konikpferde im WWF-Auenreservat Marchegg sind nicht nur natürliche Landschaftsgestalter, sondern auch eine echte Attraktion für Besucherinnen und Besucher geworden“, erklärt Michael Stelzhammer, Projektleiter beim WWF Österreich. Die Pferde gestalten und pflegen die Aulandschaft völlig natürlich und schaffen gleichzeitig eine Vielzahl attraktiver Lebensräume für viele gefährdete Arten: Insekten finden offene Sandböden und Insektenjäger, wie der Wiedehopf oder der Neuntöter, reichlich Nahrung.

Franz Steiner, Projektleiter bei viadonau: „Die March ist ein einzigartiges Fluss- und Ökosystem, das durch die im Projekt umgesetzten Maßnahmen nun für weitere Generationen gesichert ist. viadonau zeigt gemeinsam mit den Projektpartnern einmal mehr, wie wichtig es ist, Flüssen wieder Raum für freie Entfaltung zu geben, um neue Lebensräume zu schaffen und die Artenvielfalt zu stärken.“ Die neuen Nebenarme und Flussinseln bieten nicht nur der Flussmuschel oder dem Gewöhnlichen Schlammling wertvollen Lebensraum, sondern verbessern auch die Wasserversorgung der Au – besonders wichtig in Jahren mit trockenen Sommern. Das kommt nicht nur der Natur, sondern auch dem Menschen zugute.
Landesfischermeister des NÖ Landesfischereiverbands Karl Gravogl freut sich über die Erfolge des Projekts: „Mit der Wieder-Anbindung der Seitenarme an die March können die Fische wieder vom Hauptfluss in die Nebenarme zum Laichen wandern. Das schafft wieder mehr natürlichen Lebensraum und stärkt die Fischpopulation. Das kommt letztendlich nicht nur den Fischen, sondern auch der Gesamtbevölkerung und den Fischern zugute.“ Durch die Regulierung der March und der Verbauung ihrer Ufer finden Fische keinen geeigneten Platz zum Laichen – der Fischbestand hat daher drastisch abgenommen und liegt derzeit bei nicht einmal 10 Prozent des ursprünglichen Bestandes. In den neuen Nebenarmen gibt es diese geschützten Laichplätze wieder und so steigt die Zahl der Jungfische nun wieder an.

Hintergrund: LIFE+ Projekt „Renaturierung Untere March-Auen“
Die March ist der einzige naturnahe Tieflandfluss pannonischer Prägung in Österreich. Prägend für die Wiesen und Auwälder sind die regelmäßigen Überschwemmungen. Die Regulierungs- und Intensivierungsmaßnahmen im vergangenen Jahrhundert haben den Zustand des Flusses stark verschlechtert: alle Nebenarme wurden abgeschnitten, der Flusslauf begradigt und so um 14 Kilometer verkürzt. 75 Prozent der Ufer sind mit Wasserbausteinen hart verbaut. Im Zuge des von der EU geförderten Projekts „Renaturierung Untere March-Auen“ wurden insgesamt 3,5 Millionen Euro investiert, um neuen Lebensraum für gefährdete Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Ziele waren die weitreichende Wiederherstellung einer naturnahen Flussdynamik in den Unteren March-Auen, die Extensivierung der Bewirtschaftung sowie gezielte Maßnahmen der Bestandssicherung für gefährdete Arten.

Das LIFE+ Projekt „Renaturierung Untere March-Auen“ ist ein gemeinsames Projekt von viadonau, WWF und NÖ Landesfischereiverband. Die Finanzierung erfolgte zu 50 Prozent mit EU-Mitteln. Weitere Finanzierungspartner sind das Land Niederösterreich und das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.
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