Mehr als 3.000 Tonnen pro Tag – WWF fordert zum Internationalen Tag gegen Lebensmittelverschwendung verbindliche Reduktionsziele und erleichterte Lebensmittelspenden
Erneut toter Seeadler im Waldviertel entdeckt: Letale Bleivergiftung
Wien am 25. Mai 2010 – Erst im März war im Bezirk Horn ein Seeadler an einer Bleivergiftung verendet. Nun gibt es einen weiteren Fall im Waldviertel: Am 4. April entdeckte ein Jäger in Reitzenschlag im Bezirk Gmünd einen toten, extrem abgemagerten Seeadler ohne äußere Verletzungen. Der Jäger verständigte den Niederösterreichischen Landesjagdverband sowie den WWF – beide sind Partner im Seeadler-Schutzprojekt „Vorsicht Gift!“, das sich gegen den illegalen Einsatz von Giftködern wendet. Der Seeadler aus Reitzenschlag wurde am Wiener FIWI – dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der VetMed Uni Wien, untersucht. Seit kurzem liegt das Ergebnis der Obduktion vor: Er ist einer schweren Bleivergiftung zum Opfer gefallen. Die Bleiwerte, die Leber und Nieren des Adlers aufwiesen, geben den Hinweis auf die Todesursache des Seeadlers.
Die Aufnahme bleihältiger Munition – etwa in Form von Schrotkügelchen – ist für Seeadler und andere Greifvögel höchst gefährlich. Wenn die Greife angeschossene Enten oder Gänse erbeuten oder wenn sie unsachgemäß entsorgte Eingeweide von erlegten Rehen oder Wildschweinen – den so genannten “Aufbruch” – fressen, kann Blei in ihren Körper gelangen. Schon geringste Mengen führen zu schweren Vergiftungssymptomen. Bleibelastete Greifvögel verhungern oder kollidieren wegen ihrer eingeschränkten Reaktionsfähigkeit mit Autos, Schnellzügen und Stromleitungen.
„Wir werden unsere Jäger in Zukunft verstärkt darauf hinweisen, dass das Entfernen der Aufbrüche aus der Natur insbesondere in Gebieten mit Seeadlervorkommen einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Bleivergiftungen bei diesen geschützten Tieren darstellt“, kündigt Peter Lebersorger von der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände an. Eine Empfehlung der Landesjagdorganisationen sieht noch folgendes vor: Bei der Jagd auf Wasserwild soll auf Bleischrot verzichtet werden!
Mittelfristig wird ein flächendeckender Ausstieg aus der Verwendung von bleihältiger Jagdmunition notwendig sein. "In ökologisch besonders sensiblen Gebieten wie Nationalparks sollte schon jetzt auf Alternativen zur Bleimunition zurück gegriffen werden", fordert WWF-Seeadlerprojektleiter Christian Pichler.
Der WWF hofft, dass die Bleiproblematik nicht zu einer Unterbrechung der positiven Bestandsentwicklung beim größten heimischen Adler führt. “Unsere Seeadler sind eindeutig im Aufwind”, freut sich Pichler. “Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es keinen einzigen heimischen Seeadler mehr; und heuer halten wir bereits bei 13 Brutpaaren!” Derzeit ziehen die majestätischen Adler ihre Jungen in den Horstbäumen der March-Thaya-Auen – dem wichtigsten Vogelschutzgebiet Österreichs – sowie an der Donau, im Neusiedler See-Gebiet und im Waldviertel groß.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Dr. Peter Lebersorger, Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände, Tel.: 01/ 405 16 36
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