Neuer Bericht des Österreichzentrums: Rückgang auf acht Wolfsrudel im Vorjahr, nur wenige Welpen, Rekordzahl an Abschüssen – WWF fordert mehr Herdenschutz
Erste Erfolge im Kampf gegen Ausrottung der letzten Störe in der EU
Presseaussendung
Wien, 16. September 2015 – Der illegale Artenhandel bedroht nicht nur Tiger in Asien und Elefanten in Afrika sondern auch die letzten Störe der Donau, mitten in Europa. Jahrzehntelange Überfischung und Kilopreise bis zu 6.000 Euro für Kaviar haben die Millionen Jahre alten Fische an den Rand des Aussterbens gebracht. Noch ist ihr Schicksal nicht besiegelt. Kleine Störbestände haben in einem etwa 860 Kilometer langen Donauabschnitt in Rumänien und Bulgarien überlebt und sind derzeit durch ein Fangverbot geschützt. Dennoch werden Donaustöre weiter gewildert, Störfleisch und Kaviar vor Ort verkauft. Auch hierzulande taucht nach wie vor illegaler Kaviar auf.
Der WWF verfolgt bei der Rettung der Störe im ersten EU-LIFE-Informationsprojekt Österreichs eine Doppelstrategie: Einerseits müssen Fischer für den Störschutz gewonnen und dabei unterstützt werden, ihren Lebensunterhalt aus anderen, nachhaltigen und legalen Quellen zu decken. Andererseits müssen die Wilderei und der Handel mit illegalen Störprodukten in der Region selbst sowie der – oft unwissentlich erfolgende – Verkauf von nicht oder falsch gekennzeichnetem Kaviar in der EU abgestellt werden. „Der zentrale Schlüssel zum Schutz der Störe ist jedoch Information und Aufklärung der Fischer und Behörden in den Herkunftsländern“, sagt Jutta Jahrl, Projektleitern beim WWF Österreich.
Die Artenschutzexpertin zieht eine positive Bilanz des nun auslaufenden Dreijahresprojekts: „Wir haben praktisch bei null angefangen, denn die illegale Störfischerei war ein Tabuthema. Im Laufe der Jahre ist es uns gelungen, unter den Fischern Verständnis und Akzeptanz für die notwendigen Schutzmaßnahmen zu schaffen und den Behörden das nötige Wissen zu vermitteln, das sie für eine bessere Kontrolle von Wilderei und illegalem Handel brauchen.“ Für die kommenden Jahre plant der WWF eine Erweiterung seiner Aktivitäten auf zwei weitere Hoffnungsgebiete für die Donaustöre in Serbien und in der Ukraine.
2013 wurde Kaviar im Wert von knapp 23 Millionen Euro legal in die EU importiert, ein Großteil davon aus Aquakultur. Die große Nachfrage nach dem Luxusgut lässt jedoch auch den Schwarzmarkt blühen, sodass Kaviar von gewilderten Stören illegal – oft fälschlich als Zuchtprodukt gekennzeichnet – in den Handel kommt. So wurden etwa im Mai 2014 in Rumänien 80 Kilogramm illegaler Kaviar und vier Tonnen Störfleisch sichergestellt. „Diese erschreckenden Zahlen zeigen, dass Fangverbote allein nicht genügen, solange die Menschen in den Fischerdörfern oft bitterarm sind und zu wenige Alternativen zu Wilderei haben“, erklärt Jahrl. „Die lokalen Behörden können aus Mangel an Wissen, Personal und Geldmitteln kaum kontrollieren, wo überall gefischt, geschmuggelt und illegal gehandelt wird.“ Am WWF-Pranger steht vor allem die Kaviarmafia – organisierte Kriminelle, die diese Situation schamlos ausnützen und riesige Gewinne machen.
„Wilderei ist ein globales Problem, und seine Wurzeln sind überall die gleichen: Armut und Unwissenheit“, unterstreicht Ekaterina Voynova vom Stör-Schutzprogramm des WWF Bulgarien. In hunderten Einzelgesprächen haben die WWF-„Stör-Anwälte“ den Fischern die dramatische Situation der Störe vermittelt. Mit Green-Economy-Experten wurden in Workshops gemeinsam mit den Dorfgemeinschaften Möglichkeiten für alternative Einnahmequellen erarbeitet. Kontrollorgane wie Polizisten, Zöllner und Mitarbeiter der Fischereibehörden wurden in Seminaren und Trainings geschult und mit praxisnahen Leitfäden ausgestattet, um effektivere Kontrollen durchführen zu können. Auch Betriebe die Störe züchten und Kaviar handeln, müssen sich an die Gesetze halten. Beide haben oft große Wissenslücken. „Wir vermitteln den Betrieben, wie anhand des vorgeschriebenen CITES-Etikettes legaler Kaviar von illegalem zu unterscheiden ist, damit nicht zum Beispiel Kaviar von gewilderten Stören als Zuchtprodukt in den Handel kommt“, erklärt Voynova. In Rumänien und Bulgarien haben sich bis dato je vier Fischzüchter über einen Verhaltenskodex mit dem WWF ganz speziell zum Störschutz verpflichtet.
Margareta Stubenrauch vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft lobt das Stör-LIFE-Projekt als konsequent und zielgenau: „LIFE ist ein tolles Instrument für den Naturschutz über Grenzen hinweg, besonders bei Arten wie den Stören in der Donau, die in mehreren Ländern vorkommen. Das multinationale Projektteam des WWF konnte durch effektive Information und Kommunikation Vertrauen und ein Umdenken bei den Fischern erreichen. Auch die Kontrollbehörden sind nun besser für ihre Aufgaben gerüstet. Dennoch sollte die EU Schutzbemühungen in Mitgliedsländern, die derart seltene und bedrohte Arten beheimaten, noch viel stärker unterstützen“, so die EU-Spezialistin im Ministerium für ein Lebenswertes Österreich.
In einem LIFE-Folgeprojekt will der WWF seine Aktivitäten in Rumänien und Bulgarien vertiefen und auf die Donauabschnitte in Serbien und dem ukrainischen Donaudelta ausdehnen. Fischer sollen weiterhin persönlich betreut und die Dorfgemeinschaften fachlich bei der Erschließung neuer Einnahmequellen als Alternative zur Störfischerei, etwa im Ökotourismusbereich, unterstützt werden. Die Informationsarbeit für Behörden soll noch gezielter erfolgen. Illegale Handelswege von Störfleisch und Wildkaviar sollen durch „Mystery Shopping“ bei Händlern und in Restaurants aufgedeckt werden.
In Österreich kann jeder Konsument zum Kampf gegen das Aussterben der Störe beitragen, indem ausschließlich Kaviar mit CITES-Etikett erworben und in Restaurants gezielt danach gefragt wird. Durch den Code auf dieser Banderole lassen sich unter anderem die Herkunft und die Störart ablesen.
Englischsprachige Projekt-Website: http://danube-sturgeons.org/
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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