Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
Fischotter nicht für Fischsterben verantwortlich
Der ökologische Zustand von Österreichs Gewässern und der dort lebenden Arten ist besorgniserregend. Gerne wird der Fischotter zum Sündenbock für den Rückgang von Fischbeständen und anderen seltenen Tieren in Österreichs Gewässern gemacht. Das dem eindeutig nicht so ist, zeigt ein neuer WWF Report.
Nicht immer wird eine auf Fakten basierende Diskussion geführt. Ziel des neuen Reports war es daher, den wahren Ursachen für das Artensterben in Österreichs Gewässern auf den Grund zu gehen. Zu diesem Zweck wurden über 500 Datensätze offizieller Berichte der Bundesländer an die Europäische Kommission ausgewertet und 62 Arten aus fünf Artengruppen (Fische, Amphibien, Flusskrebse, Libellen und Weichtiere) untersucht. Das sind die zentralen Ergebnisse:
1. Das Artensterben ist menschengemacht
Die Untersuchung der Datensätze zeigt ganz eindeutig: Die aktuelle Situation ist menschengemacht. Mehr als 60 Prozent der heimischen Flüsse sind laut dem Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan in einem mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand. Die Hauptursache ist die Lebensraumzerstörung durch den Menschen. Flussbegradigungen, Uferverbauungen, Wasserkraft- und Querbauwerke sowie Transport- und Verkehrsinfrastruktur machen den Tieren das Leben besonders schwer. Auch die Verschmutzung z. B. durch landwirtschaftlichen Pestizideinsatz ist ein wesentlicher Belastungsfaktor.
2. Der Fischotter ist nicht schuld
Über 90 Prozent der 62 bewerten Arten weisen keinen günstigen Erhaltungszustand auf. Der Rückgang von Fischen, Fröschen, Krebsen, Muscheln oder Libellen in heimischen Gewässern liegt an der Zerstörung und Verschmutzung ihres Lebensraumes. Die Daten zeigen klar: Bis auf einen Einzelfall spielen natürliche Fressfeinde wie der Fischotter für den bisher beobachteten Artenrückgang keine wesentliche Rolle. Auch wenn der Fischotter gerne zum Sündenbock für den Rückgang von Fischpopulationen gemacht wird.
Wir schaden uns selbst
Der schlechte Gewässerzustand dezimiert nicht nur die Tierbestände, sondern schadet letztlich auch dem Menschen. Der drastische Schwund naturnaher Lebensräume und Artbestände zerstört das Gleichgewicht in Flüssen und Seen. Das gefährdet wichtige Ökosystemleistungen wie Hochwasserschutz, Wasserreinigung oder Fischerei.

Links der Lech, einer der letzten Wildflüsse Österreichs, rechts der Inn bei Jenbach, ein begradigter Kanal.
Was können wir tun, um Österreichs Gewässer zu retten?
Für den WWF ist klar: Die letzten intakten Gewässerabschnitte müssen vor weiterer Beeinträchtigung bewahrt und die Renaturierung von Flüssen und Seen entschlossener als bisher angepackt werden. Jetzt ist die Politik am Zug. Seit Jahren hängen hunderte konkrete Sanierungsprojekte von Gemeinden, Verbänden und Wassernutzern in der Warteschleife, weil die Umweltfördermittel des Bundes gestrichen wurden. Die nächste Bundesregierung muss hier eine Kehrtwende einleiten und gewässer- und artenschädigende Subventionen streichen – etwa im Bereich der Ökostrom-, land- und forstwissenschaftlichen Förderungen.
Alle Ergebnisse im Detail können Sie im Report „Warum Tieren das Wasser bis zum Hals steht – Status und Belastungsfaktoren ausgewählter Tierarten in Österreich“ nachlesen. Den Bericht können Sie hier herunterladen: Warum Tieren das Wasser bis zum Hals steht.
Der Fischotter – zum Sündenbock abgestempelt
Niederösterreich und Kärnten machen den Fischotter entgegen aller Fakten zum Alleinschuldigen für das Fischsterben und geben ihn zum Abschuss frei. Niederösterreich plant den Abschuss von bis zu 180 Fischottern in den nächsten drei Jahren. In Kärnten sind Tötungen bereits traurige Realität. 43 Tiere werden pro Jahr umgebracht. Sogar Totschlagfallen werden verwendet. Das muss aufhören!
Unterzeichnen Sie unsere Petition: Nein zur Tötung von Fischottern!
Downloads
Warum Tieren das Wasser bis zum Hals steht (pdf, 1,3 MB)
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt
WWF-Check: Rund ein Drittel der Grillfleisch-Angebote ohne österreichische Herkunft
95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget
WWF-Erfolg: WWF weitet Monitoring von Seeadlern aus
So viele besenderte Seeadler wie noch nie zuvor helfen dem WWF, die Rückkehr der Art zu begleiten. Die Daten liefern spannende Einblicke und zeigen, welche Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind.
Wappentier im Aufwind: WWF weitet Seeadler-Monitoring aus
22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau













