95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
Grillsaison ist Billigfleischsaison. WWF Österreich fordert ein Ende der schädlichen Kampfpreise
Wien, am 6. Juni 2019. Eine neue WWF-Analyse von Rabattaktionen in Österreichs Supermärkten zeigt einen starken Anstieg von Lockangeboten für Fleischprodukte zum Start der Grillsaison. Demnach machen Rabatte auf Grillprodukte an die 44 Prozent aller erfassten Fleisch-Aktionen aus. „Die Grillsaison wird zum Anlass genommen, Fleisch noch stärker als bisher unter dem fairen Wert zu verkaufen. Die Rabatt-Analyse zeigt eine absurde Schieflage: Bei Fleisch-Kilopreisen von 3,99 Euro ist das Grillwürstchen in Relation billiger als der Senf dazu“, erklärt Helene Glatter-Götz, Expertin für nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich. „Die dauerhafte Rabattierung fördert den massenhaften Absatz von Billigfleisch, das oft unter schlechten ökologischen Bedingungen zu Lasten des Tierwohls hergestellt wird. Das belastet nicht nur Umwelt und Gesundheit stark, sondern auch die heimischen Landwirte“, so Glatter-Götz. Um den Druck auf Umwelt, Tiere und Landwirtschaft zu verringern und angemessene Erzeugerpreise zu ermöglichen, fordert der WWF Österreich in einer aktuellen Petition das Ende der fatalen Praktik der Dauerrabattierung von Fleisch- und Wurstwaren.
Bereits im Februar hat eine WWF-Analyse von Rabattaktionen im Handel für Aufsehen gesorgt. Die neuerliche Untersuchung von Fleischrabatten fünf österreichweiter Supermarktketten über einen Zeitraum von 28 Tagen von April bis Mai zeigt, dass der Preisdruck im Frühjahr sogar weiter ansteigt. Zwar ist der durchschnittliche Rabatt von 27 Prozent auf 24 Prozent leicht gesunken, die Gesamtzahl der rabattierten Produkte hingegen um fast 40 Prozent stark gestiegen. Ermäßigungen um 50 Prozent sind weiterhin keine Seltenheit.
„Wenn Schweinekoteletts ab 4,99 Euro pro Kilo oder vormarinierte Spare-Ribs um 4,49 Euro pro Kilo verschleudert werden, ist ein tier- und umweltschonender Betrieb nicht möglich“, sagt Helene Glatter-Götz. „Zusätzlich problematisch bei Grillfleisch ist die oft fehlende Herkunftsangabe. Sobald Fleisch mariniert wird, gilt es als verarbeitet und entzieht sich damit der Kennzeichnungspflicht. Dies wiederum befördert den Absatz von importiertem Billigfleisch. Daher brauchen wir dringend konkrete Maßnahmen, um diese schädlichen Bedingungen zu stoppen“, so die WWF-Expertin.
Der WWF fordert von Handel und Politik deutliche Anreize für eine nachhaltige Ernährung und einen Verzicht auf Fleisch-Rabatte in Supermärkten. Als Beispiele für die Umsetzung eines solchen Rabatt-Stopps dienen die Rabattverbote bei Babyanfangsnahrung oder Tabakwaren. Alternativ zu einer gesetzlichen Lösung könnte der notwendige Verzicht auf Dauerrabatte im Fairnesskatalog des Lebensmitteleinzelhandels festgeschrieben werden. Nicht zuletzt sieht die Umweltschutzorganisation die politischen Verantwortlichen in der Pflicht, faire Handels- und Wettbewerbsbedingungen zu schaffen sowie eine klima- und tierfreundliche Produktion zu fördern.
Die WWF-Petition „Billigfleisch stoppen – faire Preise statt schädlicher Rabatte“ fordert:
- Ein aktives Vorgehen gegen Billigfleisch.
- Ein Ende von dauerhaften Preisnachlässen auf Fleischprodukte bei den Supermarktketten – ausgenommen Rabatte am Ende der Mindesthaltbarkeit.
- Die Schaffung von fairen Handels- und Wettbewerbsbedingungen und die Förderung einer klima- und umweltfreundlichen Produktion unter Einhaltung des Tierwohls.
WWF-Petition: „Billigfleisch stoppen – faire Preise statt schädlicher Rabatte“
Rückfragehinweis:
Vincent Sufiyan
WWF-Pressesprecher
Tel. 0676/83 488 308
E-Mail: vincent.sufiyan@wwf.at
Helene Glatter-Götz
WWF Programmleitung Nachhaltige Ernährung
Tel.: 01/488 17-268
E-Mail: helene.glatter-goetz@wwf.at
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