Hoffnung für eine stark bedrohte Art: Durch Schutzmaßnahmen leben wieder 6.487 Spitzmaulnashörner in Südafrika. Vor allem Lebensraumverlust und Wilderei sind eine große Gefahr.
Hände weg vom "Flussheiligtum" Tiroler Lech !
Innsbruck, am 19. Dezember 2008 – Als vehementer Gegner des geplanten Ausbaus des ÖBB-Kraftwerks Spullersee im Oberen Lechtal präsentierte die Arbeitsgemeinschaft Tiroler Lechtal heute in Innsbruck eine internationale Protestnote an EU-Kommissar Dimas, Bundespräsident Fischer und die Landeshauptleute von Tirol und Vorarlberg, Platter und Sausgruber. Die Unterzeichner, darunter namhafte Wissenschaftler und international tätige Naturschutzorganisationen, fordern einen sofortigen Stopp aller Kraftwerkspläne im gesamten Einzugsgebiet des Lech und einen dauerhaften und effizienten Schutz des letzten Wildflusssystems der Nordalpen.
Der von der ÖBB Bau AG geplante Ausbau des Wasserkraftwerks Spullersee wirkt sich negativ auf die beiden Natura 2000-Gebiete Tiroler Lech und Klostertaler Bergwälder (Vorarlberg) aus, kritisieren die Proponenten der Protestnote, darunter der Österreichische und Deutsche Alpenverein, die Tiroler Naturfreunde und der Naturschutzbund Tirol, sowie die Umweltorganisationen Greenpeace, Global 2000 und WWF. „In einem verordneten Schutzgebiet, in dem das Schutzgut das Flussökosystem selbst ist, darf der Wasserhaushalt nicht durch Kraftwerke verändert werden!“, so die Unterzeichner empört.
Neben dem Lech würden auch die europaweit bedeutenden Bergwälder des Vorarlberger Klostertales – wichtiger Lebensraum für Greifvögel und Eulen – durch die Kraftwerkserrichtung massiv beeinträchtigt. Gemäß den EU-Naturschutzrichtlinien ist in Natura 2000-Gebieten jegliche Verschlechterung ihrer Schutzgüter verboten.
Der Lech zählt zu Europas wertvollsten und urtümlichsten Flusssystemen und genießt wegen seines hohen ökologischen Wertes gleich dreifachen Schutz: Das Lechgebiet ist als Naturpark, Naturschutzgebiet und Natura 2000 – Gebiet ausgewiesen. „Ein solches Schutzgut von internationaler Bedeutung muss unantastbar sein!“, fordert Nicole Schreyer, Leiterin des WWF-Alpenprogramms. “Jeglicher zerstörerische Eingriff in das sensible Lechsystem wäre ein Tabubruch und ein verheerendes Signal für Österreichs Naturschutzpolitik“, so Schreyer weiter. „Gerade die umweltfreundliche Bahn sollte dafür Sorge tragen, dass nicht unsere letzten Naturjuwele unter die Räder kommen!“
Neben dem Präsidium des Österreichischen „Forum Wissenschaft und Umwelt“ sprechen sich auch deutsche Wissenschaftler gegen die neue Kraftwerksnutzung am Spullersee aus. So lehnt Prof. Dr. Norbert Müller, internationaler Wildflussexperte aus Erfurt, Eingriffe jeglicher Art am Lech und seinem Einzugsgebiet vehement ab: „Der Lech gehört zu den letzten Refugialökosystemen (Rückzugsgebieten) für die biologische Vielfalt der ehemals so häufigen Wildflusslandschaften in den Nordalpen. Wir brauchen Systeme wie den Lech auch als Anschauungsobjekte für die Herausforderungen der Zukunft, wenn es etwa um den Klimawandel und die Renaturierung der Alpenflüsse geht!”
Im Rahmen eines ambitionierten EU-LIFE-Projekts wurden bislang 7,8 Millionen Euro in groß angelegte Renaturierungsmaßnahmen und Artenschutzprogramme des Tiroler Lech investiert. „Es ist grotesk, den Lech unten im Tal um viel Geld zu sanieren, und oben an den Quellen zu zerstören!“, betont Schreyer vom WWF.
"Alle Flüsse und Bäche dieses Lechsystems sind wie die Finger einer Hand, die nur funktionsfähig ist, wenn alle Finger dran sind“, pflichtet Karlheinz Baumgartner, Pfarrer von Steeg am Lech, bei. „Die Lechtalerinnen und Lechtaler stemmen sich seit mehr als 10 Jahren mit aller Kraft gegen die Kraftwerksnutzung in unserem Tal. Es darf nicht den Begehrlichkeiten der Kraftwerkslobby geopfert werden!“
Der Musiker Toni Knittel alias "Bluatschink" hat im Einsatz für die schützenswerte Natur des Lechgebietes dem "Haschreck im Lechtl" sogar ein eigenes Lied gewidmet. Heute erklärte er: "Wenn wir uns im Lechtal vor einigen Jahren selbst auferlegt haben, auf alle Bauprojekte zu verzichten, die die Unversehrtheit des Fluss-Systems des Lech in Frage stellen, dann ist es geradezu ein Hohn, wenn die ÖBB jetzt diesen ‚letzten Wilden’ ausgerechnet an seinen Wurzeln kastrieren wollen!“
Die einzigartige Natur des Lechtales ist das größte Kapital der Region. Durch Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Naturpark Lech hat sich die gesamte Region in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Alle diese Anstrengungen würden durch Projekte wie das KW Spullersee mit einem Schlag in Frage gestellt, so die Gegner der ÖBB-Kraftwerkspläne.
Rückfragehinweis und Fotos:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 – 250.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Neues Gesetz bedroht Österreichs letzte intakte Flüsse
Naturschutzorganisation warnt vor „Freibrief für Flussverbauung“ durch EABG – Geplantes Aufweichen des Gewässerschutzes geht weit über EU-Vorgaben hinaus – WWF fordert deutliche Verbesserungen
20 Jahre WWF Earth Hour: Licht aus gegen Energieverschwendung
Jubiläum für eine der größten Klima- und Naturschutz-Aktionen – Berühmte Wahrzeichen, Städte und Gemeinden machen mit – Bundespräsident Van der Bellen unterstützt Aktion in Österreich
WWF: Geplantes Salzburger Landesentwicklungsprogramm befeuert Flächenfraß
Begutachtungsphase endet am Mittwoch: Regelungen für Gewerbeparks und Einkaufszentren sollen auf Kosten wertvoller Böden gelockert werden – WWF fordert Fokus auf Bestand statt Neuwidmung auf der grünen Wiese
Energiekrise: WWF fordert Spritverbrauchsbremse
Aktuelle Stellungnahme zur geplanten Mineralölsteuer-Senkung – Umweltschutzorganisation fordert Energiespar-Programme und Offensive für öffentliche Verkehrsmittel, um hohe Erdölabhängigkeit zu reduzieren
Ostern ohne bitteren Beigeschmack: WWF fordert entwaldungsfreie Lieferketten für Schokolade
Kakao-Anbau setzt Regenwälder unter Druck – Klimakrise treibt Preise an – WWF plädiert für nachhaltigen Konsum zu Ostern und fordert bessere Rückverfolgbarkeit für Kakaoprodukte
Trockenheit im Seewinkel: WWF warnt vor Lebensraumverlust für Zugvögel
Rückkehr der Zugvögel im März – WWF warnt vor dramatischem Verlust der salzhaltigen Lacken im Seewinkel – Säbelschnäbler besonders betroffen
Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten: WWF fordert sichere Routen
Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
Winterbilanz Wald: WWF warnt vor Trockenheit und schwierigem Waldjahr 2026
Waldböden zu Frühlingsbeginn vielerorts zu trocken, Wasserspeicher erschöpft – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und Renaturierung im Wald













