Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
Herdenschutz vor Wölfen soll eine naturverträgliche Landwirtschaft fördern
Wien, 31. Oktober 2017 – Zum Ende der Almsaison drängt der WWF einmal mehr auf bessere Unterstützung für Schafhalter in Österreich. Gerade die Wintermonate müssen dazu genutzt werden, das Thema Herdenschutz zu forcieren, um nächstes Jahr besser gewappnet zu sein. Der Umweltminister sowie die Landesräte für Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz müssen das Thema ressortübergreifend in die Hand nehmen, mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen und eine Informations-Offensive starten. Prävention ist dabei wichtiger als Schadenskompensation, denn Wölfe sollen gar nicht erst auf den Geschmack kommen, dass Weidetiere eine leichte Beute sind.
WWF-Wolfsexperte Christian Pichler unterstreicht: „Unsere Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, dass besonders bei Landwirten mit extensiver Tierhaltung große Verunsicherung herrscht. Sie wissen oft nicht, wie sie mit der Rückkehr der Wölfe umgehen sollen und werden dabei von der Politik im Stich gelassen.“ Während intensiv wirtschaftende Landwirte ihre Tiere oft ganzjährig in Ställen halten, sind die Tiere von Almbauern, die ökologisch wertvolle Flächen naturnah beweiden, dem Wolf natürlich stärker ausgesetzt. „Damit die Landewirte Zäune und Herdenschutzhunde anschaffen können, müssen sie sich auf Unterstützung bei der Finanzierung verlassen können“, so Pichler.
Bevor sich im Jahr 2018 unerfreuliche Ereignisse bis hin zu medial ausgetragenen Abschussdiskussionen wiederholen, die nur zu einer Verhärtung der Fronten bei diesem ohnehin schwierigen Thema führen, soll rasch ein Wildtierfonds zur Abdeckung dieser Kosten eingerichtet sowie ein Wolfsgipfel unter Führung des Umweltministers einberufen werden. „Das gemeinsame Ziel muss sein, der geschützten und in Österreich immer noch hochgradig bedrohten Tierart Wolf das Überleben zu sichern – und gleichzeitig die Konflikte zu entschärfen, die mit seiner natürlichen Ausbreitung einhergehen. Denn der Wolf ist zurückgekommen und wird nicht mehr weggehen, auch wenn mancher sich das wünschen mag“, so Pichler.
In den letzten beiden Jahren haben mit Ausnahme von Wien alle anderen Bundesländer „Besuch“ durch Wölfe bekommen. Auch in der nächsten Saison ist mit verstärktem Auftreten zu rechnen. Dennoch werden wieder zehntausende Nutztiere ungeschützt auf der Weide stehen. Um das Schadensniveau auf Dauer niedrig zu halten sind Elektrozäune, der Einsatz von Herdenschutzhunden sowie die Behirtung erprobte und gut ausfinanzierte Lösungsansätze aus unseren Nachbarländern. Mit der Nationalen Beratungsstelle Herdenschutz steht den Landwirten ein kompetenter Ansprechpartner, der rasch und fachgerecht in allen Fragen berät, zur Seite. „Wir laden auch die Weidetierhalter ein, Kontakt aufzunehmen oder sich unter www.herdenschutz.at entsprechend zu informieren und bestehende Praktiken anzupassen“, so Pichler.
Seitens der Politik, können jetzt jene Vertreter, die gerne die Vorzüge von „bio“ und „regional“ herausstreichen, den Beweis erbringen, dass ihnen die extensive Landwirtschaft tatsächlich lieb und teuer ist. Der Wolf ist nur eine von vielen Herausforderungen für jene Landwirte, die im Einklang mit der Natur wirtschaften. Wir brauchen eine Politik, die diese Bauern fördert – und da gehört die Weidetierhaltung unbedingt dazu“, so Pichler abschließend.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17-250, e-mail: claudia.mohl@wwf,at
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