WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
Kampf gegen die Waldkrise: WWF, Naturschutzbund und BirdLife präsentieren 12-Punkte-Plan für einen zukunftsfitten Wald
Die drei Naturschutzorganisationen WWF Österreich, BirdLife Österreich und Naturschutzbund warnen vor dem schlechten ökologischen Zustand der heimischen Wälder und fordern von der nächsten Bundesregierung, die grüne Lunge Österreichs zu erhalten. In einem aktuellen Positionspapier an die Regierungsverhandler Sebastian Kurz und Werner Kogler warnen sie vor monotonen Forsten, die immer weniger Tier- und Pflanzenarten einen geeigneten Lebensraum bieten, massiv unter der Klimakrise leiden und viel anfälliger für Insektenkalamitäten sind als naturnahe Wälder. „Die dramatischen Bilder von Waldwüsten in Niederösterreich zeigen, dass es eine ökologische Trendwende braucht. Daher muss die Politik dringend umdenken und gezielte Maßnahmen für mehr Naturnähe in unseren Wäldern umsetzen. Nur so können wir die größte Kohlenstoffsenke Österreichs langfristig erhalten“, sagt Hanna Simons, Leiterin Natur- und Umweltschutz beim WWF Österreich. In einem 12-Punkte-Plan fordern WWF, BirdLife und Naturschutzbund eine ökologisch verträgliche Waldbewirtschaftung auf allen Waldflächen. Dazu braucht es eine entsprechende Finanzierung für die Einrichtung eines Verbundsystems aus Altholzinseln und Habitatbäumen sowie den Schutz für bestehende Urwaldreste. „Nur so kommen wir weg von leeren, schädlingsanfälligen Forsten hin zu vielfältigen Wäldern der Zukunft“, so Hanna Simons.
„Für zukunftsfitte Wälder in Österreich dürfen Politik und Forstwirtschaft die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Noch immer werden vielerorts Aufforstungen von Monokulturen mit hohem finanziellen und personellen Aufwand mit fraglichen Produktivitätsaussichten durchgeführt“, erklärt Geschäftsführer Gábor Wichmann von BirdLife Österreich. Besonders im Mühl- und Waldviertel leiden standortsfremde Fichtenforste unter Dürre, Insekten-Massenvermehrungen, Stürmen und Schneedruckereignissen. Nach natürlichen Störungsereignissen wird derzeit oft die gesamte Biomasse präventiv entfernt. Zurück bleiben kahle Wüsten ohne jeglichen Bewuchs oder hinterlassenes Holz, das als Lebensraum dienen könnte. „Wir brauchen dringend ein ökologisches Umdenken“, warnt Gábor Wichmann. „Denn der aktuelle Umgang mit Störungsereignissen führt zu mehr Kohlenstoffemissionen aus den Böden, einem beschleunigten Humusabbau, dem Auflösen der Wasserspeicherkapazität, Erosion und einer erschwerten Waldverjüngung. Zusätzlich verstärkt die Klimakrise den ökologischen Abwärtstrend.“
Naturnahe Wälder sind wahre Schatzkammern der Artenvielfalt, Erholungs- und Nutzungsräume für den Menschen und essentiell für Wasserspeicherung, Schutz vor Erosion, Steinschlag, Muren und Lawinen, Klimaregulation, Kohlenstoffspeicherung und die Holzproduktion. Birgit Mair-Markart, Geschäftsführerin des Naturschutzbunds: „Schutz und Erhalt unserer Wälder sind zentrale gesellschaftliche Herausforderungen, um die Auswirkungen der Klimakrise zu mildern. Viele Forstbetriebe sind bereits auf dem Weg zu einer ökologisch nachhaltigeren Waldbewirtschaftung. Diese Vorreiter brauchen dringend mehr Unterstützung von der Politik. Wir alle sind auf zukunftsfitte, vielfältige Wälder angewiesen, um unsere Holzversorgung langfristig sicherzustellen und zugleich fundamentale Ökosystemleistungen für kommende Generationen zu erhalten. Damit Wälder ihre Leistungen für Mensch und Natur auch weiterhin erbringen können, müssen wir ihnen helfen, sich an die sich verändernden Klima- und Standortbedingungen anzupassen.“
Rückfragen und Kontakt:
WWF Österreich:
Vincent Sufiyan, Pressesprecher, Tel.: 0676 83488 308, vincent.sufiyan@wwf.at
BirdLife Österreich:
Susanne Schreiner, Pressesprecherin, Tel. 0699 181 555 65, susanne.schreiner@birdlife.at
Naturschutzbund:
Dagmar Breschar, Pressesprecherin, Tel. 0662/64 29 09-19, dagmar.breschar@naturschutzbund.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz
Budget: WWF kritisiert Kürzungen bei Umwelt und Klima
Umweltschutzorganisation ortet falsche Prioritäten: Umweltschädliche Subventionen bleiben großteils unangetastet, Biodiversität bleibt unterfinanziert, beim Klimaschutz wird gekürzt
WWF: Österreichs Luchsbestand auf nur mehr rund 30 Tiere geschrumpft
Tag des Luchses: Aktueller FFH-Bericht an die EU-Kommission zeigt weitere Verschlechterung der bislang größten Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel – WWF fordert rasche Bestandsstützung
WWF: Neun von zehn Flusspegeln mit Niedrigwasser
90 Prozent der Pegelmessstellen mit niedrigen bis sehr niedrigen Abflüssen – Flüsse in Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark besonders betroffen – WWF fordert mehr Renaturierung und Schutz für Gewässer
Welttag der Ozeane: WWF fordert Verdreifachung der Schutzgebiete im Mittelmeer
Rund 90 Prozent der Meeresfläche im Mittelmeer derzeit nicht geschützt – Überfischung, Verschmutzung und Klimakrise bedrohen einzigartige Artenvielfalt
WWF-Check: Rund ein Drittel der Grillfleisch-Angebote ohne österreichische Herkunft
95 Prozent der Grillfleisch-Angebote aus konventioneller Tierhaltung, nur jedes 20. Angebot ist Bio – WWF fordert verpflichtende Kennzeichnung von Herkunft und Haltung
Neue Studie: Ökonomin Stagl warnt vor Budgetrisiken durch fehlende Klimapolitik
Analyse zeigt hohe finanzielle Risiken durch Extremwetter, fossile Preisschocks und fehlende Vorsorge – WWF fordert stärkere Berücksichtigung von Klimarisiken im Doppelbudget













