Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Kampf gegen die Waldkrise: WWF, Naturschutzbund und BirdLife präsentieren 12-Punkte-Plan für einen zukunftsfitten Wald
Die drei Naturschutzorganisationen WWF Österreich, BirdLife Österreich und Naturschutzbund warnen vor dem schlechten ökologischen Zustand der heimischen Wälder und fordern von der nächsten Bundesregierung, die grüne Lunge Österreichs zu erhalten. In einem aktuellen Positionspapier an die Regierungsverhandler Sebastian Kurz und Werner Kogler warnen sie vor monotonen Forsten, die immer weniger Tier- und Pflanzenarten einen geeigneten Lebensraum bieten, massiv unter der Klimakrise leiden und viel anfälliger für Insektenkalamitäten sind als naturnahe Wälder. „Die dramatischen Bilder von Waldwüsten in Niederösterreich zeigen, dass es eine ökologische Trendwende braucht. Daher muss die Politik dringend umdenken und gezielte Maßnahmen für mehr Naturnähe in unseren Wäldern umsetzen. Nur so können wir die größte Kohlenstoffsenke Österreichs langfristig erhalten“, sagt Hanna Simons, Leiterin Natur- und Umweltschutz beim WWF Österreich. In einem 12-Punkte-Plan fordern WWF, BirdLife und Naturschutzbund eine ökologisch verträgliche Waldbewirtschaftung auf allen Waldflächen. Dazu braucht es eine entsprechende Finanzierung für die Einrichtung eines Verbundsystems aus Altholzinseln und Habitatbäumen sowie den Schutz für bestehende Urwaldreste. „Nur so kommen wir weg von leeren, schädlingsanfälligen Forsten hin zu vielfältigen Wäldern der Zukunft“, so Hanna Simons.
„Für zukunftsfitte Wälder in Österreich dürfen Politik und Forstwirtschaft die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Noch immer werden vielerorts Aufforstungen von Monokulturen mit hohem finanziellen und personellen Aufwand mit fraglichen Produktivitätsaussichten durchgeführt“, erklärt Geschäftsführer Gábor Wichmann von BirdLife Österreich. Besonders im Mühl- und Waldviertel leiden standortsfremde Fichtenforste unter Dürre, Insekten-Massenvermehrungen, Stürmen und Schneedruckereignissen. Nach natürlichen Störungsereignissen wird derzeit oft die gesamte Biomasse präventiv entfernt. Zurück bleiben kahle Wüsten ohne jeglichen Bewuchs oder hinterlassenes Holz, das als Lebensraum dienen könnte. „Wir brauchen dringend ein ökologisches Umdenken“, warnt Gábor Wichmann. „Denn der aktuelle Umgang mit Störungsereignissen führt zu mehr Kohlenstoffemissionen aus den Böden, einem beschleunigten Humusabbau, dem Auflösen der Wasserspeicherkapazität, Erosion und einer erschwerten Waldverjüngung. Zusätzlich verstärkt die Klimakrise den ökologischen Abwärtstrend.“
Naturnahe Wälder sind wahre Schatzkammern der Artenvielfalt, Erholungs- und Nutzungsräume für den Menschen und essentiell für Wasserspeicherung, Schutz vor Erosion, Steinschlag, Muren und Lawinen, Klimaregulation, Kohlenstoffspeicherung und die Holzproduktion. Birgit Mair-Markart, Geschäftsführerin des Naturschutzbunds: „Schutz und Erhalt unserer Wälder sind zentrale gesellschaftliche Herausforderungen, um die Auswirkungen der Klimakrise zu mildern. Viele Forstbetriebe sind bereits auf dem Weg zu einer ökologisch nachhaltigeren Waldbewirtschaftung. Diese Vorreiter brauchen dringend mehr Unterstützung von der Politik. Wir alle sind auf zukunftsfitte, vielfältige Wälder angewiesen, um unsere Holzversorgung langfristig sicherzustellen und zugleich fundamentale Ökosystemleistungen für kommende Generationen zu erhalten. Damit Wälder ihre Leistungen für Mensch und Natur auch weiterhin erbringen können, müssen wir ihnen helfen, sich an die sich verändernden Klima- und Standortbedingungen anzupassen.“
Rückfragen und Kontakt:
WWF Österreich:
Vincent Sufiyan, Pressesprecher, Tel.: 0676 83488 308, vincent.sufiyan@wwf.at
BirdLife Österreich:
Susanne Schreiner, Pressesprecherin, Tel. 0699 181 555 65, susanne.schreiner@birdlife.at
Naturschutzbund:
Dagmar Breschar, Pressesprecherin, Tel. 0662/64 29 09-19, dagmar.breschar@naturschutzbund.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung [AL1.1]diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz
WWF zum Natura 2000-Tag: Neue EU-Daten zeigen schlechte Lage der Biodiversität in Österreich
Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
WWF zur Inflation: Fossile Energien sind zentraler Preistreiber
Ein Drittel der Teuerung geht auf höhere Treibstoff- und Heizölpreise zurück – WWF fordert mehr Energieeffizienz, Abbau umweltschädlicher Subventionen und naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien – Spritpreisbremse nahezu wirkungslos
WWF zu EABG-Verhandlungen: Regierung muss ihren Entwurf grundlegend verbessern
Naturschutzorganisation kritisiert mangelnde Kompromissbereitschaft der Koalition und fordert klare Verbesserungen bei Naturverträglichkeit
WWF: Mehr als 1.300 geschützte Tiere seit 2020 in Österreich getötet
Abschüsse von Bibern, Fischottern, Wölfen und Greifvögeln nehmen deutlich zu – WWF warnt vor „Normalisierung“ der Tötung geschützter Arten – Neue Kampagne gestartet
Almauftrieb am Hundsheimer-und Spitzerberg: Erste Beweidung seit 60 Jahren stärkt Biodiversität
Grasende Rinder sichern Lebensraum für seltene Arten – Vorzeigemodell: WWF fordert Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in ganz Österreich













