Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gibt dem WWF recht: Die Tiwag muss wichtige Dokumente rund um den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal herausgeben. Dazu zählen auch Flutwellenberechnungen und Gefahrenszenarien.
Karfreitag: Fisch und Ostereier!
Wien, 8. April 2009 – Fast acht Kilogramm Fisch genießt durchschnittlich jeder Österreicher pro Jahr. Doch längst nicht jeder Fisch wird umweltverträglich gefangen. Wir plündern unsere Meere: Weltweit gelten fast 80 Prozent der Bestände als bis an ihre Grenzen ausgebeutet oder überfischt. Gerade am Karfreitag essen viele Österreicher ein leckeres Fischgericht. Der WWF fordert die Verbraucher auf, beim Einkauf bevorzugt zu heimischem Fisch, Fisch aus Biozucht oder Fisch mit dem blauen Öko-Gütesiegel des „Marine Stewardship Council“ (MSC) zu greifen. Viele Produkte mit dem MSC-Gütesiegel sind in den Supermärkten bereits erhältlich. Für ein ökologisch unbedenkliches Ostermenü empfiehlt der WWF z.B. MSC-Wildlachs oder –Polardorsch oder auch Fisch aus heimischer Zucht, wie Forelle, Karpfen oder auch einmal Hecht. Genuss ohne Reue ist damit garantiert.
Zu vermeiden:
„Viele Fischereien plündern und zerstören die Meere“, so WWF-Fischereiexperte Georg Scattolin. Verbraucher sollten laut WWF zum Beispiel auf Rotbarsch verzichten, dessen Bestand stark bedroht ist. Beim Fang dieses Tiefseefisches werden zudem Jahrtausende alte Kaltwasserkorallen zerstört. Tonnenschwere Grundschleppnetze zermalmen den wertvollen Lebensraum der Korallen. Der WWF kämpf dafür, zerstörerischen Fangmethoden in der Tiefsee-Fischerei ein Ende zu setzen.
Eine schlechte Öko-Bilanz haben auch tropische Shrimps. Für die Zuchtanlagen von Shrimps wurden an der südamerikanischen Pazifikküste und in Südostasien hunderte Kilometer Mangrovenwälder abgeholzt. Beim Fang auf Jungtiere gehen pro Shrimp etwa einhundert weitere Fische in die engmaschigen Netze. Keine andere Fischerei produziert mehr Beifang.
Auch in der Nordsee sind die Nebenwirkungen der Fischerei enorm. „Wer Scholle oder Seezunge isst, muss sich klar sein, dass in den Netzen ein Vielfaches an anderen Meerestieren verendet“, erläutert WWF-Experte Georg Scattolin. So gehen zum Beispiel pro Kilo Scholle auf dem Teller bis zu 15 Kilo Beifang wie Müll wieder über Bord.
Auch der arg dezimierte Kabeljau-Bestand leidet nicht nur unter den seit Jahren zu hohen Fangquoten. Zusätzlich wird fast die Hälfte der Kabeljaumenge, die den Fischern ins Netz geht, wieder weggeworfen, weil sie für die kommerzielle Nutzung zu klein und somit unbrauchbar ist.
Viele Hai-Arten stehen am Rand des Aussterbens. Ein Grund dafür ist der Konsum von Schillerlocken, die aus den Bauchlappen des Dornhais gewonnen werden. Die Fangmenge in der Nordsee ist aufgrund der massiven Ausbeutung seit Ende 1970er Jahre um 96 Prozent zurückgegangen. „Wer heute Dornhai kauft, vergreift sich an den letzten seiner Art“, so Scattolin.
Österreich-Importe im Wert von 350 Millionen Euro
Fische und Fischprodukte im Wert von 350 Millionen Euro wurden letztes Jahr nach Österreich importiert. Typische Importfische sind Lachs, Tunfisch, Sardine und Makrele aber auch Shrimps, Muscheln und Tintenfisch. Sie stammen aus westafrikanischen Gewässern, wo die Fangflotten der Industriestaaten die Meere auf Kosten der einheimischen Bevölkerung ausbeuten. „Unser Hunger nach Fisch nimmt den Armen die wichtigste Nahrungsquelle“, kritisiert der WWF-Experte.
„Wir sind noch weit von einer Lösung der Fischerei- und Umweltkrise in unseren Meeren entfernt“, bilanziert Scattolin. Als wichtigste Gründe für die Missstände nennt er fehlende Kontrollen, zu hohe Fangquoten, zerstörerische Fangmethoden und fehlende Schutzgebiete, in denen sich die Fischbestände wieder regenerieren könnten.
TV-Footage, Fotos und 20-seitiger deutscher WWF-Bericht „Fisch in Teufels Küche“ unter www.wwf.de/presse.
Rückfragehinweis:
WWF Österreich, Mag. Georg Scattolin, Tel. 01- 48817-265
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Gericht verpflichtet Tiwag zur Herausgabe von Gefahrenanalysen
Landesverwaltungsgericht gibt WWF recht: Landesenergiekonzern muss Untersuchungen zu klimabedingten Naturgefahren, Flutwellenberechnungen, Alarmpläne und Gefahrenszenarien zum Gepatsch-Speicher herausgeben
Google-Rechenzentrum ohne UVP: WWF fordert rasche Gesetzesreform
Rechenzentren als eigenen Tatbestand im UVP-Gesetz verankern – Umweltorganisation verlangt Gesamtprüfung und strenge Umweltauflagen für Google-Ausbau in Kronstorf
Good News: Mehr Luchse in den Südostalpen
Im Dreiländereck Italien-Slowenien-Österreich beobachten wir einen Anstieg der Luchspopulation. Eine schöne Bestätigung für den grenzüberschreitenden Artenschutz!
WWF-Studie: Massiv gefährdete Donaustöre beinahe täglich Opfer von Wildtierkriminalität
In zehn Jahren über 3.300 Störe in der Unteren Donau illegal getötet – WWF warnt vor Kollaps dieser wichtigen Vorkommen in Europa und fordert konsequentere Strafverfolgung
Google-Rechenzentrum wird größer: WWF fordert strenge Umweltauflagen
Geplante Erweiterung in Kronstorf verschärft Druck auf Böden und Wasser der Region – WWF verlangt volle Transparenz und verbindliche Auflagen von Landesregierung
WWF zur Roten Liste: Artensterben reicht von der Tiefsee bis in die Wüste
Neue Daten zeigen Bedrohung durch Tiefseebergbau, Industrieprojekte und invasive Arten – WWF fordert mehr Schutzgebiete und Stopp für riskante Naturzerstörung
Tiefseebergbau gefährdet globale Sicherheit, Klima und Artenvielfalt – WWF fordert Moratorium
Internationale Konferenz berät über Abbau von seltenen Rohstoffen in der Tiefsee Ende Juli – Neue Studie beschreibt globale Negativ-Folgen durch Zerstörung artenreicher Tiefsee-Lebensräume – WWF fordert Stopp der Abbaupläne
WWF warnt: Viele Flüsse gehen mit Niedrigwasser in den Hochsommer
An rund 85 Prozent der Pegel lagen die Juni-Abflüsse unter dem langjährigen Mittel – Hohe Wassertemperaturen verschärfen Lage für Fische und Gewässerlebensräume













