EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
Karfreitag: Fisch und Ostereier!
Wien, 8. April 2009 – Fast acht Kilogramm Fisch genießt durchschnittlich jeder Österreicher pro Jahr. Doch längst nicht jeder Fisch wird umweltverträglich gefangen. Wir plündern unsere Meere: Weltweit gelten fast 80 Prozent der Bestände als bis an ihre Grenzen ausgebeutet oder überfischt. Gerade am Karfreitag essen viele Österreicher ein leckeres Fischgericht. Der WWF fordert die Verbraucher auf, beim Einkauf bevorzugt zu heimischem Fisch, Fisch aus Biozucht oder Fisch mit dem blauen Öko-Gütesiegel des „Marine Stewardship Council“ (MSC) zu greifen. Viele Produkte mit dem MSC-Gütesiegel sind in den Supermärkten bereits erhältlich. Für ein ökologisch unbedenkliches Ostermenü empfiehlt der WWF z.B. MSC-Wildlachs oder –Polardorsch oder auch Fisch aus heimischer Zucht, wie Forelle, Karpfen oder auch einmal Hecht. Genuss ohne Reue ist damit garantiert.
Zu vermeiden:
„Viele Fischereien plündern und zerstören die Meere“, so WWF-Fischereiexperte Georg Scattolin. Verbraucher sollten laut WWF zum Beispiel auf Rotbarsch verzichten, dessen Bestand stark bedroht ist. Beim Fang dieses Tiefseefisches werden zudem Jahrtausende alte Kaltwasserkorallen zerstört. Tonnenschwere Grundschleppnetze zermalmen den wertvollen Lebensraum der Korallen. Der WWF kämpf dafür, zerstörerischen Fangmethoden in der Tiefsee-Fischerei ein Ende zu setzen.
Eine schlechte Öko-Bilanz haben auch tropische Shrimps. Für die Zuchtanlagen von Shrimps wurden an der südamerikanischen Pazifikküste und in Südostasien hunderte Kilometer Mangrovenwälder abgeholzt. Beim Fang auf Jungtiere gehen pro Shrimp etwa einhundert weitere Fische in die engmaschigen Netze. Keine andere Fischerei produziert mehr Beifang.
Auch in der Nordsee sind die Nebenwirkungen der Fischerei enorm. „Wer Scholle oder Seezunge isst, muss sich klar sein, dass in den Netzen ein Vielfaches an anderen Meerestieren verendet“, erläutert WWF-Experte Georg Scattolin. So gehen zum Beispiel pro Kilo Scholle auf dem Teller bis zu 15 Kilo Beifang wie Müll wieder über Bord.
Auch der arg dezimierte Kabeljau-Bestand leidet nicht nur unter den seit Jahren zu hohen Fangquoten. Zusätzlich wird fast die Hälfte der Kabeljaumenge, die den Fischern ins Netz geht, wieder weggeworfen, weil sie für die kommerzielle Nutzung zu klein und somit unbrauchbar ist.
Viele Hai-Arten stehen am Rand des Aussterbens. Ein Grund dafür ist der Konsum von Schillerlocken, die aus den Bauchlappen des Dornhais gewonnen werden. Die Fangmenge in der Nordsee ist aufgrund der massiven Ausbeutung seit Ende 1970er Jahre um 96 Prozent zurückgegangen. „Wer heute Dornhai kauft, vergreift sich an den letzten seiner Art“, so Scattolin.
Österreich-Importe im Wert von 350 Millionen Euro
Fische und Fischprodukte im Wert von 350 Millionen Euro wurden letztes Jahr nach Österreich importiert. Typische Importfische sind Lachs, Tunfisch, Sardine und Makrele aber auch Shrimps, Muscheln und Tintenfisch. Sie stammen aus westafrikanischen Gewässern, wo die Fangflotten der Industriestaaten die Meere auf Kosten der einheimischen Bevölkerung ausbeuten. „Unser Hunger nach Fisch nimmt den Armen die wichtigste Nahrungsquelle“, kritisiert der WWF-Experte.
„Wir sind noch weit von einer Lösung der Fischerei- und Umweltkrise in unseren Meeren entfernt“, bilanziert Scattolin. Als wichtigste Gründe für die Missstände nennt er fehlende Kontrollen, zu hohe Fangquoten, zerstörerische Fangmethoden und fehlende Schutzgebiete, in denen sich die Fischbestände wieder regenerieren könnten.
TV-Footage, Fotos und 20-seitiger deutscher WWF-Bericht „Fisch in Teufels Küche“ unter www.wwf.de/presse.
Rückfragehinweis:
WWF Österreich, Mag. Georg Scattolin, Tel. 01- 48817-265
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Tigerinnen in Thailand ziehen erfolgreich Nachwuchs groß
Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
WWF-Flüssereport: Drei Viertel der ökologisch wertvollen Flussstrecken ungeschützt
77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
UNO-Artenschutzkonferenz: WWF bewertet Ergebnis als „verpasste Chance“
Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Große Datenlücken erschweren Kontrolle des Handels mit Tigern – WWF fordert strengere Aufsicht und ein Ende der Zucht für den Handel mit Körperteilen – Artenschutzgremium CITES tagt in Genf
WWF und Ozeanforscherin Sylvia Earle legen Grundstein für besseren Schutz des Mittelmeers
Neue Hoffnungs-Zone für den Artenschutz im Mittelmeer – Basis für grenzüberschreitenden Schutz seltener Hai- und Rochenarten, Wale, Delfine und Meeresschildkröten – WWF fordert politische Zusagen
Weltnaturkonferenz: WWF fordert Kurskorrektur bei Milliarden-Subventionen
UNO-Konferenz vor Abschluss – Reform umweltschädlicher Subventionen stark umkämpft – Naturschutzorganisation fordert verbindlichen Finanzierungsplan
WWF zum Klimagesetz: Ohne verbindliche Pflichten droht Mogelpackung
Begutachtungsfrist endet am Freitag: Verbindliche Sektorziele und Rechtsschutz fehlen, Standortklausel ermöglicht Rückzieher – Bundesregierung und Nationalrat müssen Entwurf nachschärfen
WWF: 20 Spitzmaulnashörner zum Schutz vor Wilderern evakuiert
Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn













