Der 5-jährige Rüde hilft mit seiner Spürnase dabei, Fälle von Wildtierkriminalität aufzudecken. Er gilt als besonders ausgeglichen und arbeitsfreudig.
Kaunertal-Ausbau: WWF-Analyse enthüllt Gutachter-Kritik an Tiwag-Plänen

Eine neue WWF-Analyse zu den vom Land Tirol beauftragten Gutachten für den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal wirft massive Zweifel an der Sicherheit und Genehmigungsfähigkeit auf. Mehrere Sachverständige stellen die Qualität und Vollständigkeit der eingereichten UVP-Unterlagen infrage, wie der WWF auf Basis einer beim Land erkämpften Akteneinsicht berichtet. Zentrale Fragen zu Naturgefahren, Geologie und Grundwasser sind demnach ungelöst. „Die Behörde darf derart grobe Mängel nicht ignorieren. Solange wesentliche Sicherheitsrisiken nicht nachvollziehbar geklärt sind, muss das UVP-Verfahren gestoppt werden“, fordert WWF-Experte Maximilian Frey anlässlich der Einbringung einer Einwendung an das Amt der Tiroler Landesregierung. „Wir können konkrete Defizite belegen, mit denen sich die Behörde jetzt beschäftigen muss. Denn ohne vollständige Daten ist eine korrekte Bewertung der Umwelt- und Sicherheitsrisiken schlicht unmöglich“, sagt Frey.
Im Detail zeigt die WWF-Analyse der für die „Vollständigkeitsprüfung“ erstellten Gutachten und UVP-Unterlagen: Von den insgesamt 530 Verbesserungsaufträgen der Behörde hat die TIWAG bisher fast die Hälfte (=261) nicht behandelt, weil sie angeblich „nicht relevant“ für diesen Teil des Projekts sein. Extrem lückenhaft sind die Bereiche Naturgefahren, Geologie und Grundwasser. Hier hat der landeseigene Konzern von 56 Aufträgen der Behörde rund 90 Prozent (=49) nicht konkret beantwortet. Besonders auffällig: Laut einem vom Land Tirol beauftragten Gutachter hat die Tiwag im Bericht zu Naturgefahren und Muren für den ersten Projektteil den Klimawandel „nicht dezidiert berücksichtigt“. Zudem bleibt für den zuständigen Sachverständigen „offen, ob das Risiko eines Bergsturzes in den Stausee nach Rückzug des Permafrosts in sehr hochalpine Lagen ausreichend berücksichtigt ist“, wie der WWF den Akten entnehmen konnte. Dies bestätigt auch ein Blick in ein weiteres Fachgutachten, in dem das Risiko von Bergstürzen nicht beachtet wird.
„Das Versteckspiel der Tiwag ist völlig inakzeptabel. Das Land Tirol sollte das weitere Durchwinken des Verfahrens stoppen, damit eine seriöse Überprüfung aller Sicherheitsbedenken möglich ist. Wenn sogar landesbeauftragte Gutachter gravierende Bedenken haben, müssen alle Alarmglocken läuten“, sagt WWF-Experte Maximilian Frey. Die Ausreden der Tiwag seien nicht stichhaltig: „Gerade die Bevölkerung in den betroffenen Tälern hat ein Recht auf volle Transparenz anstatt einer Salamitaktik. Es gibt zudem klare Bekenntnisse der Konzernverantwortlichen, dass sie das gesamte Mega-Projekt verwirklichen wollen, nicht nur einen Teil.“
Steigende Risiken nicht nachvollziehbar bewertet – Alarmpläne fehlen
Besonders mangelhaft erfasst sind Klimarisiken wie der Permafrost-Rückgang, wodurch die Berghänge rund um den Stausee an Stabilität verlieren. Steigende Gefahren wie Bergstürze, Muren oder mögliche Flutwellen sind entweder gar nicht, unzureichend oder veraltet bewertet. Zudem fehlen an mehreren Stellen zum Beispiel Alarmpläne und belastbare Worst-Case-Analysen in den Unterlagen, obwohl unabhängige Fachleute vor höheren Risiken für die Talräume und die lokale Bevölkerung warnen.
Der WWF fordert in Zukunft auch mehr Transparenz vom Land Tirol. Denn die Behörde hatte die vollständige Akteneinsicht in die Gutachten erst nach der öffentlichen Begutachtungsfrist für die UVP-Unterlagen ermöglicht. Zuvor war dazu nur eine Übersicht übermittelt worden.
Porträt-Fotos von Maximilian Frey hier.
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