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Kaunertal-Monat: Kampagne gegen Skandalkraftwerk der TIWAG
Innsbruck, am 1. Juni 2012 – Österreichs derzeit größtes Kraftwerksprojekt sorgt für einen Aufschrei in der Ökoszene: Der Ausbau des TIWAG-Kraftwerks Kaunertal bedroht einzigartige alpine Naturgebiete wie das spektakuläre und bislang fast unberührte Platzertal sowie die „Nationalen Flussheiligtümer Venter und Gurgler Ache“. Eine breite Allianz aus zehn Umwelt-, Fischerei- und Kajakverbänden, darunter der WWF, die Naturfreunde Tirol und die Bürgerinitiative Lebenswertes Kaunertal, befürchten fatale Folgen für die sensible Tier- und Pflanzenwelt und die intakten Gletscherflüsse der Region im Oberinntal. Die Naturschützer erklärten heute in Innsbruck den Juni zum „Kaunertal-Monat“ und riefen zur Rettung der Venter und Gurgler Ache, sowie des Platzertales auf. Alle Freunde der intakten Natur- und Bergwelt Tirols sind eingeladen, auf www.fluesse-voller-leben.at eine Petition an Umweltminister Nikolaus Berlakovich zu unterstützen. Darin wird der Minister aufgefordert, sich gegen die Zerstörung und für den immerwährenden Schutz der Tiroler Flussheiligtümer auszusprechen.
Das Projekt würde auch weite Bereiche der Ötztaler Alpen, die unter nationalem und internationalem Naturschutz stehen, irreparabel schädigen, warnen die Umweltorganisationen. „Wenn der Kaunertal-Ausbau realisiert wird, müssten vier natürliche Wildflüsse und -Bäche zerstückelt, aufgestaut und kilometerweit ausgeleitet werden“, stellt WWF-Flussexperte Thomas Diem klar. „Für diese hochalpine Region mit ihrer ganz besonders schützenswerten Fauna und Flora ist das eine ökologische Katastrophe!“ Die vierfache Kajak-Freestyle-Staatsmeisterin Gudrun Lehner schließt sich dem Protest an: „Für mich als Kajakfahrerin sind Wildwasserperlen wie die Venter Ache nicht nur die Grundlage für meinen Sport, sondern auch der Quell, aus dem ich Kraft schöpfe. Deshalb unterstütze ich die Initiative für den Erhalt dieser Flussparadiese aus vollem Herzen!“
Das imposante Gebirgsmassiv der Ötztaler Alpen im Tiroler Oberland stellt das größte zusammenhängende Gletscherareal der Ostalpen und somit auch ein wertvolles Klimaarchiv dar. Wildtierarten wie der Steinadler und typische alpine Bewohner wie der Alpensteinbock oder das Alpenmurmeltier finden hier wichtige Rückzugsräume. Für das Kraftwerksprojekt würde zusätzlich zur Umleitung der Wildflüsse, auch eines der Natur belassensten Hochtäler der Region durch einen riesigen neuen Speichersee geopfert werden.
Carola Wartusch, Geschäftsführerin der Naturfreunde Tirol ist alarmiert: „Das Hintere Ötztal bietet Wanderern, Bergsteigern und Wassersportlern mit wunderschönen Höhenwegen, beeindruckenden Berggipfeln und wilden Wassern großartige Naturerlebnisse. Für die Kajakszene ist das Ötztal das, was der Arlberg für Tiefschneefahrer ist: ein vielseitiges, anspruchsvolles, weitläufiges Top-Gebiet, das auf spektakulären Flusspassagen und in steilen Schluchten selbst den Profis streckenweise alles abverlangt. Diesen Schatz gilt es zu behüten.“
Massive Auswirkungen auf die Sicherheit und die Lebensqualität der Bewohner der Region befürchtet auch Christoph Praxmarer, Sprecher der Bürgerinitiative Lebenswertes Kaunertal. „Gerade die jüngsten Felssturzereignisse im Kaunertal, Engadin und Taschachtal zeigen, dass unsere Befürchtungen zur Sicherheit von derartigen Großanlagen gerechtfertigt sind. Wenn sich Felsstürze dieser Größenordnung im Bereich von Stauseen ereignen, dann sind auch Menschenleben in Gefahr. Megadämme haben in dieser geologisch offenbar stark in Bewegung befindlichen Region keinen Platz“, so Praxmarer.
Gemeinsam mit den beteiligten Organisationen lädt der WWF die Tiroler Bevölkerung dazu ein, im Laufe des Monats Juni eine Vielzahl von Informationsangeboten rund um das Thema Wasserkraft und Kaunertal-Kraftwerk zu nutzen. So thematisieren die Naturschützer mit einer Ausstellung, einem Filmabend, Vorträgen und laufender Information auf www.fluessevollerleben.at die Bedrohung von Flussräumen, Tieren und Pflanzen durch Wasserkraftwerke und regen nachhaltige Energielösungen an.
„Wir sind nicht generell gegen den Ausbau der heimischen Wasserkraft, wenn er ökologisch verträglich ist“, stellen die Naturschützer abschließend klar. Der Ausbau des Kaunertal-Kraftwerks sei jedoch nicht zu verantworten, weil das Projekt letzte Flussheiligtümer bedrohen, Schutzgebiete wie das Natura 2000-Gebiet Ötztaler Alpen und den Naturpark Ötztal beinträchtigen und ein unverbautes Hochtal überstauen würde.
Die Petition kann unter www.fluessevollerleben.at unterstützt werden.
Das genaue Programm des Kaunertal-Monats ist unter Tel. 0512/57 35 34 zu erfragen. Fotos der PK sind unter presse@wwf.at erhältlich.
Kontakt:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel. 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Thomas Diem, WWF-Flussexperte, Tel. 0512/573534-304, E-Mail: thomas.diem@wwf.at
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