Naturschutzorganisation warnt vor ökologischen Folgen und rechtlichen Problemen – Umdenken der Landesregierung gefordert
Kein böser Fisch am Aschermittwochstisch!
Wien, Dienstag, 21. Februar 2012 – Vor dem morgigen Aschermittwoch warnt der WWF, dass der Heringsschmaus in der Fastenzeit die Weltmeere gefährden kann. Denn geschmaust wird von den Österreichern eine Vielzahl von Fischen und Meeresfrüchten wie Thunfisch, Lachs, Scholle, Seeteufel oder Hummer. Leider hat die Fischindustrie unsere Meere seit Jahrzehnten so stark geplündert, dass sie sich nicht mehr erholen können. Heute gelten 80 Prozent der Bestände in den Weltmeeren als überfischt oder bis an die Grenzen ausgebeutet. Der WWF fordert die Konsumenten heuer auf nur heimischen Fisch, Fisch aus Biozucht oder Fisch mit dem blauen Öko-Gütesiegel des „Marine Stewardship Council“ (MSC) zu kaufen. „Vom Lachs über die Thunfisch-Dose bis zu nachhaltig gefangenem Hering bekommt man heute umweltverträglichen Fischgenuss in fast jedem Supermarkt“, empfiehlt WWF-Fischereiexperte Axel Hein Fischmahlzeiten ohne Reue. Der WWF empfiehlt vor dem Kauf den WWF-Fischeinkaufsratgeber (zum Download unter www.wwf.at/meere).
Jeder Österreicher isst durchschnittlich knapp acht Kilogramm Fisch im Jahr. Fische und Fischprodukte im Wert von etwa 350 Millionen Euro werden jährlich nach Österreich importiert. Typische Importfische sind Lachs, Thunfisch, Sardine und Makrele aber auch Shrimps, Muscheln und Tintenfisch. Sie stammen oft aus afrikanischen Gewässern, wo die Fangflotten der Industriestaaten die Meere auf Kosten der einheimischen Bevölkerung ausbeuten. „Für unseren Fischreichtum im Supermarkt müssen viele arme Menschen in diesen Ländern hungern. Die einheimischen Fischer fangen nicht mehr genügend, weil die Großindustrie die Meere leerfischt“, kritisiert der WWF-Experte.
Jährlich werden weltweit 110 Millionen Tonnen Fisch verzehrt. Konsumenten können die Nachfrage nach Fisch mit beeinflussen. Der WWF empfiehlt auf Rotbarsch ganz zu verzichten, weil die Bestände stark gefährdet sind. Beim Fang dieses Tiefseefisches werden auch Jahrtausende alte Kaltwasserkorallen zerstört. Tonnenschwere Grundschleppnetze zermalmen den wertvollen Lebensraum der Korallen. Der WWF kämpft seit langem gegen die zerstörerischen Fangmethoden in der Tiefsee-Fischerei. Aber auch Red Snapper, Viktoriabarsch, Seeteufel oder Schwertfische sind Arten, die nicht mehr auf der Speisekarte stehen sollten!
Eine schlechte Öko-Bilanz haben auch tropische Shrimps. Für die konventionellen Zuchtanlagen von Shrimps werden an der südamerikanischen Pazifikküste und in Südostasien hunderte Kilometer Mangrovenwälder abgeholzt. Beim Fang auf Jungtiere gehen pro Shrimp etwa Hundert weitere Fische in die engmaschigen Netze. Keine andere Fischerei produziert mehr Beifang. Wer beim Kauf von Shrimps jedoch auf Bio-Gütesiegel achtet, kann sichergehen, dass die Zucht nachhaltig und ökologisch durchgeführt wird und für die Zuchtanlagen keine Mangrovenwälder abgeholzt werden.
Auch in der Nordsee sind die Nebenwirkungen der Fischerei enorm. „Wer Scholle oder Seezunge isst, muss sich bewusst sein, dass in den Netzen ein Vielfaches an anderen Meerestieren verendet“, erläutert WWF-Experte Axel Hein. So gehen zum Beispiel pro Kilogramm Scholle bis zu 15 Kilogramm Beifang als „Müll“ wieder über Bord. Auch der stark dezimierte Kabeljau-Bestand im Nordost-Atlantik hat sich durch zu hohe Fangquoten vielerorts noch nicht erholen können.
Wegen des Konsums von „Schillerlocken“, die aus den Bauchlappen des Dornhais gewonnen werden, steht diese Hai-Art am Rand des Aussterbens. Die Fangmenge in der Nordsee ist aufgrund der massiven Ausbeutung seit 30 Jahren um 96 Prozent zurückgegangen. „Wer heute Dornhai kauft, vergreift sich an den letzten seiner Art“, so Hein. Auch die Gier am asiatischen Markt nach der beliebten Haifischflossensuppe hat bereits zahlreiche Hai-Arten dramatisch reduziert.
Wer sichergehen will, nachhaltig gefangenen Fisch auf seinem Teller zu haben, kann unter www.wwf.at/meere den aktuellen WWF-Fischratgeber herunterladen und beim Einkauf den „richtigen“ Fisch auswählen.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231, Email: franko.petri@wwf.at.
Mag. Axel Hein, WWF Fischereiexperte, Tel. 01-48817-230.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Energieeffizienz: Österreich seit sechs Monaten säumig bei EU-Richtlinie, 2030-Ziel wackelt
Stillstand bei Umsetzung verschärft Energiekrise und erhöht Abhängigkeit von Importen – Anhaltende EU-Vertragsverletzung könnte Österreich Millionen kosten – WWF fordert rasches Gegensteuern
Tennis-Star Dominic Thiem engagiert sich für seltene Donau-Störe
Prominente Hilfe für den Artenschutz – Naturschutzorganisation WWF bekommt Unterstützung im Einsatz für die am stärksten bedrohte Tiergruppe der Welt
WWF warnt vor rechtswidriger Wolfsverordnung in Vorarlberg
Naturschutzorganisation kritisiert Begutachtungsentwurf und befürchtet pauschale Abschüsse durch die Hintertür – Forderung nach Überarbeitung und mehr Herdenschutz
Good News: Schon wieder Gorilla-Zwillinge im Virunga-Nationalpark
Gleich zwei Zwillingsgeburten bei den Berggorillas im Virunga-Nationalpark sorgen für Aufsehen. Feldteams konnten bereits beobachten, dass die Tiere innerhalb ihrer Familie einen bemerkenswerten Zusammenhalt zeigen.
WWF: Neue Salzburger Wolfsverordnung widerspricht europäischem Artenschutzrecht
Naturschutzorganisation kritisiert die geplanten anlasslosen Tötungen von Wölfen – Vorgehen gegen geschützte Wildtiere ist in Salzburg völlig überschießend
WWF: Interne Akten zeigen schwere Mängel beim Kraftwerksausbau Kaunertal
23 Nachforderungen, jede zweite betrifft Sicherheitsfragen – Tiwag-Unterlagen unvollständig, zentrale Risiken trotz Nachreichungen immer noch ungeklärt – WWF fordert Stopptaste für UVP
Dramatischer Rückgang: Kaiserpinguine jetzt „stark gefährdet“ – WWF fordert raschen Klimaschutz
Antarktis-Lebensraum zunehmend bedroht – Kaiserpinguine auf der Roten Liste der IUCN hochgestuft – WWF fordert dringend bessere Arten- und Klimaschutzmaßnahmen
Biber als Klima-Helden: Streng geschützte Art schafft effektive Kohlenstoffsenken
Neue Studie bestätigt positive Effekte von Biberdämmen: Durch Biber geschaffene Feuchtgebiete speichern große Mengen an Kohlenstoff – WWF fordert mehr Raum für den Biber












