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Kraftwerk Rosenburg im Kamptal: Pseudo-Bürgerbeteiligung durch EVN
Presseaussendung Aktionsgruppe Lebendiger Kamp
Wien am 2. Dezember 2015 – Das Kamptal könnte zum zweiten Mal nach den 1980er Jahren Schauplatz einer Auseinandersetzung um den Bau eines Wasserkraftwerkes werden. Laut einem EVN-Sprecher will das Unternehmen eine „Wasserspiegelanhebung im Oberwasser“ von 2,5 Meter sowie eine „Eintiefung des Kamp im Unterwasser“ um 1,5 Meter zur Genehmigung beim Mehrheitseigentümer, dem Land Niederösterreich, einreichen. Dadurch würde der Kamp auf 1,5 Kilometer Länge durch Stauverlängerung und Unterwassereintiefung zusätzlich zerstört.
Der WWF, der Naturschutzbund, Riverwatch, BirdLife Österreich, das Forum Wissenschaft und Umwelt sowie etliche Fachleute lehnten in ihren Stellungnahmen unisono die vorgeschlagenen Neubauvarianten als nicht vertretbaren Eingriff in eine der letzten freien und geschützten Fließstrecken Österreichs ab. „Dass die EVN nun exakt jene Variante einreichen will, die sie schon im Juni präsentiert hat, ist eine herbe Enttäuschung und empfinden wir als Frozzelei. Mit einer derartigen Pseudo-Einbindung fügt die EVN auch der Idee der Bürgerbeteiligung ernsthaften Schaden zu. Nun ist das Land Niederösterreich am Zug, diesem Spiel ein Ende zu setzen“, sagt Christoph Litschauer, Flussexperte des WWF Österreich.
Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes soll eine der wertvollsten Flussstrecken Österreichs zerstört werden. „Anstatt in nachhaltige Energieversorgungsprogramme zu investieren will die EVN nun schon das zweite Kraftwerk in einem Europaschutzgebiet verwirklichen“, stellt Ulrich Eichelmann von Riverwatch fest. „Das ist kein Klimaschutz, das ist ganz simpel ein Naturverbrechen", so Eichelmann.
Das EVN-Projekt Ferschnitz an der Ybbs liegt nach EU-Klage auf Eis. "Das Kampprojekt könnte denselben Weg gehen. Anstatt in veraltete Ausbaukonzepte, sollte die EVN endlich in ein modernes Energieversorgungskonzept investieren, das auf Energieeinsparung ausgerichtet ist", so die Naturschutzverbände, zusammengeschlossen in der Aktionsgruppe Lebendiger Kamp.
Die Aktionsgruppe fordert daher den niederösterreichischen Umweltlandesrat Stephan Pernkopf auf, sich für den Fluss und gegen die Zerstörung des Kamps auszusprechen: “Es braucht dringend ein umfassendes und ernsthaftes Programm zum Klimaschutz und zur Energiewende in Niederösterreich. Die letzten paar Kilometer an freien, unverbauten Fließstrecken für eine lächerliche Stromausbeute zu fluten bzw. auszubaggern kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein! Wir fordern das Land Niederösterreich als Mehrheitseigentümer der EVN und als Genehmigungsbehörde daher dringend auf, die Notbremse zu ziehen. Andernfalls wird es auf einen möglicherweise jahrelangen Konflikt im Kamptal hinauslaufen.“
Bei einer EVN-Informationsveranstaltung gestern Abend in Rosenburg wurden kritische Stimmen laut: Besucher kritisierten die Schönfärberei durch die EVN und zweifelten die Zahlenangaben der EVN zur Stromproduktions-Steigerung als nicht nachvollziehbar an. Das EVN-Variantenpapier sei lückenhaft und die Kritik der NGOs an den Mängeln der EVN-Untersuchung seien nicht eingearbeitet worden. Werner Gamerith von der Aktionsgruppe Lebendiger Kamp kündigt an: "Wir lassen uns das Kamptal nicht zerstören, irgendwo ist Schluss mit der Naturzerstörung!"
Die Aktionsgruppe wird voraussichtlich am 10. Dezember bei einer Pressekonferenz ihre weitere Vorgangsweise bekannt geben.
Rückfragehinweis:
Margit Gross, Geschäftsführerin Naturschutzbund NÖ, Tel. 01/ 402 93 94, E-Mail margit.gross@naturschutzbund.at
Claudia Mohl, WWF Österreich Pressesprecherin, Tel, 01/48817-250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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