September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
Landwirtschaftsminister Berlakovich darf Lechbauern nicht enteignen
Wien/Bregenz, Mittwoch, 31. März 2010 – Es könnte pikanter nicht sein, denn hundert vorarlberger Bauern sollen ausgerechnet von Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich enteignet werden. Wegen dem Bau einer Beileitung für das Kraftwerk Spullersee, das die ÖBB betreibt, sollen den Bauern der Agrargemeinschaften Alpe Pazüel-Tritt und Alpe Zürs die Grundeigentums- und Wassernutzungsrechte genommen werden. Die Bauern wollen aber ihre Rechte nicht für die Gewinne der ÖBB aus dem internationalen Stromhandel abtreten. Die beteiligten Landwirte fürchten, dass über den ÖBB-Konzern die Wassernutzungsrechte irgendwann im Ausland landen und für die Nachkommen der Bauern nicht mehr verfügbar sind. Der Landesrat und vorarlberger Bauernbundobmann Erich Schwärzler steht auf der Seite der Bauern. Bundesminister Berlakovich ist selbst Obmann des burgenländischen Bauernbundes. „Nun liegt es an unseren beiden Obmännern, für unsere Rechte einzutreten“, so Bauernvertreter Josef Nessler. Die Bauern wollen die Bäche für die Zukunft ihrer Kinder schützen statt sie den kurzfristigen Profitinteressen der ÖBB zu opfern.
Das wasserrechtliche Verfahren zum ÖBB-Projekt ist im Ministerium Berlakovich anhängig und wird auch dort entschieden. Wenn die Sektion Wasserwirtschaft des Ministeriums das ÖBB-Projekt genehmigt, muss Berlakovich als Landwirtschaftsminister paradoxerweise gegen die Interessen der Bauern entscheiden. „Unser Minister ist hier in einer Zwickmühle und muss nun Farbe bekennen ob er lieber die Profitinteressen der ÖBB oder die Lebensinteressen der Bauern und den Schutz der Umwelt bedienen will", so Nessler. Die beteiligten Bauern haben nun einen Offenen Brief an Bundesminister Berlakovich geschrieben und fordern einen Runden Tisch zusammen mit Landesrat Schwärzler und den beteiligten Umweltorganisationen im Ministerium bis spätestens 12. April. Anschließend wird am 13. April ein letztes Gespräch von Landesrat Schwärzler mit den ÖBB und den Bauern stattfinden.
Mehrere nationale und internationale Umweltschutzorganisationen und Wissenschaftler hatten wiederholt gegen die Pläne der ÖBB protestiert. Denn neben den Zwangsenteignungen droht durch den Bau der Beileitung eine massive Verschlechterung des Flussjuwels Lech: „24 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr würden dem Flusslauf durch die geplante Umleitung fehlen und damit wäre die Überlebensfähigkeit des Flusses gefährdet“, warnt WWF-Experte Christoph Walder
Der Lech ist europaweit eines der besten Beispiele für ein alpines Wildflusssystem mit natürlichen und naturnahen Gewässerabschnitten, Aulandschaften und Schluchten. Er ist durch nationales und internationales Naturschutzrecht streng geschützt. Erst vor wenigen Jahren haben die ÖBB den Lech zum „Fahrziel Natur“ und als besonders schützenswert erklärt, erinnert der WWF. „Die Erweiterung des Spullersee-Kraftwerks bedroht aber den Lech und seine Einzugsgebiete massiv“, so Walder.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231, Email: franko.petri@wwf.at.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
„Reh umgefahren. Halb so Wild“: WWF legt Beschwerde beim Werberat ein
Naturschutzorganisation kritisiert Verharmlosung von Tierleid und fordert Rücknahme des Smile-Sujets – Werberat sollte sich als klares Signal für Werbestopp oder Sujetwechsel aussprechen
WWF kritisiert späten und lückenhaften Start des Wasser-Registers
Umweltschutzorganisation fordert raschere Umsetzung und umfangreichere Erfassung der Wassernutzung – WWF warnt vor „blinden Flecken“ im Wasserentnahme-Register
Welttierschutztag: WWF fordert Ende der Verfolgung geschützter Wildtiere
Wolfsabschüsse auf Rekordniveau, Tötungskontingente für über 1.000 Biber – WWF: Bund und Länder müssen Prävention und Artenschutz stärken
WWF zu Wolfsabschuss in Arzl: DNA-Befund weist Goldschakal nach
Neuer Landesbefund legt nahe, dass getöteter Wolf für Ziegenrisse nicht verantwortlich war – WWF fordert Aufklärung und Ende voreiliger Abschussfreigaben
WWF: Tiwag will Gefahrenanalysen weiter geheim halten
Energiekonzern bekämpft gerichtlich angeordnete Herausgabe vor Verfassungsgerichtshof – WWF kritisiert Geheimhaltung sicherheitsrelevanter Informationen – Unterlagen auch für Kaunertal-Ausbau relevant
WWF kritisiert zynische Werbung mit Tierleid: Versicherungsanbieter muss Kampagne stoppen
„Reh umgefahren – halb so wild“: Versicherung verharmlost Wildunfälle – WWF fordert Rücknahme des Sujets und verantwortungsvolle Werbung
WWF: Österreich verschwendet täglich rund 140 Lkw-Ladungen Lebensmittel
Mehr als 3.000 Tonnen pro Tag – WWF fordert zum Internationalen Tag gegen Lebensmittelverschwendung verbindliche Reduktionsziele und erleichterte Lebensmittelspenden
WWF warnt vor Ausweitung von Kärntens rechtswidriger Abschusspolitik
Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen










