Im WWF-Reservat hat die Storchen-Saison begonnen – 2025 gutes Jahr für den Storchen-Bestand – Weitere Rückkehrer werden in den kommenden Wochen erwartet
Letzte Chance für klugen Ausbau der Wasserkraft
Wien, 14. November 2011 – Die Bundesregierung soll noch bis Jahresende die konkreten Ausbauprojekte von Österreichs Wasserkraft objektiv, klar und strategisch bewerten. Dies schreibt der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan als wesentliches Instrument der EU-Wasserrahmenrichtlinie verbindlich vor. Morgen findet im Lebensministerium die entscheidende Sitzung im Ringen um einen Kriterienkatalog, der die Konflikte zwischen Naturschutz und E-Wirtschaft fachlich bereinigen könnte, statt. 60 geplante Großkraftwerke an Österreichs Flüssen stehen einem schlechten ökologischen Gesamtzustand der großen heimischen Gewässer gegenüber. Der WWF befürchtet, dass der Kriterienkatalog Kraftwerksprojekte künftig sogar noch erleichtern könnte.
Im so genannten Bundeskriterienkatalog wird anhand von 12 Kriterien geregelt, ob Kraftwerksneubauten als ökologisch unbedenklich eingestuft werden, oder – weil nicht genehmigungsfähig – nur mit Ausnahmebewilligung errichtet werden können. Das Regelwerk wird nach Erlass in die entsprechenden Bundes- und Landesverordnungen, sowie die Naturschutzgesetze einfließen.
Tauziehen um die letzten noch unverbauten Fließgewässer
Der WWF hat bereits an der Entwurfsvorlage mehrfach kritisiert, dass die Kriterien zwar fachlich gut gewählt, aber nicht rechtsverbindlich seien. „Wir brauchen keinen Wunschzettel der E-Wirtschaft ans Christkind, sondern eine gesetzlich verbindliche Regelung, wo gebaut werden darf und wo nicht“, so Christoph Walder vom WWF. „Deshalb muss der Katalog sowohl geeignete Zonen für die Wasserkraft ausweisen, als auch Tabu-Gebiete nennen, wo Natur- und Gewässerschutz Vorrang haben“, fordert der WWF-Flussexperte.
Ausbaupläne schießen weit über das Ziel hinaus
In der Energiestrategie Österreichs ist ein Ausbauziel von 3,5 Terawattstunden bis 2015 festgeschrieben. Alle derzeit geplanten Kraftwerke zusammengenommen, würden jedoch 8 Terawattstunden Strom erzeugen. „Das ist mehr als doppelt so viel – wie soll die Natur das aushalten?“, fragt sich Walder und stellt klar, dass der WWF nicht gegen Wasserkraft ist. Entscheidend sei die Standortwahl. Dazu erstellte die Umweltorganisation 2011 einen Öko-Masterplan zu den Flüssen und Bächen in Österreich. Es ist nicht einzusehen, warum auch noch der letzte intakte Gletscherbach im hintersten Isel-Tal für die vermeintliche Versorgungssicherheit und Energieautarkie bluten soll“, so Walder.
Flussgesundheit: Österreich im Europäischen Schlussfeld
Bei einem Ausbaugrad der Wasserkraft von über 70 Prozent, sind nur noch 14 Prozent der heimischen Flüsse und Bäche ökologisch gesund. Österreich liegt damit im EU-Schlussfeld in Sachen Flussbeschaffenheit (Morphologie). Würden alle rund 60 geplanten Großprojekte realisiert, verschlechtert sich zudem die ökologische Zustandsklasse der großen Flüsse von derzeit 3,7 (mäßig bis unbefriedigend) auf 4,3 (unbefriedigend bis schlecht). Zu diesen Ergebnissen kommen zwei aktuelle Studien der Universität für Bodenkultur und warnen vor einem übermäßigen Ausbau der Wasserkraft in Österreich.
Ende 2009 hatten sich Lebensministerium, E-Wirtschaft und Umwelt-NGOs auf die Erstellung eines geeigneten Kriterienplans geeinigt, der in mehreren Runden unter Einbindung verschiedener Interessensgruppen und Fachexperten erarbeitet wurde. Zuvor hatte die EU-Kommission in einem Schreiben an das Lebensministerium, den unstrategischen Zugang Österreichs in der Wasserkraftfrage gerügt und die europäischen Wasserdirektoren daraufhin zur Ausweisung von Tabuzonen geraten.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
20 Jahre WWF Earth Hour: Weltweit gehen am 28. März die Lichter aus
Bundespräsident Alexander Van der Bellen ruft gemeinsam mit WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides zur Teilnahme an der globalen Klima- und Naturschutz-Aktion auf
WWF-Klimaschutz-Monitor: Schlechte Klimapolitik wird zum Milliardenrisiko
Analyse nach erstem Jahr der Dreier-Koalition zeigt große Defizite – Bundesregierung verspielt Erreichen der Klimaziele und erzeugt Milliardenrisiken für Budget – WWF fordert Kurskorrektur
Bundesregierung: Erstes Bodenschutz-Zeugnis zeigt große Defizite
WWF-Bodenschutz-Monitor 2026 veröffentlicht: Ein Jahr nach Regierungsstart prägen Stillstand und Rückschritte die Bodenpolitik – Widmungsabgabe als positive Ausnahme
Video: Animation zeigt Klimarisiken im Kaunertal
Eine ZDF-Animation zeigt, was passieren könnte, wenn ein Felssturz den Gepatsch-Stausee trifft.
Notruf vom Nordpol: WWF warnt vor zunehmenden Gefahren für die arktische Tierwelt
Eisbären, Walrosse und Ringelrobben leiden unter Klimakrise und Öl-Industrie – WWF fordert konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie und wirksam geschützte Rückzugsräume
Good News: Seltene Gorilla-Zwillinge im Virunga-Nationalpark geboren
Seltene Neuigkeiten aus dem Virunga-Nationalpark: Gorillaweibchen Mafuko hat Zwillinge bekommen!
„Achtung Gefahr“: WWF protestiert mit 20-Meter-Banner gegen Kaunertal-Ausbau
Massive Gefahren für Bevölkerung und Natur weiterhin ungeklärt – UVP-Unterlagen „skandalös unvollständig“ – WWF macht mit Riesen-Banner auf Sicherheitsrisiken aufmerksam
Nach Massen-Fischsterben: WWF fordert Wasser-Rettungspaket für Untere Lobau
Naturschutzorganisation: Langjähriger Wassermangel wirkt sich in niederschlagsarmen und kälteren Wintern besonders fatal für Fische aus – Stadt Wien sollte rasch mit Gegenmaßnahmen starten













