Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Luchs Alus tot aufgefunden – 15.000 Euro Belohnung im Falle einer Straftat
Wien, München, am 8. September 2017 – Wie gestern bekannt gegeben, wurde der Luchskadaver ohne Kopf und Vorderläufe aus dem Saalachsee im Berchtesgadener Land geborgen. Bei dem toten „Alus“ handelt es sich um einen Luchs aus einem Artenschutzprojekt des WWF Österreich in Zusammenarbeit mit Wildbiologen und Wissenschaftlern aus Italien. Alus war im April 2014 im Friaul ausgewildert worden, verlor kurz nach der Aussiedlung seinen Sender und tauchte 2015 im Salzburg-Bayerischen Alpenraum auf. Zuletzt konnte die Münchner Gregor Louisoder Umweltstiftung ihn im Mai per Fotofalle nachweisen.
Ob der Luchs wie viele andere in Bayern und Österreich einer Straftat zum Opfer gefallen ist, wird erst die pathologische Untersuchung endgültig beweisen. Bisher ist unklar, ob die fehlenden Körperteile erst bei der Bergung abgetrennt wurden oder bereits zuvor. „Illegalität ist das größte Problem beim Schutz des Luchses", unterstreicht Christian Pichler, WWF-Artenschutzexperte, und führt aus: „Wir müssen alles daran setzen, diesen Kriminellen das Handwerk zu legen, damit der Luchs nicht das gleiche Schicksal erleidet wie der Braunbär in Österreich: Er ist 2011 zum zweiten Mal ausgestorben.“ Für den Fall einer Straftat bei Luchs Alus loben der WWF und die Bayerische Gregor Louisoder Umweltstiftung 15.000 Euro für Hinweise, die zur Verurteilung des Täters führen, aus.
Claus Obermeier, Vorstand der Umweltstiftung, erklärt: „Um die zunehmenden Fälle von Naturschutzkriminalität aufzuklären, ist die Polizei noch nicht entsprechend gerüstet. Es braucht viel mehr gezielt ausgebildete Beamte, die die Fundorte als das behandeln was sie sind: Tatorte, an denen kriminologisch Spuren gesichert und dokumentiert werden müssen.“ Allerdings konnte die Zusammenarbeit von Naturschutzverwaltung und Polizei bereits maßgeblich verbessert werden, sodass die Basisarbeit am Fundort im vorliegenden Fall professionell erfolgt sei, anerkennt Obermeier die Leistung der Behörde.
Das Polizeipräsidium Oberbayern hat die örtlich zuständige Polizeiinspektion Bad Reichenhall mit der Aufklärung des Falles betraut. Diese arbeitet ab sofort mit den zuständigen österreichischen Behörden zusammen. „Es ist denkbar, dass der Luchs, der immer wieder im Grenzgebiet unterwegs war, auf österreichischem Staatsgebiet getötet wurde und von der Saalach in den Saalachsee geschwemmt wurde“, erklärt Christian Pichler vom WWF.
"Alus" und ein gleichzeitig ausgewildertes Weibchen sollten gemeinsam mit den ein bis zwei im Friaul ansässigen Luchsen dazu beitragen, einen kleinen Luchsbestand im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien aufzubauen. Der Luchs ist durch die nationale und europäische Naturschutzgesetzgebung streng geschützt. Ganzjährig geschont, darf er nur in einem begründeten Ausnahmefall, etwa wenn Gefahr im Verzug ist, entnommen werden.
Im vorliegenden Fall berücksichtigt die deutsche Polizei bei den Überprüfungen denkbare Verstöße nach dem Bundesnaturschutzgesetz, sowie dem Tierschutzgesetz. Der Strafrahmen liegt bei bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug. In Österreich steht auf „Vorsätzliche Schädigung des Tier- oder Pflanzenbestandes“ ein Freiheitsentzug von bis zu zwei Jahren.
Regelmäßig verschwinden Luchse, die im Erwachsenenalter eigentlich standorttreu leben, spurlos oder werden nach Vergiftung oder Abschuss entdeckt. Claus Obermeier sagt: „Die Politik muss Anschluss an die internationalen Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt finden. Es ist ein Skandal, wenn in Bayern oder Österreich vom Aussterben bedrohte Arten wie der Luchs wieder ausgerottet werden, während wir gleichzeitig von den viel ärmeren Ländern in Afrika und Asien gigantische Anstrengungen und wirtschaftliche Einbußen zum Schutz der Natur einfordern.“
Hinweise sind in Deutschland per E-Mail an bayern-wild@umweltstiftung.com erbeten.
In Österreich bittet der WWF, Hinweise an das Landeskriminalamt Salzburg zu richten. Die Telefonnummer lautet 059 133 50 3333
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich, Tel. 0676/83 488 203, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Christian Pichler, Artenschutzexperte WWF Österreich, Tel. 0676/83 488 202, E-Mail: christian.pichler@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung [AL1.1]diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz
WWF zum Natura 2000-Tag: Neue EU-Daten zeigen schlechte Lage der Biodiversität in Österreich
Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
WWF zur Inflation: Fossile Energien sind zentraler Preistreiber
Ein Drittel der Teuerung geht auf höhere Treibstoff- und Heizölpreise zurück – WWF fordert mehr Energieeffizienz, Abbau umweltschädlicher Subventionen und naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien – Spritpreisbremse nahezu wirkungslos
WWF zu EABG-Verhandlungen: Regierung muss ihren Entwurf grundlegend verbessern
Naturschutzorganisation kritisiert mangelnde Kompromissbereitschaft der Koalition und fordert klare Verbesserungen bei Naturverträglichkeit
WWF: Mehr als 1.300 geschützte Tiere seit 2020 in Österreich getötet
Abschüsse von Bibern, Fischottern, Wölfen und Greifvögeln nehmen deutlich zu – WWF warnt vor „Normalisierung“ der Tötung geschützter Arten – Neue Kampagne gestartet
Almauftrieb am Hundsheimer-und Spitzerberg: Erste Beweidung seit 60 Jahren stärkt Biodiversität
Grasende Rinder sichern Lebensraum für seltene Arten – Vorzeigemodell: WWF fordert Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in ganz Österreich













