Mehr Wasser, mehr Artenvielfalt: Dank der erfolgreich umgesetzten Maßnahme an der Grenzmur führt der Mühlbach heute mehr als doppelt so viel Wasser wie früher.
Nach Straßenbau-Evaluierung: WWF fordert Klima- und Bodencheck in ganz Österreich
Weitere große Bauprojekte neu bewerten – Boden- und Klimaschutz als öffentliches Interesse festschreiben
Wien, am 16. Juli 2021 – Anlässlich der wichtigen Evaluierung zahlreicher Straßenbauprojekte durch das Klimaschutzministerium fordert die Naturschutzorganisation WWF die Verankerung eines generellen „Klima- und Bodenchecks“ in Österreich. Die beiden Faktoren sollen als zentrale öffentliche Interessen definiert und große Bauprojekte unter diesem Gesichtspunkt neu bewertet werden – unabhängig, wissenschaftsbasiert und mit Konsequenzen. „Die Erderhitzung wird immer akuter, der Flächenfraß gefährdet überlebenswichtige Bodenfunktionen und die biologische Vielfalt. Daher müssen Projekte, die beim Klima- und Boden-Check durchfallen, rasch gestoppt oder durch eine umweltfreundliche Lösung ersetzt werden“, fordert WWF-Bodenschutzsprecherin Maria Schachinger. Mit durchschnittlich 11,5 Hektar verbautem Boden pro Tag verfehlt Österreich das Nachhaltigkeitsziel des Bundes um mehr als das Vierfache. Zugleich ist der Flächenfraß seit 20 Jahren knapp dreimal schneller gewachsen als die Bevölkerung. Der WWF fordert daher einen „Bodenschutz-Vertrag“ gegen den Flächenfraß sowie eine grundlegende Reform des Umweltrechts.
Anhand neun aktueller Negativbeispiele zeigt der WWF, wie geplante Skigebiete, Chaletdörfer, Straßen, Wasserkraftwerke und Logistikzentren unser Land zu zerstückeln drohen. In allen Bundesländern stehen massive Verbauungsprojekte an, die das Klima schädigen, wertvolle Böden versiegeln und in einigen Fällen nicht einmal vor Naturschutz-Gebieten halt machen. „Die Projekte zeigen die jahrzehntelangen Versäumnisse einer Raumordnungspolitik, die vor allem auf kurzsichtige Profitinteressen ausgerichtet ist. So werden immer mehr Böden zu Asphaltwüsten und Betonburgen, worunter sowohl unsere eigene Gesundheit, als auch Klima und Artenvielfalt leiden“, warnt WWF-Expertin Maria Schachinger.
Versiegelt und verbaut – Neun Negativbespiele für die Verbauung Österreichs
Besonders deutlich zeigt sich der Bedarf nach einem umfassenden Klima- und Bodencheck bei den vielen flächenfressenden, klimaschädigenden Straßenbauprojekten wie der Lobau-Autobahn, der Marchfeldschnellstraße oder der Bodensee-Schnellstraße. Gleichzeitig verdeutlicht der laufende Ausbau der Skigebiete, wie beispielsweise in Vorderstoder (OÖ) oder Zauchensee (Salzburg) gravierende Schwachstellen bei Bodenschutz und Umweltrecht mit viel zu hohen Schwellenwerten. Rund 40.000 Hektar Leerstand stehen laut Daten des Umweltbundesamts in Österreich zur Verfügung. Dennoch soll einem Logistikzentrum in Graz-Liebenau wertvolle Ackerfläche zum Opfer fallen. Währenddessen schreitet der Ausverkauf der Natur in Kärnten durch zahlreiche geplante Chalet-Dörfer voran, die zum Teil in weitgehend naturbelassenen Berglandschaften wie dem Spitaler Berg Goldeck entstehen sollen. Im Burgenland liegt eines der letzten wichtigen Vogelbrutgebiete direkt vor dem Nationalpark und UNESCO-Weltkulturerbe am Neusiedlersee. Ausgerechnet hier soll das Krankenhaus Gols errichtet werden – trotz mehrerer Alternativstandorte. Und in Tirol gefährdet der Ausbauplan des Kraftwerks Kaunertal eine streng geschützte Hochgebirgslandschaft, die hinter einer 120 Meter hohen Staumauer zu verschwinden droht.
Über den Klima- und Bodencheck
Der WWF fordert, dass ein umfassender Klima- und Boden-Check in alle relevanten Gesetze, Verordnungen und Strategien integriert wird. Anstatt zahnloser und lückenhafter Wirkungsfolgenabschätzungen braucht es unabhängige, wissenschaftsbasierte Kontrollen (vor allem bei Klimaschutz, Bodenverbrauch und Biodiversität) sowie die verpflichtende Vorlage von Alternativen. Das gilt vor allem dann, wenn geplante Vorhaben die Ziele des Pariser Klimavertrags, des EU-Naturschutzrechts und der Biodiversitätsstrategie verletzen oder konterkarieren.
Downloads: Negativ-Projekte Bundesländer (pdf, 3,6 MB)
Rückfragehinweis:
Valentin Ladstätter
Pressesprecher WWF Österreich
+43 676 83488 257
valentin.ladstaetter@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Forschungswolf getötet – WWF kritisiert überzogene Abschusspolitik in Tirol
Artenschutzorganisation fordert Kurskorrektur im Wolfsmanagement – Besenderte Wölfe liefern wertvolle Daten für Herdenschutz und Prävention – Italien forscht, Österreich schießt ab
Kampf gegen Plastikmüll: WWF weitert Offensive gegen Geisternetze im Mittelmeer aus
Plastikkrise im Mittelmeer spitzt sich zu – Bereits vier Tonnen alte Fischereisausrüstung geborgen – Neue Tauchausbildung soll Bergungsmenge bis Jahresende verdoppeln – Ausweitung von Meeresschutzgebieten gefordert
WWF: Portugal investiert groß in Renaturierung, Österreich soll nachziehen
Portugal will 500 Millionen Euro jährlich in Wiederherstellung der Natur investieren – Gemessen an der stärkeren Wirtschaftskraft wären das in Österreich rund 840 Millionen Euro pro Jahr – WWF fordert rasche Vorlage des gesamten Renaturierungsplans von Bund und Ländern
WWF kritisiert lückenhaftes Umweltbudget
Umweltschutzorganisation warnt vor fehlenden Mitteln für Renaturierung und Gewässerschutz – Weniger Klimaschutz, mehr fossile Anreize
Vergiftete Gänsegeier: Neue Spuren im Kärntner Giftfall
WWF und BirdLife: Aktuelle Genanalyse des Mageninhalts liefert neue Erkenntnisse zur Vergiftung – Wölfe könnten das eigentliche Ziel der Täter gewesen sein
Artenschutz: WWF-Studie stellt Bundesländern schlechtes Zeugnis aus
WWF-Bundesländerbarometer: Nur vier von 35 Bewertungen erreichen gute Umsetzung – Große Defizite beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf – Lichtblick beim Seeadler
WWF: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals
660 Meter Menschenkette in Innsbruck machte Ausmaß des geplanten Tiwag-Staudamms sichtbar – Initiative „Rettet das Platzertal“ fordert Stopp des Projekts und naturverträgliche Alternativen
WWF zu EABG-Einigung: Schutz der letzten Flussjuwele vor Aushebelung bewahrt
Untauglicher Entwurf der Koalition in parlamentarischen Verhandlungen entschärft, aber Druck auf Flüsse bleibt hoch – WWF fordert Energiewende mit naturverträglichen Standorten und mehr Effizienz










