Debatte über millionenschwere Vorstandsbezüge zeigt großen Reformbedarf bei Transparenz, Gemeinwohl und Naturverträglichkeit
Neue Bilder zeigen den Ausbauwahn des Wintertourismus. WWF fordert Gletscherschutz ohne Ausnahmen
Im Sommer werden Österreichs Berge zu Großbaustellen – Dramatische Bilder vom Ausbaggern eines Gletschers zeigen die Notwendigkeit einer Trendwende – WWF fordert klare Ausbaugrenzen
Innsbruck / Wien, am 2. September 2019. Aktuelle WWF-Aufnahmen aus dem Pitztal zeigen, wie Bagger direkt auf dem Gletscher auf über 3.000 Metern Höhe das Gletschereis abgraben. Eine weitere Baustelle findet sich an der Bergstation der Wildspitzbahn auf 3.440 Metern Höhe, wo mit großem Materialeinsatz ein Skiweg vergrößert wird. Zugleich verteilen Pistenraupen den Schnee aus angelegten Depots auf dem Gletscher, um daraus Pisten für die kommende Wintersaison anzulegen. „Im Sommer werden Skigebiete oft zu Großbaustellen. Im Wettkampf um neue Werbe-Superlative bedeutet moderner Wintertourismus heute enorme Eingriffe in die Natur, noch dazu mit großem Energie- und Ressourceneinsatz. Aufgrund der ständigen Vergrößerung der Tourismusgebiete bleibt von einer intakten Natur nicht mehr viel übrig“, warnt Landschaftsökologe Josef Schrank vom WWF Österreich. Um die letzten hochalpinen Naturjuwele vor Verbauung zu bewahren, fordert der WWF Österreich einen echten Gletscherschutz, der ohne Ausnahmen durchgesetzt wird, sowie klare rechtsverbindliche Ausbaugrenzen.
„Viel zu oft werden Baumaßnahmen gegen geltende Schutzbestimmungen durchgesetzt, indem etwa von der Behörde eine Ausnahmebewilligung erteilt wird. Diese fragwürdige Praktik muss ein Ende haben“, so Schrank. Denn nur mehr sieben Prozent der Österreichischen Staatsfläche sind heute noch ursprünglich und frei von Straßen und technischer Infrastruktur. Diese meist hochalpinen Gebiete sind wichtige Rückzugsräume für die Natur und Erholungsräume für den Menschen.
Auch im Pitztal sind massive Eingriffe in schützenswerte Gebiete geplant. Für das Mega-Projekt „Skigebietserweiterung Pitztal-Ötztal“ soll am Linken Fernerkogel eine ursprüngliche Gletscherlandschaft zugunsten eines neuen Skigebiets zerstört werden. Der WWF Österreich setzt sich daher zusammen mit den Naturfreunden und dem Österreichischen Alpenverein für den Stopp des Projektes ein. „In den benachbarten Skigebieten sieht man schon heute, was dem unberührten Gletscherberg droht: eine jährlich wiederkehrende Großbaustelle, wo der Tourismus gegen die Natur arbeitet anstatt mit ihr“, so Josef Schrank und fordert: „Zusätzlich zu einer mutigen Klima- und Umweltpolitik brauchen wir einen effektiven Gletscherschutz, der ohne Ausnahmen umgesetzt wird.“
Download der Bilder in Druckqualität (zur honorarfreien Verwendung unter Angabe des Fotocredits)

Hintergrund: Ausschnitt aktueller Baustellen
Mit fast 3.000 Seilbahn- und Liftanlagen liegt Österreich weltweit auf Platz zwei, nur hinter Frankreich und noch vor den USA. Allein für die Saison 2019/2020 sollen in Österreich 27 neue Anlagen in Betrieb gehen. Bei fünf davon handelt es sich um Neuerschließungen, die übrigen 22 Neubauten ersetzen bestehende Lifte und Seilbahnen. Tirol ist mit 14 neuen Anlagen Spitzenreiter, gefolgt von Salzburg, der Steiermark (jeweils sechs) und Vorarlberg (eine). Laut der Online-Plattform skiresort.at sind 73 Lift- und Seilbahnplanungen für Österreich bekannt.
Auch der Infrastrukturausbau für künstliche Beschneiung schreitet rasant voran. Beispielsweise wird aktuell in Tirol auf der Tufleinalm ein Speicherteich mit einem Volumen von etwa 50.000 Kubikmetern ausgebaggert. Das entspricht etwa 20 Sportschwimmbecken. Ein weiterer Teich in gleicher Größe folgt 2020 auf der kleinen Salve, wo schon heuer Wald gerodet und ein Technikzentrum gebaut wird. In Salzburg wird in der Angeralm an einem Speicherteich mit 150.000 Kubikmetern gegraben, in Saalbach-Hinterglemm einer mit mehr als 250.000 Kubikmetern. Wie Zahlen aus dem Jahr 2012 zeigen, können österreichweit schon mehr als 70 Prozent der Pistenfläche mithilfe von über 400 Speicherteichen künstlich beschneit werden. Der jährliche Wasserbedarf für die künstliche Beschneiung wird auf über 50 Millionen Kubikmeter geschätzt.
Rückfragehinweis:
Vincent Sufiyan, WWF-Pressesprecher, Tel.: +43 676 834 88 308, E-Mail: vincent.sufiyan@wwf.at
Josef Schrank, WWF-Landschaftsökologe, Tel.: +43 676 834 88 299, E-Mail: josef.schrank@wwf.at
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