Naturschutzorganisation warnt vor ökologischen Folgen und rechtlichen Problemen – Umdenken der Landesregierung gefordert
Neue Tier- und Pflanzenarten in Vietnam entdeckt
Hanoi/Wien, 26. 9. 2007 – Wissenschaftler haben in einer entlegenen Gegend in Zentralvietnam neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt, wie der WWF heute bekannt gibt. Die bisher unbekannten Arten wurden in der Provinz Thua Thien Hue gefunden – eine Region die auch als „Grüner Korridor“ bekannt ist. Unter den neuen Arten finden sich zwei Schmetterlinge, eine Schlange, fünf Orchideen und drei andere Pflanzen. Alle genannten Arten sind nur in den tropischen Urwäldern des Annamiten-Gebirgszugs in Vietnam zu finden. Zehn weitere Pflanzenarten, darunter vier aus der Familie der Orchideen, werden derzeit noch bestimmt, sie dürften aber ebenfalls bisher unbekannt sein.
„Eine so große Anzahl neuer Arten findet sich nur in besonderen Gegenden und der ´Grüne Korridor´ ist so eine Gegend“, sagte Marc Groß vom WWF Österreich, der seit einem Jahr im Mekonggebiet in Vietnam und Laos im Einsatz ist. „In den 90-er Jahren wurden hier mehrere große Säugetierarten entdeckt. Daher glaube ich, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist und hier noch viele weitere Entdeckungen zu erwarten sind.“ Die Regenwälder der zentralen Annamiten existierten schon seit Tausenden von Jahren und bieten daher einzigartige Lebensräume für viele Arten, so der WWF.
Die neue Schlangenart – die weiß gelippte Keelback-Schlange (asiatische Streifennatter) – lebt vorwiegend in der Nähe von Wasserläufen, wo sie Frösche und andere kleine Tiere fängt. Sie hat einen sehr schönen, gelb-weißen Streifen, der sich über ihren Kopf zieht und rote Punkte, die ihren Körper zieren. Die Schlange kann bis zu 80 cm lang werden. Die bisher unbekannten Schmetterlinge gehören zu jenen acht Arten, die in dieser Provinz seit 1996 entdeckt wurden. Einer davon ist der Dickkopffalter – ein Schmetterling mit schnellen, stichartigen Flugbewegungen – der zur Gattung der Zela gehört. Ein anderer Schmetterling zählt zu einer neuen Gattung in der Unterfamilie der Augenfalter. Drei der neuen Orchideen-Arten sind völlig blattlos, was für Orchideen selten ist. Sie enthalten kein Chlorophyll und leben wie Pilze von absterbenden Substanzen. Zu den anderen neuen Pflanzen gehört auch eine Schusterpalmenart (Aspidistra), die eine Blüte hervorbringt, die fast schwarz ist. Viele kennen die Verwandten dieser Pflanze als Zimmerpflanzen, die auch bei sehr wenig Licht gedeihen. Und eine neu entdeckte Art der Arum-Lilie hat wunderschöne gelbe Blüten mit trichterförmigen Blättern, die die Blüte umranden.
Laut WWF sind alle genannten Tier- und Pflanzenarten nicht nur durch illegales Abholzen oder Jagen bedroht sondern auch durch die ungebremste Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und weitere Erschließungen. Jedoch haben die Thua Thien Hue Provinz und insbesondere das Waldschutz Department (FPD) sich dazu verpflichtet die wertvollen Regenwälder zu bewahren und nachhaltig zu bewirtschaften. „Es ist extrem wichtig, diese Region zu schützen. Die Provinzverwaltung bekennt sich daher zum Schutz der Regenwälder und ebenso will sie zur nachhaltigen Entwicklung in der Provinz beitragen“, sagte Hoang Ngoc Khanh, der Direktor des Amtes für Waldschutz.
Vor kurzem durchgeführte Forschungen haben gezeigt, dass viele in Vietnam vom Aussterben bedrohte Arten im Grünen Korridor gefunden werden können, darunter 15 Reptilien und Amphibien sowie sechs Vogelarten. Weiters weist dieses Gebiet die größte Population an weiß-wangigen Schopfgibbons (hylobates concolor) in Vietnam auf – eine Spezies, die als eine der weltweit meistgefährdeten Primaten gilt, Darüber hinaus ist man der Ansicht, dass diese Region innerhalb Vietnams die besten Voraussetzungen für den Schutz der Saola-Rinder bietet – eine einzigartige Art wilder Rinder, die von Wissenschaftlern erst 1992 entdeckt wurde. Der WWF betont, dass die Wälder in der Annamitenregion auch wichtige ökologische Funktionen haben, wie zum Beispiel die Wasserversorgung für Tausende Menschen, die von den Flüssen der Region abhängig sind. Zusätzlich sind die Wälder eine nachhaltige Einkommensmöglichkeit für die ethnischen Minderheiten vor Ort, besonders bei Nicht-Holzprodukten.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231
Hintergrundpapier und Fotos der neuen Arten beim WWF erhältlich.
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