Geplante Erweiterung in Kronstorf verschärft Druck auf Böden und Wasser der Region – WWF verlangt volle Transparenz und verbindliche Auflagen von Landesregierung
Neues Dokument zeigt Klimaschutz-Versagen: Bundesländer und Finanzminister bremsen
Wien, am 22. April 2020. Österreichs Treibhausgas-Emissionen lagen zuletzt um mehrere Millionen Tonnen über den erlaubten Höchstwerten des Klimaschutzgesetzes, das in diesem Fall zwingend rasche Verhandlungen zur Senkung der CO2-Emissionen vorsieht. Die dafür am Mittwoch als Ergebnis vorgelegte „Maßnahmentabelle des Bundes und der Länder für die Jahre 2019 und 2020“ ist jedoch völlig unzureichend und wird der Klimakrise in keinster Weise gerecht. Das zeigt eine erste Analyse des WWF Österreich, dem das geleakte Dokument vorliegt. „Dieses Verhandlungsergebnis ist ein Desaster. Österreichs miserable CO2-Bilanz muss umfassend saniert werden, aber zentrale Mitspieler wie die Bundesländer und das Finanzministerium kommen ihrer Verantwortung nicht nach. Statt wirksamer Maßnahmen kommen von ihnen nur mutlose Trippelschritte, mit denen die Klimaziele verfehlt werden“, sagt Karl Schellmann, Klimasprecher des WWF Österreich. Die Umweltschutzorganisation fordert daher neben Sofortmaßnahmen eine deutliche Verschärfung des zahnlosen Klimaschutzgesetzes.
Das Scheitern zeigt sich laut WWF insbesondere daran, dass der Bund und die Länder bei den meisten Maßnahmen nicht einmal eine ungefähre Wirkung angeben können. „Da nur wenige der Maßnahmen quantifiziert wurden, kann auf Basis der vorliegenden Informationen keine konkrete Einschätzung zur Wirkung der Maßnahmen und ihren Beitrag zur Zielerreichung bis 2020 getroffen werden“, heißt es wörtlich im Bund-Länder-Papier. Tatsächlich besteht die vom koordinierenden Klimaschutzressort als Gesprächsergebnis von Bund und Ländern vorgelegte Tabelle in erster Linie aus längst bekannten Initiativen und vagen Strategien, obwohl gesetzlich eine „Stärkung bestehender oder Einführung zusätzlicher Maßnahmen“ erfolgen müsste. „Die Politik nimmt ihre eigenen Gesetze offensichtlich nicht ernst genug. Das ist ein Alarmsignal für die Demokratie und das Klima“, warnt Karl Schellmann.
Der dem WWF vorliegende Bund-Länder-Katalog schont den Klimasünder Verkehr und lässt auch alle umweltschädlichen Subventionen ungebremst weiterlaufen. „Das Steuersystem wäre ein zentraler Hebel für den Klimaschutz, wird aber nur minimal angetastet. Gerade das Finanzministerium müsste hier als Leuchtturm agieren anstatt Relikte wie das Dieselprivileg zu konservieren. Damit bleibt Österreich eine Steuer-Oase, die den Schwerverkehr magisch anzieht“, sagt Karl Schellmann. Gefordert sind auch die Bundesländer, die in Bereichen wie Wärme und Verkehr eine zentrale Rolle haben, aber dieser großteils nicht gerecht werden. „Baustandards sind nicht am Stand der Technik, Wohnbaugelder werden viel zu wenig für die thermische Sanierung eingesetzt, in Städten dominiert eine autozentrierte Verkehrspolitik“, kritisiert Schellmann.
„Wir brauchen große Reformen und Budgets, um die mit Klimaschutz verknüpften Chancen für Wirtschaft und Arbeitsplätze zu nutzen. Dafür braucht es aber nicht nur eine hartnäckige Umweltministerin, sondern vor allem auch den vollen Einsatz des Finanzministers und der Länder. Ansonsten riskiert die Republik nirgends budgetierte Strafzahlungen in Milliardenhöhe, weil die EU-Ziele verfehlt werden“, sagt Karl Schellmann von der Umweltschutzorganisation WWF Österreich.
WWF fordert Energiespar-Offensive und Klimabonus
Der WWF Österreich appelliert an Bund und Länder, die Klimaschutz-Wende mit vereinten Kräften einzuleiten und zusätzliche Maßnahmen zu setzen. Österreich braucht dafür eine große Energiesparoffensive, einen naturverträglichen Ausbau Erneuerbarer Energien, eine zusätzliche jährliche Klimaschutz-Milliarde und eine Mobilitätswende, die an den Wurzeln der Probleme ansetzt – vom Öffi-Ausbau über eine Rad-Offensive bis zur Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge und der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. „Wir müssen umweltschädliche Subventionen abbauen und zugleich das Steuersystem komplett ökologisieren, damit sich umweltfreundliches Handeln auszahlt. Ideal dafür wäre ein Klimabonus mit Lenkungswirkung, finanziert aus einer sozial und wirtschaftlich gerecht gestalteten CO2-Bepreisung“, bekräftigt WWF-Klimasprecher Schellmann.
Rückfragehinweis:
Mag. Volker Hollenstein
Leiter Politik & Kommunikation
Mobil: +43664 501 31 58
E-Mail: volker.hollenstein@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF zur Roten Liste: Artensterben reicht von der Tiefsee bis in die Wüste
Neue Daten zeigen Bedrohung durch Tiefseebergbau, Industrieprojekte und invasive Arten – WWF fordert mehr Schutzgebiete und Stopp für riskante Naturzerstörung
Tiefseebergbau gefährdet globale Sicherheit, Klima und Artenvielfalt – WWF fordert Moratorium
Internationale Konferenz berät über Abbau von seltenen Rohstoffen in der Tiefsee Ende Juli – Neue Studie beschreibt globale Negativ-Folgen durch Zerstörung artenreicher Tiefsee-Lebensräume – WWF fordert Stopp der Abbaupläne
WWF warnt: Viele Flüsse gehen mit Niedrigwasser in den Hochsommer
An rund 85 Prozent der Pegel lagen die Juni-Abflüsse unter dem langjährigen Mittel – Hohe Wassertemperaturen verschärfen Lage für Fische und Gewässerlebensräume
WWF warnt vor Tabubruch im Lech-Schutzgebiet
Wasser aus intaktem Namloserbach im Natura-2000-Gebiet soll großteils abgeleitet werden – WWF sieht Genehmigungsfähigkeit höchst fraglich und fordert E-Werke Reutte zum Abbruch der Planungen auf
Tiwag-Gehälter: WWF fordert neue Strategie für Landeskonzern
Debatte über millionenschwere Vorstandsbezüge zeigt großen Reformbedarf bei Transparenz, Gemeinwohl und Naturverträglichkeit
Invasive Arten im Mittelmeer: WWF warnt vor Folgen für Artenvielfalt, Fischerei und Tourismus
Hasenkopf-Kugelfisch, Rotfeuerfisch, blaue Schwimmkrabbe & Co. bedrohen Mittelmeer-Lebensraum – WWF fordert: Natürliche Feinde wie Haie, Rochen und Oktopusse besser schützen; Überfischung stoppen; Meeresschutz ausweiten
WWF-Analyse: Untere Lobau fehlt im Renaturierungsatlas für Gewässer
Ausgerechnet eines der wichtigsten Sanierungsgebiete im Nationalpark Donau-Auen ist bisher nicht ausgewiesen – WWF sieht kritische Lücke und fordert Nachmeldung durch Wien und Niederösterreich beim Umweltministerium
Rekordtemperaturen, Massentourismus, Überfischung: WWF fordert 5-Punkte-Schutzpaket für das Mittelmeer
Umweltschutzorganisation macht auf dramatischen Zustand des Mittelmeers aufmerksam – Konkrete Maßnahmen gegen Plastikverschmutzung, Überfischung, intensive Schifffahrt und Artensterben gefordert













