September-Bilanz: Massiver Wassermangel in Flüssen von Niederösterreich bis Vorarlberg – Grundwasserstände bleiben vielerorts niedrig – WWF fordert Schutzprogramm und mehr Renaturierung
Österreich droht der Klima-Super-Gau
Wien, 17. 9. 2014 – Heute wurde der erste österreichische Sachstandsbericht zum Klimawandel präsentiert. Es zeigt sich, dass der Klimawandel in Österreich schneller voranschreitet als im globalen Durchschnitt. Während die Temperatur weltweit um 0,85 Grad Celsius gestiegen ist, sind es in Österreich zwei Grad. Bis Ende des Jahrhunderts wird die Temperatur im „business as usual“-Szenario auf etwa 3,5 Grad steigen. Wenn diesem negativen Trend nicht gegengesteuert wird, werden Extremwetterereignisse weiter zunehmen, die schon heute Milliardenschäden an der österreichischen Volkswirtschaft anrichten. Wirtschaftlich leiden vor allem die Landwirtschaft, der Tourismus und die Energiewirtschaft. Wärmeliebende Schädlinge und Krankheitserreger finden bessere Bedingungen vor und breiten sich weiter aus. Anpassungsmaßnahmen können die Folgen zwar mildern, aber nicht ausgleichen, so eine zentrale Schlussfolgerung der Studie.
„Der Klimabericht zeigt, dass Österreich massiv vom Klimawandel betroffen ist und die Schäden weiter zunehmen werden, wenn nicht entschieden gehandelt wird. Angesichts der drohenden Folgen fordern wir Österreichs Bundeskanzler Faymann auf, sich beim kommenden EU-Rat für ein ambitioniertes EU-Klima- und Energiepaket einzusetzen“, so GLOBAL 2000, Greenpeace und WWF unisono. Dokumente aus gut informierten Quellen zeigen, dass beim EU-Rat ein Ziel von 40 Prozent Treibhausgasreduktion bis 2030 fixiert werden könnte, der Beschluss aber auch auf „mindestens 40 Prozent“ lauten könnte, was den Spielraum für ambitionierte Klimaziele erhöhen würde. Österreich hat sich in der Debatte bis dato noch nicht öffentlich positioniert.
Aber auch in Österreich ist noch großer Handlungsbedarf gegeben. GLOBAL 2000 weist darauf hin, dass nach wie vor Kohlekraftwerke ohne Abschaltpläne betrieben werden. „Wir müssen auch ein Umdenken in den Zentralen der Energiekonzerne erreichen und fordern daher den Verbund auf, einen Ausstiegsplan aus der Verstromung von Kohle vorzulegen“, so Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Aktuell werden in Österreich noch die Kohlekraftwerke in Dürnrohr und Mellach mit Kohle betrieben. Dürnrohr soll 2015 stillgelegt werden. Für Mellach, wo durchschnittlich 440.000 Tonnen Kohle pro Jahr verbrannt und dabei 1,1 Millionen Tonnen CO2 emittiert werden, gibt es aber noch kein Ablaufdatum.
Weiters fordern die Umweltorganisationen den raschen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. „Die fossile Energieerzeugung ist der heftigste Klimatreiber. Wenn wir den Klimawandel unter Kontrolle bekommen wollen, müssen wir jetzt sowohl in Österreich als auch in Europa die Energiewende konsequent umsetzen“, fordert Julia Kerschbaumsteiner, Energiesprecherin von Greenpeace. Eine Voraussetzung sei dafür eine höhere Besteuerung für die Verfeuerung fossiler Energieträger. „Es kann nicht sein, dass durch den geringen CO2-Preis die größten Klimasünder auch noch für das Anheizen des Klimas belohnt werden“, ist Kerschbaumsteiner überzeugt.
Die Darstellungen des Österreichischen Klimarates zeigen deutlich wie dringend ein innovativer Weg zum Energiesparen für Österreich ist. Ohne eine Halbierung des Energieverbrauchs ist ein zukunftsfähiges Energiesystem nicht möglich. Darin sind sich hier zwar alle einig, aber noch will sich niemand ernsthaft in Bewegung setzen. „Die derzeitigen Vorgaben der Klima- und Energiepolitik sind völlig unzureichend. Sie führen in soziale, ökologische und wirtschaftliche Katastrophen. 2030 muss der Energieverbrauch im Vergleich zu 2010 bereits um ein Viertel reduziert sein und darf maximal 830 Petajoule betragen“, warnt Energiereferent Karl Schellmann vom WWF. Wirtschafts-, Umwelt- und Verkehrsministerium sind gefordert, hier wirksame Ziele und Pläne zu beschließen. Denn wenn wir es nicht schaffen, den Energieverbrauch zu senken, schreitet die großflächige Naturzerstörung durch Kohleabbau, Ölverseuchungen, Gaspipelines, Staudämme und Kahlschläge ungebremst voran – nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen Ländern, aus denen wir Energie für Milliardenbeträge importieren, befürchtet der WWF.
Rückfragehinweis:
Lydia Matzka-Saboi, Pressesprecherin GLOBAL 2000, Tel.: 0699 14 2000 26, e-mail: lydia.matzka@global2000.at
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01 488 17 231, Email: franko.petri@wwf.at
Florian Schweitzer, Pressesprecher Greenpeace, + 43 664 612 6718
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