22 besenderte Greifvögel liefern wertvolle Daten für den Artenschutz – Erste markierte Seeadler brüten mittlerweile in drei Nachbarländern – Rund 90 Paare leben wieder in Österreich
Österreichs Flüsse sind kein Selbstbedienungsladen für Energieversorger
Wien, am 5. November 2010 – Die heimischen Energieerzeuger wollen mit über 80 Wasserkraftprojekten mehr als 4,7 Terrawattstunden Strom erzeugen, so Generalsekretärin Barbara Schmidt von “Oesterreichs Energie”. Diese Projekte befinden sich entweder im Bau, in der Planung oder in der Genehmigungsphase. Die Ergebnisse des Bundeskriterienkataloges für den weiteren Ausbaus der Wasserkraft, der hierfür die fachliche Grundlage sein soll, sind jedoch noch ausständig, kritisiert der WWF. Der WWF hat die Liste der geplanten Kraftwerksprojekte dem ökologischen Wert der betroffenen Fließstrecken gegenübergestellt und kommt zu einem katastrophalen Ergebnis. Über die Hälfte der Projekte zerstören intakte Fließsstrecken im Ötztal, am Lech, an der Salzach oder in Osttirol.
Umweltminister Berlakovich muss die Erarbeitung des Kriterienkataloges ernst nehmen und der E-Wirtschaft erklären, dass Österreichs Flüsse kein Selbstbedienungsladen für Kraftwerksbauer sind, so der WWF. Gewässer erfüllen neben der Energieerzeugung auch noch andere wichtige Funktionen wie Hochwasserschutz, Lebensraum für Fauna und Flora, Selbstreinigungskraft und Erholungsfunktionen. Eine einseitige Bevorzugung der Energiewirtschaft ist abzulehnen.

Die Stromausbeute fällt im Verhältnis zur massiven Naturzerstörung sehr gering aus. “Wir sind nicht gegen Wasserkraft, aber gegen einen ungehemmten und strategielosen Ausbau, der unsere letzten intakten Flüsse zerstört”, so Christoph Walder, Wasserkraftexperte des WWF. Auch die Europäischen Kommission rügte Österreich bereits für seine planlose Vorgangsweise.
Der Kriterienkatalog soll die Wasserkraftnutzung in Österreich zukunftsorientiert regeln. “Frau Schmidt kennt offenbar die Ergebnisse des Kriterienkatalogs schon vor seiner Fertigstellung”, wundert sich Walder. “Die E-Wirtschaft spricht jetzt bereits über den Ausbau, ohne zu wissen, wie weit sie gehen darf.”
Angesichts des katastrophalen ökologischen Zustandes der heimischen Gewässer, fordert der WWF mehr Strategie und Verantwortung. “Die weitere Nutzung von Österreichs Flüssen für die Energiegewinnung muss ohne Raubbau an der Natur passieren”, so Walder. “Es gibt noch Platz für neue Kraftwerke an Flussstrecken, die bereits ökologisch entwertet sind. Es ist unsinnig, die letzten naturbelassenen Flüsse zu zerstören.”
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel. 01/488 17 250,
E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
Christoph Walder, WWF- Wasserkraftexperte, Tel. 0676/92 55 430, E-Mail: walder@ecotone.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Wasserkrise in der Lobau: Eines der größten Gewässer erstmals im Frühjahr geteilt
Bekanntes Eberschüttwasser im Nationalpark durch Wassermangel in zwei Teile getrennt – WWF fordert rasche Maßnahmen gegen Austrocknung der Unteren Lobau
Wildtierkriminalität in Österreich: 310 Fälle und eine sehr hohe Dunkelziffer
Neuer Bericht zeigt dramatisches Ausmaß illegaler Verfolgung geschützter Arten – BirdLife Österreich und WWF Österreich fordern nationalen Aktionsplan
Neuer Entwurf für Isel-Schutzgebiet verfehlt EU-Vorgaben
Geplante Verordnung der Landesregierung äußerst mangelhaft – WWF fordert umfassende Sanierung statt Stückwerk – Weitere Eskalation des EU-Vertragsverletzungsverfahrens droht
WWF: Lebensmittelverschwendung kostet Haushalte im Schnitt rund 100 Euro pro Monat
Tag der Lebensmittelrettung am 26. Mai: WWF errechnet Kosten der Verschwendung für Haushalte – Mehr Aufklärung, Transparenz und verbindliche Reduktionsziele gefordert
WWF: Neuer OECD-Bericht belegt anhaltenden Reformstau
Umweltprüfbericht kritisiert fehlende Verbindlichkeit, unklare Zuständigkeiten und umweltschädliche Fehlanreize – Ausbau von Schutzgebieten und bessere Naturschutz-Finanzierung empfohlen – OECD warnt vor Bodenversiegelung und Verfehlen der Klimaziele
Good News: Laos kämpft um Rückkehr der Tiger
Die Regierung in Laos hat einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, durch den sich die Tigerpopulation wieder erholen soll.
INN Dialog diskutiert über Zukunft des Dreiländerfluss
Rund 100 Teilnehmende aus Wissenschaft, Praxis und Bevölkerung diskutieren über den Arten- und Naturschutz am Inn – Abschluss des grenzüberschreitenden EU-Projekt INNsieme connect
WWF: Neue Hoffnung für den Tiger – Laos startet nationalen Aktionsplan zur Rückkehr der Großkatzen
Nur mehr rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn – Neuer Zehn-Jahres-Plan zur Aufwertung der Tiger-Lebensräume in Laos beschlossen – WWF vor Ort zur Umsetzung im Einsatz













