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Petition gestartet: „Stoppt das Kraftwerk Tumpen-Habichen!“
Oetz und Umhausen / Innsbruck, am 30. März 2020. Vor zwei Wochen begannen im Schatten der Corona-Krise im Tiroler Ötztal völlig unerwartet und ohne Anrainerinnen und Anrainer vorab zu informieren die Bauarbeiten für das seit Jahren umstrittene Kraftwerk Tumpen-Habichen. „Während es für Projektkritiker in Tirol nicht mehr möglich ist, die Gemeindegrenzen zu überqueren geschweige denn öffentliche Versammlungen abzuhalten, dürfen die Kraftwerksbetreiber weiterhin ungehindert mit dem Bau fortfahren – und das trotz offener Rechtsfragen, ungeklärter Beschwerden und ohne rechtskräftige Bewilligung“, kritisiert Marieke Vogt von Wildwasser Erhalten Tirol (WET). Der gemeinnützige Verein richtet daher eine Petition an LH-Stvin. Ingrid Felipe und LH-Stv. Josef Geisler und fordert darin den sofortigen Stopp des Kraftwerkbaus. Unterstützt wird die Initiative von der lokalen Bürgerinitiative gegen Wasserstau Tumpen sowie von der Umweltschutzorganisation WWF Österreich. Seit dem Start am vergangenem Freitag wurden bereits über 5.000 Unterschriften gesammelt.
Die Initiatoren der Online-Petition über change.org fordern von der Tiroler Landesregierung den Stopp der nicht genehmigten Baustelle sowie eine Absage der naturzerstörerischen Kraftwerkspläne an der Ötztaler Ache. „Wir fordern das Land Tirol auf, die Bauarbeiten mit sofortiger Wirkung zu stoppen und das Kraftwerk ein für alle Mal zu verhindern, um den einzigartigen Gewässerabschnitt als Natur- und Naherholungsraum, sowie zum Schutz der Anrainer zu erhalten!“, so der Petitionstext.
Weltberühmte Kajak-Strecke betroffen
Konkret plant die Ötztaler Wasserkraft GmbH (bestehend aus Gemeinde Ötz, Gemeinde Umhausen, Auer Beteiligungs GmbH und TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG) ein Ausleitungskraftwerk im Ötztal mit einem Staubecken in Tumpen. Beim betroffenen Flussabschnitt – der „Wellerbrücke“ – handelt es sich um eine weltberühmte Kajak-Strecke. „Hier wurde jahrelang die offizielle Weltmeisterschaft im Extrem-Kajak-Rennen ausgetragen. Mit dem Bau des Kraftwerks wäre daran jedoch nicht mehr zu denken“, sagt Marieke Vogt von WET. Der obere Teil der Wellerbrückenstrecke würde durch die Ausleitung wegfallen. Im verbleibenden Teil, ab der Wiedereinleitung, unterläge die Wasserführung nicht mehr natürlichen Schwankungen, sondern den Gesetzen des Strommarktes.
Erstes Kraftwerk in einem frei fließenden Wildfluss
„Es wäre das erste Kraftwerk in der sonst frei fließenden Ache. Wildflüsse wie die Ötztaler Ache sind in ganz Österreich zu einer Seltenheit geworden“, warnt Marianne Götsch, WWF-Sprecherin für Gewässerschutz. „Nur 0,6 Prozent der Tiroler Fließgewässer werden vom Land als ‚einzigartig‘ eingestuft. Die betroffene Gewässerstrecke zählt dazu. Mit der Ausleitung der Achstürze, der Gefällestufe zwischen Tumpen und Habichen, würde ein echtes Tiroler Naturjuwel für immer verloren gehen. Daher setzt sich der WWF Österreich seit Jahren gegen die Verbauung dieser wertvollen Flussstrecke ein und unterstützt die Petition vom Free River Fund.“
Warnung vor erhöhter Hochwassergefahr
Für die Anwohner bedeutet das Kraftwerk auch ernsthafte Sicherheitsbedenken. „Im Bereich des geplanten Staubeckens müssen wir mit einer erhöhten Hochwassergefahr für Tumpen und Habichen rechnen. Darüber hinaus liegt das geplante Staubecken im Murengebiet“, sagt Alfred Kuen von der Bürgerinitiative gegen Wasserstau Tumpen. „Für uns ist völlig unverständlich, wie ein derart überfallartiger Baubeginn ohne Information und Bauverhandlung überhaupt sein darf, während es uns als Gegnern des Kraftwerks aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, öffentlich zu protestieren. Es scheint so, als würden die Projektbetreiber die Situation ausnutzen, um uns vor vollendete Tatsachen zu stellen.“
Die Online-Petition kann ab sofort unterschrieben werden unter:
www.change.org/tumpen-habichen
Rückfragen und Kontakt:
Marieke Vogt
Free Rivers Fund
Tel.: +43 699 160 380 58
E-Mail: mail@freerivers.org
Marianne Götsch
WWF Österreich
Sprecherin Gewässerschutz
Tel.: +43 676 834 88 309
E-Mail: marianne.goetsch@wwf.at
Rückfragen
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