Naturschutzorganisation warnt vor ökologischen Folgen und rechtlichen Problemen – Umdenken der Landesregierung gefordert
Plädoyer für einen Baumeister
Orth/Donau, 29. November 2012 – Mit Anbruch der Winterzeit beginnt der Biber wieder vermehrt, Bäume zu fällen – oftmals nicht unbedingt zur Freude der Menschen. Doch WWF Österreich und Nationalpark Donau-Auen stellen klar: Die emsig knabbernden Biber leisten der Natur wertvolle Dienste!
Bevor der Mensch gesteigertes Interesse für die Biber entwickelte, waren sie in unseren Breiten durchaus häufig anzutreffen. Es gab ausgedehnte Flusslandschaften, in denen das größte Nagetier der nördlichen Hemisphäre genügend Reviere vorfand – mit dem dichten Fell, den Schwimmhäuten an den Hinterfüßen, dem abgeflachten Schwanz und den verschließbaren Ohröffnungen sind Biber bestens an das Leben im Wasser angepasst.
Dann setzte europaweit eine starke Verfolgung ein, des Bibers Fell, sein Fett, aber auch das „Bibergeil“, ein stark riechendes Brunftsekret, waren begehrt. Dies führte zum Ende des 19. Jhdt. zur Ausrottung der österreichischen Population. Gute hundert Jahre lang waren keine Biber mehr anzutreffen, der Fortschritt veränderte zwischenzeitlich die Landschaft massiv.
Doch der Naturschutz erhob die Stimme für eine Heimkehr der Biber als wichtiges Glied im Gefüge intakter Ökosysteme. In den 1970er Jahren wurden schließlich in den Donau-Auen östlich von Wien wieder Biber eingebürgert. Auch an Salzach und Inn erfolgten Freilassungen, ferner wanderten bald wieder Tiere aus den Nachbarländern ein.
Heute hat der Biber Teile seiner ursprünglichen Lebensräume erneut erobert, das Kerngebiet seines Vorkommens liegt in den niederösterreichischen Auen an Donau, March und Thaya. Durch seine Verhaltensweisen übt er einen verändernden, gestaltenden Einfluss auf den Lebensraum aus – was nicht nur auf Freude stößt. Für manche Menschen gilt er nur als Baumfäller, Gewässer-Aufstauer, ja sogar als Schädling. Seine „Arbeit“ erfüllt aber wichtige ökologische Funktionen: Er schafft Flachwasserzonen für Amphibien, durch das im Wasser liegende Totholz Versteckmöglichkeiten für Fische, Lebensraum für Käfer und Pilze und er sorgt durch seine Stautätigkeit für eine Dämpfung der Hochwasserspitzen und eine Anhebung des Grundwasserspiegels.
Der Biber ist dämmerungsaktiv und ernährt sich rein vegetarisch, im Sommer hauptsächlich von Wasser- und Uferpflanzen. Vor allem im Herbst und Winter werden Bäume, in erster Linie Weiden und Pappeln, gefällt, die am Wasser stehen – um an die Knospen und die dünne Rinde der Kronen zu gelangen. Der Nager geht dabei so geschickt vor, dass die Bäume großteils ins Wasser fallen, dort bleiben die Zweige lange frisch.
Vielerorts errichten Biber auch Burgen, indem sie Äste herbei schleppen. In den Donau-Auen jedoch bewohnen sie meist Erdbauten mit Zugang unter Wasser, die ins lehmige Ufer der Seitenarme gegraben werden. Auch Dämme finden sich an den durchströmten Nebenarmen selten, nur in stromfernen Altarmen und Kleingewässern kann man sie entdecken. Dort sorgen die Biber mit der Stauerrichtung für einen Mindestwasserstand.
Für den Nationalpark Donau-Auen steht fest: Die Biber tun mit ihrer Lebensweise für eine intakte Aulandschaft viel Gutes. Sie sorgen hier für Waldverjüngung, bereichern die Uferstrukturen und schaffen Ansitzwarten für den seltenen Eisvogel und andere fischjagende Vögel. Die Stämme im Wasser liegender Bäume dienen weiters den seltenen Europäischen Sumpfschildkröten als leicht zu erklimmender Platz fürs Sonnenbad.
Die Biber zeigen in Österreich derzeit Ausbreitungstendenz, denn sie sind territorial. Einmal gebildete Paare bleiben ein Leben lang zusammen, die Nachkommen werden aus dem Revier vertrieben und wandern entlang von Gewässern weiter. Treffen sie auf Artgenossen, kommt es zu Kämpfen und das schwächere Tier unterliegt, eine lokale Überpopulation ist somit nicht möglich. Wohl aber dringen die Biber auf der Suche nach geeigneten Revieren auch in Gebiete vor, wo sie nur bedingt willkommen sind.
Denn unberührte Naturlandschaften sind heute allzu selten geworden, der Mensch hat sich den meisten Raum nutzbar gemacht. Beginnt nun ein frisch zugezogener Biber, Gewässer aufzustauen, kann dies für benachbarte Flächen nasse Folgen haben. Auch freut sich kein Gartenbesitzer, wenn die an der Böschung gehegten Bäume fallen, und Landwirte mit Feldern nahe an Wasserläufen melden Biber, die sich an den Feldfrüchten laben. Daher wurde in mehreren Bundesländern ein Bibermanagement etabliert, um Konflikte beizulegen und einzugreifen, wenn erforderlich. Einfache Mittel reichen oft, wie die Errichtung von Zäunen oder der Schutz von Bäumen durch Umhüllung des unteren Abschnitts mit Drahtgeflecht.
Um ein konfliktfreies Zusammenleben mit dem Biber in unserer Kulturlandschaft zu ermöglichen, genügt es vielfach, an Gewässern einen Uferstreifen mit Bäumen und Gesträuch zu belassen, der nur wenige Meter breit zu sein braucht. Hier kann der Biber seine Natur ausleben – und der Natur seine Dienste erweisen.
Rückfragen richten Sie bitte an:
Mag. Erika Dorn, Nationalpark Donau-Auen, Tel.: 02212/ 3450-16, e.dorn@donauauen.at, www.donauauen.at
Manuela Janosch, WWF Österreich, Tel. 01/ 48817-239, manuela.janosch@wwf.at
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