Eine ZDF-Animation zeigt, was passieren könnte, wenn ein Felssturz den Gepatsch-Stausee trifft.
Rückkehr der Wölfe: WWF fordert großes Herdenschutzpaket
Start der Almsaison: WWF legt Fünf-Punkte-Plan für konfliktarmes Zusammenleben mit Wölfen vor – Herdenschutz und Hirtenwesen fördern – Almwirtschaft besser unterstützen
Wien, 3.6.2020 – Dank des strengen europaweiten Schutzes kehren die in Österreich einst ausgerotteten Wölfe wieder in den Alpenraum zurück. Das bereichert die Natur und Artenvielfalt, ist aber auch eine Herausforderung in der Nutztierhaltung. Anlässlich des Beginns der Almsaison präsentiert die Naturschutzorganisation WWF Österreich daher einen Fünf-Punkte-Plan, um das Zusammenleben mit den derzeit 30 bis 35 heimischen Wölfen möglichst konfliktfrei zu gestalten. „Österreich hat bereits viel Zeit verloren. Daher muss die Politik eine Herdenschutz-Offensive finanzieren und das traditionelle Hirtenwesen stärken. Das hilft insbesondere Almbäuerinnen und -bauern, die ohnehin unter schwierigen Bedingungen wirtschaften“, sagt WWF-Wolfsexperte Christian Pichler. Hingegen tragen populistische Rufe nach Abschüssen nicht zur Problemlösung bei. „Wer das fordert, erzeugt ein Klima der Angst und macht Stimmung gegen eine streng geschützte Art. Aufgrund des europarechtlich abgesicherten Schutzstatus der Wölfe braucht es machbare und wirksame Lösungen. Schießwütige Parolen sind keine Unterstützung für die Betroffenen“, so Pichler.
Herdenschutz ist alternativlos, denn die von manchen geforderten „wolfsfreien Zonen“ sind weder rechtlich noch praktisch möglich. Auf der Suche nach neuen Territorien wandern Wölfe viele Kilometer. „Es werden daher immer wieder Wölfe aus umliegenden Ländern durch Österreich streifen. Schreckt man sie rechtzeitig durch Elektrozäune oder gut ausgebildete Herdenschutzhunde ab, meiden sie Weidetiere und konzentrieren sich auf ihre Rolle als Gesundheitspolizei des Waldes“, erklärt Pichler. Der Wolf hält den Wildbestand und damit den Wald gesund, indem er vor allem kranke und schwache Tiere selektiert. Zusätzlich profitieren andere Schlüsselarten von Nahrungsresten, die ihnen „Meister Isegrim“ hinterlässt.
Almwirtschaft auf allen Ebenen unterstützen
Herdenschutz muss an die jeweilige Lage angepasst werden, was gerade im alpinen Gelände eine gute Vorbereitung und professionelle Unterstützung erfordert. Damit aber den Rückgang der Almwirtschaft zu begründen, ist völlig übertrieben. Denn deren Probleme liegen vor allem an schlechten finanziellen Rahmenbedingungen und falschen Agrarförderungen. „Schluss mit Alibi-Aktionen. Die Politik muss unsere Almwirtschaft auf allen Ebenen stärker fördern anstatt die wenigen Wölfe ins Visier zu nehmen“, sagt WWF-Experte Pichler. „Jedes gerissene Tier ist ein schmerzhafter Verlust. Dass jährlich bis zu 10.000 Schafe aufgrund von Krankheiten, Unwetter oder Steinschlag verenden, stellt aber eine weit größere Belastung dar als die 103 Risse durch Wölfe im Vorjahr“, sagt Pichler. Zum Vergleich: Insgesamt werden in Österreich rund 402.000 Schafe gehalten, davon etwa 115.000 auf Almen.
Fünf-Punkte-Plan des WWF
Um die natürliche Rückkehr der Wölfe möglichst konfliktfrei zu gestalten, schlägt der WWF Österreich der Bundesregierung und den Bundesländern ein fünf Bereiche umfassendes Paket vor: Herdenschutz muss bundesweit einheitlich und stärker gefördert werden. Nutztierhalter*innen gehören besser entschädigt und informiert. Das Hirtenwesen muss belebt werden. Die Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden muss vorangetrieben werden. Das bisher nahezu wirkungslose „Österreichzentrum Bär-Luchs-Wolf“ ist zu stärken und ausreichend zu dotieren.
Im Rahmen des LIFE-Projektes EuroLargeCarnivores hat es sich der WWF zum Ziel gesetzt, die Koexistenz mit großen Beutegreifern europaweit durch Kommunikation, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Wissensaustausch zu verbessern.
Mehr Informationen: https://www.eurolargecarnivores.eu/de
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Notruf vom Nordpol: WWF warnt vor zunehmenden Gefahren für die arktische Tierwelt
Eisbären, Walrosse und Ringelrobben leiden unter Klimakrise und Öl-Industrie – WWF fordert konsequenten Ausstieg aus fossiler Energie und wirksam geschützte Rückzugsräume
Good News: Seltene Gorilla-Zwillinge im Virunga-Nationalpark geboren
Seltene Neuigkeiten aus dem Virunga-Nationalpark: Gorillaweibchen Mafuko hat Zwillinge bekommen!
„Achtung Gefahr“: WWF protestiert mit 20-Meter-Banner gegen Kaunertal-Ausbau
Massive Gefahren für Bevölkerung und Natur weiterhin ungeklärt – UVP-Unterlagen „skandalös unvollständig“ – WWF macht mit Riesen-Banner auf Sicherheitsrisiken aufmerksam
Nach Massen-Fischsterben: WWF fordert Wasser-Rettungspaket für Untere Lobau
Naturschutzorganisation: Langjähriger Wassermangel wirkt sich in niederschlagsarmen und kälteren Wintern besonders fatal für Fische aus – Stadt Wien sollte rasch mit Gegenmaßnahmen starten
WWF-Erfolg: Wisente erfolgreich im Kaukasus ausgewildert
Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.
Aschermittwoch: WWF empfiehlt heimischen Bio-Fisch als Alternative zu Hering und Co
Weltmeere drastisch überfischt – Nordatlantische Heringsbestände in kritische Bereiche gesunken – 92 Prozent des konsumierten Fischs in Österreich importiert
Schutz der Mur: Slowenische Regierung stoppt endgültig alle Kraftwerkspläne
WWF begrüßt Konzessionsentzug für acht geplante Wasserkraftwerke an der Mur an der Grenze zur Steiermark – Weg frei für Renaturierung im UNESCO-Biosphärenpark
Good News: Slowenien stoppt Kraftwerkspläne an der Mur
Aufatmen an einem der letzten großen, frei fließenden Flüsse Mitteleuropas: 8 geplante Wasserkraftwerke an der Mur werden doch nicht gebaut.










