Naturschutzorganisation kritisiert Drängen auf mehr Wolfsabschüsse in Italien und Slowenien – Österreichs Schutzpflichten bleiben bestehen
Sackgasse für heimische Artenvielfalt durch Klimawandel
Wien, 1. April 2014 – Der Klimawandel hat auf seltene und bedrohte Arten besonders dramatische Auswirkungen. Das ist ein zentrales Fazit des in Yokohama vorgestellten fünften Klimabericht des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change). Meist sind es nicht einzelne Ursachen, die zum Rückgang von Tieren und Pflanzen führen, sondern das tödliche Zusammenspiel mehrerer Faktoren. „Zum Sargnagel wird der Klimawandel oft in Verbindung mit der Intensivierung der Landnutzung“, warnt Bernhard Kohler, Programmleiter Biodiversität im WWF Österreich. Als Beispiel für Österreich nennt der WWF den Alpensalamander, den Hochmoor-Gelbling, die Pracht-Nelke und den Halsbandschnäpper.
Weil die Erderwärmung zu einer Verschiebung der Klimazonen führt, verschieben sich auch die Verbreitungsgebiete vieler Arten nach Norden. Im Gebirge müssen kälteangepasste Arten in immer größere Höhen und auf schattige Hänge ausweichen. „Vom Klimawandel sind besonders Arten betroffen, die kühl-feuchte Bedingungen bevorzugen, in nährstoffarmen Lebensräumen vorkommen, kleine zerstreute Verbreitungsgebiete haben und wenig mobil sind, sagt WWF Artenschutzexperte Kohler „Solche Arten tun sich besonders schwer damit, in neue Lebensräume auszuweichen. Im Gebirge droht spätestens auf Berggipfeln die Sackgasse“.
Beim Alpensalamander, der in feuchten Bergwäldern und im felsigen Gelände über der Baumgrenze lebt, rechnet man mit einem Rückzug in größere Höhen und einem Rückgang des Verbreitungsgebiets um 75 Prozent. Eine intensivere Erschließung der Bergwälder, die sich angesichts des vermehrten Holzbedarfs abzeichnet, wird den Salamander noch zusätzlich unter Druck bringen. Auf großen Kahlschlägen ist es für den Alpensalamander zu trocken und zu heiß.
Auch der Hochmoor-Gelbling, ein seltener Schmetterling heimischer Moore, wird auf zweifache Weise bedrängt. Ausbleibende Niederschläge führen zur Austrocknung der wenigen, verblieben Moore. Stickstoff-Einträge aus der Luft, die letztlich aus dem Autoverkehr stammen, führen zum Rückgang der typischen Moor-Pflanzen, von denen die Raupe des Hochmoor-Gelblings lebt.
Auch der Pracht-Nelke, einer wunderschönen Bewohnerin nährstoffarmer Feuchtwiesen, machen Austrocknung und vermehrte Düngung zu schaffen. Hier wirken Klimawandel und Nutzungs-Intensivierung zusammen. Denn trotz sinkender Niederschläge werden nach wie vor Feuchtwiesen trockengelegt und mit Gülle aufgedüngt um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Oder die Wiesen werden – weil nicht länger benötigt ‒ einfach aufgeforstet und gehen so als Lebensraum für die Pracht-Nelke verloren.
Durch Klimawandel und Nutzungsintensivierung bedroht sind auch die Bewohner alter Wälder, wie der Halsbandschnäpper. Dieser schwarz-weiße Zugvogel lebt vor allem in schattigen Eichen-Hainbuchenwäldern im Osten Österreichs, in denen es viele alte, höhlenreiche Bäume gibt. Die Klimaerwärmung macht dem Weitstreckenzieher, der in Afrika überwintert, besonders zu schaffen. Denn seine alljährliche Rückkehr nach Europa gerät zunehmend mit dem Nahrungsangebot außer Takt. Da die Waldbäume immer früher austreiben, entwickeln sich auch die Blätter fressende Raupen immer früher. Wenn der Halsbandschnäpper nach seiner Rückkehr aus Afrika zu brüten beginnt, ist der Höhepunkt des Raupenangebots oft schon überschritten und das Futter reicht für eine erfolgreiche Aufzucht der Jungen nicht mehr. Zugleich raubt die verstärkte Nutzung von Tot- und Altholz, die im Zuge des Biomassebooms und der Holzmobilisierung propagiert wird, dem Halsbandschnäpper die Brutplätze.
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, WWF Pressesprecher, Tel. 01-48817-231, E-Mail: franko.petri@wwf.at.
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