15 Jahre alter Seeadler im Burgenland nachgewiesen – WWF fordert besseren Schutz für das Wappentier – illegale Verfolgung als große Gefahr
Salzburger Wolfsgipfel: WWF und Naturschutzbund enttäuscht – Forderung nach „Soforthilfe-Paket Herdenschutz“
Naturschutzorganisationen: Abschüsse können Risse ungeschützter Nutztiere nicht verhindern – Almwirtschaft unterstützen, Hirtenwesen wiederbeleben, Herdenschutzhunde ausbilden
Salzburg, 21.06.2021 – Die Naturschutzorganisationen WWF Österreich und Naturschutzbund zeigen sich nach dem „Runden Tisch Wolf“ in Salzburg enttäuscht und fordern ein „Soforthilfe-Paket Herdenschutz“. „Alljährlich und auch bei diesem Gipfel wird nach europarechtswidrigen Abschüssen gerufen, ohne der Almwirtschaft konkret zu helfen. Nachbarländer wie die Schweiz zeigen eindrücklich, dass nur fachgerechter Herdenschutz Nutztiere besser schützen kann. Dort steigt die Anzahl der Wolfsrudel, aber sinkt die Anzahl gerissener Schafe pro Wolf. Unsere besorgten Bäuerinnen und Bauern brauchen endlich echte Hilfe statt Scheindebatten, die nur in eine Sackgasse führen“, sagen WWF-Wolfsexperte Christian Pichler und Lucas Ende vom Naturschutzbund. Denn Wölfe sind nach Österreich zurückgekommen, um zu bleiben. Wie DNA-Nachweise belegen, streifen immer wieder Individuen aus Nachbarstaaten mit weit größeren Wolfspopulationen durch Österreich. Ungeschützte Nutztiere sind eine leichte Beute für sie, obwohl sie sich praktisch ausschließlich von Wildtieren ernähren. Deshalb fordern WWF und Naturschutzbund den Einsatz von Notfallteams, die Bäuerinnen und Bauern im Fall von Rissen sofort beratend und schützend zur Seite stehen. Parallel dazu braucht es die stärkere Förderung von Präventionsmaßnahmen, um Risse im Vorhinein zu verhindern. Zur Wiederbelebung des traditionellen Hirtenwesens und für die Ausbildung sowie den Einsatz von Herdenschutzhunden müssen dringend die rechtlichen und finanziellen Weichen gestellt werden. EU-Fördertöpfe stehen dafür bereit, werden aber nicht annähernd ausgeschöpft.
„Wölfe sind eine europarechtlich streng geschützte Art und das wird noch länger so bleiben. Daher muss die Landespolitik endlich eine praxistaugliche Herdenschutz-Offensive starten anstatt rechtswidrige Abschüsse zu fordern. Solche Bestrebungen sind bisher allesamt behördlich oder vor Gericht gescheitert und haben nichts zur Verbesserung der Situation für die Landwirtschaft beigetragen“, sagt WWF-Experte Christian Pichler. Freibriefe für Abschüsse auf Basis willkürlicher regionaler ‚Obergrenzen‘ widersprechen dem EU-Naturschutzrecht. Bei Arten wie dem Wolf ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob nicht gelindere Mittel wie Herdenschutz oder der Einsatz von Hunden zum Ziel führen. „Bisher wurde aber viel zu wenig getan, um konkret vor Ort zu helfen. Dabei bringt die Wiederbelebung des traditionellen Hirtenwesens auch mehr Schutz für Nutztiere vor Krankheit oder Unwetter. Das sind sehr viel häufigere Todesursachen als Wölfe“, erklärt Naturschutzbund-Experte Lucas Ende den doppelten Nutzen von mehr Herdenschutz in Österreich.
Die Diskussion um eine „Entnahme von Problemwölfen“ sei reine Ablenkung, so die Naturschutzorganisationen. Denn Wölfe können nicht zwischen „erlaubter Beute“ wie Wildtieren und „verbotener Beute“ wie Schafen unterscheiden, solange sie nicht von Hirtinnen und Hirten, Herdenschutzhunden oder Zäunen abgeschreckt werden. „Fachgerechten Herdenschutz gibt es in Österreich bisher nur in Ausnahmefällen. Die Almwirtschaft darf nicht mehr länger allein im Regen stehen gelassen werden und braucht dringend Unterstützung nach Vorbild der Schweiz“, sagt Lucas Ende vom Naturschutzbund. „Denn selbst illegale Abschüsse können nicht verhindern, dass auch in Zukunft ungeschützte Nutztiere gerissen werden. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern endlich erfolgreiche Maßnahmen der Nachbarländer bei uns übernehmen“, erklärt WWF-Experte Christian Pichler.
Rückfragehinweis:
Mag. Florian Kozák
Pressesprecher WWF Österreich
florian.kozak@wwf.at
+43 676 83 488 276
Carina Graf
Pressesprecherin Naturschutzbund
carina.graf@naturschutzbund.at
+43 662 64 29 09 19
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