Es war der Start eines großen Abenteuers für 18 Wisente: Die Tiere konnten erfolgreich im Kaukasus ausgewildert werden und somit in ihre Heimat zurückkehren. Darunter auch Ina, eine selbstbewusste und forsche Kuh aus Innsbruck.
Schon wieder Holzskandal in Österreich: WWF fordert schärfere Kontrollen und harte Sanktionen gegen illegalen Holzhandel
Wien. Laut Enthüllungen der Recherche-Plattform „Addendum“ sollen mehrere heimische Parketthersteller in den internationalen Holz-Raubbau in der Ukraine verwickelt sein, obwohl das Inverkehrbringen von Holz aus illegalem Einschlag in die Europäische Union verboten ist. Die Vorwürfe im Bericht richten sich gegen Weitzer, Scheucher, Admonter und Parador. Der „Addendum“-Report analysiert das hochgradig korrupte ukrainische Forstsystem, aus dem die Unternehmen Eichenholz beziehen würden, obwohl gegenüber Kunden mit „regionalem und nachhaltigem Holz“ geworben werde. Über einen Zeitraum von nur 18 Monaten landeten laut Bericht 436 LKW-Lieferungen aus der Ukraine im Wert von 35,9 Millionen US-Dollar bei den vier erwähnten Parkettherstellern. „In Osteuropa leiden ganze Wälder und Ökosysteme unter illegalen Rodungen. Profiteure sind mutmaßlich auch große österreichische Unternehmen. Obwohl gerade die Ukraine seit Jahren als Hochrisikoland bekannt ist, versagen Politik und Behörden bei der Vollziehung von EU-Recht“, kritisiert Hanna Simons von der Naturschutzorganisation WWF Österreich.
Aufgrund der Enthüllungen fordert der WWF eine effektive Implementierung der EU-Holzhandelsverordnung. „Der illegale Holzhandel muss endlich wirksam unterbunden werden. Daher müssen das Umweltministerium und seine zuständigen Behörden sowohl Kontrollen als auch Sanktionen deutlich verschärfen. Gemessen am Risiko reichen Schmalspur-Prüfungen und Placebo-Strafen in keinster Weise aus. Es geht um den Schutz der letzten europäischen Urwälder, die für den Klima- und Artenschutz enorm wichtig sind“, sagt Hanna Simons. Auch WWF-Experte Johannes Zahnen ortet mutmaßliche Verstöße gegen EU-Recht. „Die EU-Holzhandelsverordnung bleibt wirkungsarm, solange staatliche Prüforgane ihrer Kontrollaufgabe nicht ausreichend nachkommen, Strafen nicht abschrecken und Unternehmen deshalb das Gesetz gar nicht erst ernst nehmen“, sagt Zahnen.
„Generell gilt, dass sich die organisierte Kriminalität auch im Bereich der Umweltkriminalität breit gemacht hat. Dagegen reichen bloße Verwarnungen und viel zu niedrige Geldbußen nicht aus, falls es aufgrund der geringen Prüfdichte überhaupt dazu kommt“, so Zahnen. Denn obwohl die relevante Verordnung seit sechs Jahren in Kraft ist, importieren EU-Länder aus der Ukraine offensichtlich immer noch viel Holz, das mit Korruption und illegalen Holzschlägerungen verbunden ist.
Über die EU-Holzhandelsverordnung
Die EU-Holzhandelsverordnung (European Timber Regulation, EUTR) soll illegales Holz von der EU fernhalten und Holz aus nachhaltigen Quellen stärken. Diese Verordnung verbietet das Inverkehrbringen von Holz und Holzprodukten aus illegalem Einschlag und verpflichtet Importeure zu einer Sorgfaltspflichtregelung. Aus Sicht des WWF besteht jedoch eine tiefe Kluft zwischen Zielen und Realität. Einerseits agieren die Behörden viel zu lax. Andererseits besteht eine große Lücke darin, dass nur der „Erstinverkehrbringer“ von Holz die Legalität sicherstellen muss. Somit fällt es betroffenen Unternehmen immer wieder leicht, ihre Schuld auf Lieferanten abzuwälzen.
Der „Addendum“-Report ist online unter diesem Link abrufbar: https://bit.ly/2LbsUeT
Rückfragen & Kontakt:
Johannes Zahnen, Waldexperte WWF Deutschland, Tel.: +49 30 311 777 252; E-Mail: johannes.zahnen@wwf.de
Volker Hollenstein, Leiter Politik & Kommunikation WWF Österreich; Mobil: +43 664 5013158; E-Mail: volker.hollenstein@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF-Auswilderungsprojekt: Tiroler Wisent-Kuh „Ina” erfolgreich im Kaukasus freigelassen
Naturschutzorganisation siedelt Wildrinder in ihrer Heimat Aserbaidschan an – Kuh „Ina” aus Innsbruck ist eines von 18 Tieren – WWF: „Paradebeispiel für internationalen Artenschutz”
Stromanbieter-Check: TIWAG fällt bei Stromanbieter-Check durch
129 heimische Stromanbieter von WWF und GLOBAL 2000 analysiert – TIWAG aufgrund von mangelnder Transparenz und fehlender naturverträglicher Strategie nur auf Platz 116
Stromanbieter-Check: Wenige Vorreiter, viel Intransparenz
WWF und GLOBAL 2000 analysieren 129 heimische Stromanbieter: Nur drei Vorreiter gekürt, schlechtes Zeugnis für viele Landesenergieversorger
Tiwag-Talschaftsverträge: WWF fordert Reformen statt heimlicher Absprachen
Geheime Vereinbarungen erst nach Gerichtsbeschluss offengelegt – WWF fordert volle Transparenz, unabhängige Kontrolle und neue Spielregeln für künftige Verträge
Good News: Neues Jahr bringt Fangverbot für Störe in Bulgarien
Bulgarien hat ein dauerhaftes Fangverbot für Störe in der Donau und im Schwarzen Meer eingeführt. Der WWF Bulgarien spielte dabei eine Schlüsselrolle.
Treibhausgas-Bilanz: WWF warnt vor drohendem Verfehlen der Klimaziele
Ausblick negativ, Österreich nicht auf Kurs für 2030 und 2040 – Verfehlen der Klimaziele wäre „politisches Debakel der Sonderklasse“
WWF zum Ableben von Andreas Pataki
Früherer Bürgermeister von Marchegg und langjähriger Partner im WWF-Auenreservat Marchegg verstorben – WWF würdigt Lebenswerk und Einsatz für Natur
Good News: Abkommen als Meilenstein für Meeresschutz
Das neue Jahr läutet eine neue Ära der Meerespolitik ein: Durch das internationale Abkommen zum Schutz der Hohen See gibt es nun endlich Regeln für zwei Drittel der globalen Meeresfläche.












