EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
Start für internationales Projekt gegen die illegale Verfolgung von Greifvögeln
Wien, am 6. April 2017 – In Mitteleuropa ist die Haupttodesursache für Greifvögel die Verfolgung durch den Menschen. Selbst streng geschützte und vom Aussterben bedrohte Arten wie der Kaiseradler werden regelmäßig geschossen oder vergiftet. Im Rahmen des „PannonEagle LIFE Projekts“ haben sich BirdLife Österreich und WWF gemeinsam mit einer Reihe nationaler und internationaler Partner zum Ziel gesetzt, die illegale Verfolgung des Kaiseradlers und anderer betroffener Greifvogelarten zu reduzieren. „Die Vögel fliegen auf ihren Streifzügen weit über die Landesgrenzen hinweg. Daher ist es besonders erfreulich, dass wir in diesem Projekt international im Kampf gegen die illegale Verfolgung zusammenarbeiten können“, so die Projektverantwortlichen von WWF und BirdLife.
Die Brutsaison des Kaiseradlers hat begonnen. Das gleicht einer Sensation, denn 190 Jahre lang galt dieser majestätische Vogel in Österreich als ausgestorben. Intensive nationale und internationale Schutzbemühungen ermöglichten 1999 seine Wiederansiedlung. Seitdem erholt sich der heimische Bestand des Kaiseradlers langsam, aber kontinuierlich. 18 Brutpaare, 13 davon in Niederösterreich und fünf im Burgenland, sowie 31 Jungvögel konnten im vergangenen Jahr im Rahmen des langjährigen Artenschutzprogramms von BirdLife Österreich gezählt werden. „Unsere jahrzehntelangen Schutzbemühungen zeigen erste Wirkung“, berichtet Matthias Schmidt, Projektverantwortlicher von BirdLife Österreich: „Doch der größte Feind der Greifvögel ist immer noch der Mensch. Mehr als ein Drittel unserer 16 besenderten Kaiseradler wurde ermordet. Daher wollen wir im Rahmen dieses neuen Projektes in enger Zusammenarbeit mit der Exekutive und der Justiz die Aufklärungsraten erhöhen und Präzedenzfälle schaffen, um die Täter abzuschrecken.“ Ziel des Schutzprojektes ist es, die illegale Verfolgung zu reduzieren, sodass die Population des Kaiseradlers bis 2022 um zehn Prozent ansteigt.
Meldeplattform – Bitte um konkrete Hinweise
Mit der im Jahr 1999 gestarteten WWF-Aktion „Vorsicht Gift!“ konnte bereits viel für den Schutz der heimischen Adler erreicht werden. Funde von Greifvögeln oder ausgelegten Ködern können seither bei der so genannten Gift-Hotline unter der Telefonnummer 0676 444 66 12 gemeldet werden. „Die Verfolgung von Greifvögeln ist schwierig zu entdecken und zu ahnden. Daher sind wir auf die Mitarbeit der Öffentlichkeit angewiesen. Bitte melden Sie uns tote oder verletzte Greifvögel, Giftköder oder Fallen!“, appelliert Flora Hoser, Projektverantwortliche des WWF Österreich. Auf der Seite www.kaiseradler.at wurde eigens dafür eine Meldeplattform eingerichtet. „Es kann und darf nicht sein, dass das illegale Nachstellen von Greifvögeln noch immer ein Kavaliersdelikt ist!“, sind sich Hoser und Schmidt einig.
PannonEagle LIFE Projekt
Insgesamt elf Organisationen aus Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Serbien und Österreich haben sich zusammengeschlossen, um der Greifvogelverfolgung entgegenzuwirken. In Österreich setzen WWF und BirdLife Österreich in den kommenden fünf Jahren einen Schwerpunkt im Verbreitungsgebiet des Kaiseradlers in Österreich. Finanziell unterstützt wird das EU-geförderte Projekt LIFE15/NAT/HU/000902 dabei vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.
Der Östliche Kaiseradler – Ein majestätischer Vogel
Der Östliche Kaiseradler (Aquila heliaca) ist eine Eurasische Spezies. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Osten entlang der russischen und ukrainischen Steppe, im nördlichen Teil des Kaukasus bis zum Baikalsee. Der Großteil der europäischen Population brütet in Ungarn und der Slowakei sowie in Österreich. Der Östliche Kaiseradler wird 72 bis 83 Zentimeter groß und hat eine Flügelspannweite zwischen 190 und 210 Zentimetern. Weibchen sind etwas größer und schwerer als Männchen; sie haben beim Verzehr der Beute – kleine Säugetiere und Vögel – stets Vorrang.
Weitere Informationen zum Schutzprojekt und der Meldeplattform unter: www.kaiseradler.at und www.kaiseradler.at/content/fall-von-greifvogelverfolgung-melden.
Die Kaiseradler-Fotos stehen Ihnen bei Angabe des angeführten Fotoautor-Copyrights und im Zusammenhang mit dieser Aussendung zur Verfügung.
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich, claudia.mohl@wwf.at; 01/48817-250
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Good News: Tigerinnen in Thailand ziehen erfolgreich Nachwuchs groß
Aufnahmen von Wildtierkameras zeigen, wie thailändische Tigerfamilien durch die Wälder streifen. Und auch Zahlen bestätigen, dass sich die dortigen Tigerbestände erholen – in Thailand ist er seit 2024 um 16% angestiegen.
WWF-Flüssereport: Drei Viertel der ökologisch wertvollen Flussstrecken ungeschützt
77 Prozent der wertvollen Flussstrecken ohne verbindlichen Schutz vor weiterem Wasserkraftausbau – Hitze und Dürre machen Schutz und Renaturierung dringlicher – WWF legt Zeugnisse für alle neun Bundesländer vor
UNO-Artenschutzkonferenz: WWF bewertet Ergebnis als „verpasste Chance“
Staaten bleiben bei Naturschutz-Finanzierung und Abbau umweltschädlicher Subventionen hinter notwendiger Ambition zurück – WWF fordert Konsequenzen auch in Österreich
CITES-Meeting: WWF warnt vor Tigerfarmen als Deckmantel für illegalen Wildtierhandel
Große Datenlücken erschweren Kontrolle des Handels mit Tigern – WWF fordert strengere Aufsicht und ein Ende der Zucht für den Handel mit Körperteilen – Artenschutzgremium CITES tagt in Genf
WWF und Ozeanforscherin Sylvia Earle legen Grundstein für besseren Schutz des Mittelmeers
Neue Hoffnungs-Zone für den Artenschutz im Mittelmeer – Basis für grenzüberschreitenden Schutz seltener Hai- und Rochenarten, Wale, Delfine und Meeresschildkröten – WWF fordert politische Zusagen
Weltnaturkonferenz: WWF fordert Kurskorrektur bei Milliarden-Subventionen
UNO-Konferenz vor Abschluss – Reform umweltschädlicher Subventionen stark umkämpft – Naturschutzorganisation fordert verbindlichen Finanzierungsplan
WWF zum Klimagesetz: Ohne verbindliche Pflichten droht Mogelpackung
Begutachtungsfrist endet am Freitag: Verbindliche Sektorziele und Rechtsschutz fehlen, Standortklausel ermöglicht Rückzieher – Bundesregierung und Nationalrat müssen Entwurf nachschärfen
WWF: 20 Spitzmaulnashörner zum Schutz vor Wilderern evakuiert
Nashorn-Wilderei in Südafrika bedroht Arterhalt – Umsiedlung von Tieren nach Botswana zum Aufbau neuer Populationen – WWF vor Ort im Einsatz gegen illegale Jagd und Handel mit Nashorn-Horn













