Aktuelle FFH-Datensätze: 81 Prozent der geschützten Arten und 77 Prozent der Lebensräume in keinem günstigen Zustand – WWF fordert größere und bessere Schutzgebiete
„Stromanbieter-Check Nachgefragt“ von WWF und GLOBAL 2000
Wien, am 15. Jänner 2020 – Die Umwelt- und Naturschutzorganisationen GLOBAL 2000 und WWF haben bei heimischen Stromanbietern nachgefragt, wie es aktuell mit der Ökologisierung ihrer Angebote aussieht und welche politischen Rahmenbedingungen sie für eine Weiterentwicklung benötigen. 93 Prozent der Stromanbieter wünschen sich eine verbesserte Stromkennzeichnung. Eine Ausweisung von selbst erzeugtem oder in Österreich produziertem Strom steht dabei im Vordergrund, aber auch eine europäische Vereinheitlichung wird gefordert.
Die Umweltschutzorganisationen ziehen aus der aktuellen Nachfrage eine durchaus positive Zwischenbilanz, die die Bewertung der Stromanbieter von 2019 ergänzt (www.wwf.at/stromanbieter-check/).
„Es gibt einerseits ein klares Bekenntnis der Mehrheit der Stromanbieter zu einer naturverträglichen Energiewende hin zu 100 Prozent Ökostrom für Österreich bis 2030“, freut sich Karl Schellman, Klima- und Energiesprecher von WWF. So ist es auch im neuen Regierungsprogramm verankert. „Andererseits zeigt sich aber auch die Notwendigkeit für noch mehr Transparenz-Regeln, damit kein Stromanbieter mehr den fossilen Importstrom ganz gesetzeskonform in sauberen erneuerbaren Strom umdeklarieren kann.“
Verbesserungsbedarf sehen die befragten Stromanbieter daher auch bei der Kennzeichnung der Stromherkunft. Die aktuellen Gesetze ermöglichen es, dass etwa importierter Strom aus fossilen Energieträgern mittels dazugekauften Wasserkraft-Nachweisen grün gewaschen wird und als Ökostrom auf den heimischen Markt kommt. „Der Gesetzgeber ist gefordert, noch transparentere Regeln für die Kennzeichnung der Stromherkunft zu beschließen. Auf europäischer Ebene muss die Ausweisung aller Stromquellen vorangetrieben werden“, betont Reinhard Uhrig, Energiesprecher von GLOBAL 2000. „Nur so können StromkundInnen eine tatsächlich umweltbewusste Entscheidung treffen.“
Die Stromanbieter wünschen sich auch klare Rahmenbedingungen zur Naturverträglichkeit für die vorgesehene Energiewende: Beispielsweise werden Aufteilungen in Ausbau- und Verbotszonen für Kraftwerksbauten von knapp der Hälfte der Unternehmen als hilfreich erachtet, insbesondere wenn sie zu einem schnelleren, aber eben naturverträglichen Ausbau von Erneuerbaren Energien führen. Die rasche Umsetzung des auch im Regierungsprogramm verankerten Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes und Energieeffizienzgesetz, das tatsächliche Einsparungen in großem Ausmaß ermöglicht, ist ebenfalls wichtig für die Unternehmen. „Auch die Elektrifizierung von vielen fossilen Prozessen, allen voran in der Mobilität, in der Beheizung und Kühlung von Gebäuden und in der Industrie wird von den Stromanbietern als wesentlich für die Energiewende genannt. Beim raschen Fossilausstieg decken sich die Interessen der Stromkonzerne und der Umweltschutzorganisationen“, freut sich Schellmann.
Die Verbesserung der gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen ist ein klarer Auftrag an die neue Bundesregierung, den diese rasch angehen sollte. StromkundInnen können aber schon jetzt einen Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaschutzziele leisten, indem sie einen Anbieter wählen, der hohe Klimaschutz- und Naturschutzstandards verwirklicht. Wichtige Entscheidungskriterien sind hier auch, ein klares Bekenntnis zur Transparenz der Stromherkunft, dass der weitere Ausbau von erneuerbarem Strom naturverträglich erfolgt und dass die Themen Klima- und Naturschutz ausdrücklich in der Unternehmensstrategie verankert sind.
„Alle StromkundInnen können einen Unterschied machen – durch die sorgfältige Auswahl ihres Stromanbieters, die wir in unserer Bewertung auf eine Vielzahl von Öko-Kriterien überprüfen. Unser Ranking und die Nachfrage bei den teilnehmenden Stromanbietern ermöglicht es den umweltbewussten KundInnen, zum passenden Stromanbieter zu wechseln – und sich nicht von intransparenten Billig-Schmähs einiger Firmen verwirren zu lassen“, betont Uhrig.
Zum Stromanbieter Check
Bereits zweimal haben die Umwelt- und Naturschutzorganisationen GLOBAL 2000 und WWF die österreichischen Stromanbieter nach ökologischen Kriterien bewertet und gereiht, zuletzt im Herbst 2018. Die Ergebnisliste zeigt, welche Stromanbieter Klimaschutz und Naturschutz ernst nehmen und tatsächlich das beste Angebot für StromkundInnen liefern (www.wwf.at/stromanbieter-check/ ). Die vorliegenden Einschätzungen erfolgten im Rahmen eines „Stromanbieter-Check Nachgefragt“, bei dem die bisher teilnehmenden Unternehmen noch einmal zu aktuellen Fragestellungen befragt wurden. Eine neue umfassende Bewertung im Herbst 2020 wird auch jene Stromanbieter einbeziehen, die sich zuletzt weniger transparent gezeigt haben und ökologische Indikatoren für ihre KundInnen nicht offenlegten.
Den Factsheet finden Sie HIER.
Rückfragehinweis
Mag. (FH) Julia Preinerstorfer MA, Pressesprecherin WWF Österreich, Mobil: +43 676 834 88 240, E-Mail: julia.preinerstorfer@wwf.at
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF zur Inflation: Fossile Energien sind zentraler Preistreiber
Ein Drittel der Teuerung geht auf höhere Treibstoff- und Heizölpreise zurück – WWF fordert mehr Energieeffizienz, Abbau umweltschädlicher Subventionen und naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien – Spritpreisbremse nahezu wirkungslos
WWF zu EABG-Verhandlungen: Regierung muss ihren Entwurf grundlegend verbessern
Naturschutzorganisation kritisiert mangelnde Kompromissbereitschaft der Koalition und fordert klare Verbesserungen bei Naturverträglichkeit
WWF: Mehr als 1.300 geschützte Tiere seit 2020 in Österreich getötet
Abschüsse von Bibern, Fischottern, Wölfen und Greifvögeln nehmen deutlich zu – WWF warnt vor „Normalisierung“ der Tötung geschützter Arten – Neue Kampagne gestartet
Almauftrieb am Hundsheimer-und Spitzerberg: Erste Beweidung seit 60 Jahren stärkt Biodiversität
Grasende Rinder sichern Lebensraum für seltene Arten – Vorzeigemodell: WWF fordert Ausweitung naturnaher Beweidungsprojekte in ganz Österreich
WWF: Wasserkrise erfordert Schutz der Natur statt rein technischer Reparaturmaßnahmen
Naturschutzorganisation unterstützt ÖVGW-Forderung nach Register für Wasserentnahmen, warnt aber vor zu starkem Fokus auf technische Lösungen – Renaturierung, Bodenschutz und Wassersparen zentral für Versorgungssicherheit
WWF: Landesrechnungshof zeigt massiven Nachholbedarf bei Renaturierung
Naturschutzorganisation fordert mehr Budget, Personal und Tempo bei der Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung – Alle Länder sowie Bundesregierung massiv in der Pflicht
Trockenheit in Österreich: BOKU-Studie zeigt Wirkung natürlicher Schutzmaßnahmen
March-Einzugsgebiet im Weinviertel untersucht: Naturbasierte Lösungen sorgen für mehr Bodenwasser, senken Dürre-Risiken und sichern Erträge der Landwirtschaft – WWF fordert „grünes Sicherheitsnetz“ für Österreich
Dürre spitzt Lage zu: WWF warnt vor Austrocknung der Unteren Lobau
Anhaltende Trockenheit verschärft Wassermangel im Nationalpark und gefährdet Biodiversität – WWF fordert Stadt Wien zum Handeln auf













