Ohne wirksame Nachschärfungen bleibt Klimagesetz ein Etikettenschwindel – Umweltschutzorganisation fordert verbindliche Zwischenziele und rasche Maßnahmen
„Stummer Frühling“ und kein Ende!
Wien, am 14. März 2008 – Im burgenländischen Neudorf sind Anfang der Woche zahlreiche Singvögel qualvoll verendet, weil ein Unbekannter so genannten Giftweizen auf freiem Feld verstreut hat. Im nieder-österreichischen Dürnkrut wurden schon im Februar vergiftete Karotten auf einem Acker gefunden. „In beiden Fällen dürfte es sich um völlig übertriebene Aktionen gegen Feld- bzw. Wühlmäuse handeln“ sagt Dr. Bernhard Kohler vom WWF Österreich. Der WWF und die Landesjagdverbände rufen die Landwirte zu äußerster Zurückhaltung bei der Anwendung von hochgiftigen Substanzen auf
„In Neudorf wurde die berüchtigte Substanz Zinkphosphid verwendet, die weltweit immer wieder zu spektakulärem Vogelsterben, ja gebietsweise sogar zur Ausrottung seltener Vogelarten geführt hat!“ ist der Experte entsetzt. In Dürnkrut kamen Cumarinderivate zum Einsatz. Sie sind zwar etwas weniger giftig, doch wurden auch hier alle geltenden Vorschriften missachtet und Gefahren für Wildtiere und Umwelt in Kauf genommen.
Die düstere Vision eines „Stummen Frühlings“ in einer vergifteten Welt ohne Vögel, die von der amerikanischen Biologin Rachel Carson schon in den 1950er Jahren entworfen wurde, hat in Österreich leider immer noch traurige Aktualität. Nach wie vor werden in der heimischen Landwirtschaft bedenkenlos hochgiftige Substanzen verwendet – mit dem einzigen Ziel, den Ertrag zu steigern. Der wirtschaftliche Schaden, den Feldmäuse anrichten können, steht aber nach Ansicht des WWF in keinem Verhältnis zu der Gefahr, die von hochtoxischen Substanzen wie Zinkphosphid ausgeht. „Rodentizide – also Gifte gegen Nagetiere – haben heutzutage in der freien Landschaft nichts mehr verloren, sie sind für Mensch und Tier viel zu gefährlich!“ ist Kohler überzeugt.
Auch die Landesjagdverbände rufen zu einer freiwilligen Selbstbeschränkung beim Gifteinsatz auf. „Wühlmausgifte, wie sie in Neudorf verwendet wurden, sind für Rebhühner, Fasane und Wildtauben absolut tödlich!“ betont der Burgenländische Landesjägermeister, DI Peter Prieler. „Wer so etwas regelwidrig und leichtfertig einsetzt, gefährdet fast alle einheimischen Niederwildarten.“
Ing. Alois Gansterer vom NÖ Landesjagdverband ist über die in Dürnkrut ausgelegten und mit Gift bestrichenen Karotten empört. „Was nützen all unsere Bemühungen um einen gesunden Feldhasenbestand, wenn sie durch derartige Aktionen zunichte gemacht werden? Wir rufen die Jägerschaft dazu auf, wachsam zu sein und Aufklärungsarbeit vor Ort zu leisten, damit solche Fälle in Zukunft nicht mehr vorkommen!“
Der WWF und die beiden Landesjagdverbände gehen seit 2004 in der Aktion „Vorsicht Gift!“ gemeinsam gegen illegale und missbräuchliche Gifteinsätze vor.
Weitere Informationen:
Dr. Bernhard Kohler, WWF Österreich, Tel. 01/488 17-281
DI Peter Prieler, Landesjagdverband Burgenland, Tel. 02682/66878
Ing. Alois Gansterer, Landesjagdverband Niederösterreich, Tel. 01/405163623
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
WWF: Amazonas-Fische helfen, den Regenwald zu erhalten – 144 Arten bedroht
Neuer Report: Flussverbauung und Überfischung gefährden Fischbestände und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen – WWF fordert Schutz frei fließender Flüsse und wichtiger Fischlebensräume
WWF zu hohen Spritpreisen: Öffis ausbauen, Öl-Abhängigkeit im Verkehr senken
Umweltschutzorganisation fordert bessere Bus- und Bahnverbindungen, sichere Radwege und günstigeres Klimaticket – Übergewinne der Mineralölkonzerne EU-weit besteuern
Google-Rechenzentrum: WWF begrüßt erneute Prüfung der UVP-Pflicht
Umweltschutzorganisation fordert umfassende Umweltprüfung in Kronstorf nach Fall in Niederösterreich – Bundesregierung muss eindeutige Regeln für große Rechenzentren im UVP-Gesetz verankern
WWF-Erfolg: Flussdelfin-Nachwuchs im Mekong
6 Kälber der vom Aussterben bedrohten Irawadi-Flussdelfine wurden heuer in Kambodscha geboren – ein großer Erfolg im Artenschutz! Ein herzerwärmendes Video zeigt den Nachwuchs.
WWF: Nachwuchs-Rekord bei stark bedrohten Flussdelfinen im Mekong gibt Hoffnung
Zahl der vom Aussterben bedrohten Irawadi-Flussdelfine in Kambodscha steigt auf 118 Tiere – Heuer sechs Kälber geboren – WWF erfreut über positives Ergebnis intensiver Artenschutzmaßnahmen
EU-Klimaresilienz: 34 Organisationen fordern Vorrang für naturbasierte Lösungen
Offener Brief an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen – Städte- und Gemeindeverbände, Wasserversorger und Fischerei fordern Natur als Europas „erste Verteidigungslinie“
Good News: So viele Seeadler-Paare wie noch nie in Österreich
Neuer Rekord in Österreich: 123 territoriale Seeadler-Paare konnten gezählt werden. Ihr Lieblingsplatz ist das Waldviertel.
WWF zu CloudHQ: Großrechenzentren brauchen verpflichtenden Umweltcheck
Umweltschutzorganisation begrüßt UVP für 6,7-Hektar-Projekt in Leopoldsdorf – WWF fordert einheitliche Bundesregeln statt Fleckerlteppich













