EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
Tausende Stimmen für Österreichs Bären
Wien/Graz, am 20. Mai 2009 – Innerhalb weniger Wochen haben sich mehr als 9.000 Menschen aus dem In- und Ausland der WWF-Petition “Rettet den Alpenbären” angeschlossen. Darin fordern sie die Landeshauptleute der Steiermark, Niederösterreichs und Oberösterreichs, sowie den Umweltminister auf, sich für die Erhaltung der Artenvielfalt in den Alpen und die Rettung des Braunbären einzusetzen. Den Anfang machen die Bürgerinnen und Bürger der Steiermark: Stellvertretend für alle Bärenfreunde übergab die Grazer Buchautorin Ingeborg M. Ortner heute die Unterschriften an den Präsidenten und den Direktor des Steirischen Landtages, Siegfried Schrittwieser und Heinz Drobesch. “9.000 Menschen haben sich für ein klares Ja zur Rettung der Bären ausgesprochen – ein überdeutlicher Handlungsauftrag an die steirische Landespolitik!”, so Ortner. Das Anliegen der BürgerInnen muss nun baldmöglichst von den Abgeordneten behandelt werden.
“Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Steiermark bis jetzt keine aktiven Schritte setzt, um den Bären vor dem Aussterben zu retten”, wundert sich Ingeborg M. Ortner, die Meister Petz mit “Bruno, der Bär” jüngst ein Kinder- und Jugendbuch gewidmet hat. Auf ihren Lesereisen kommt die Autorin viel herum und hat in zahlreichen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass die Bevölkerung dem Braunbären sehr wohlwollend gegenübersteht. “Bärenschutzklamm, Bärofen oder Bärnbach – diese Namen zeigen doch, dass der Bär in der Steiermark seit langem fest verankert ist”, so Ortner. “Jetzt fragt sogar schon die Europäische Kommission nach, was denn in Österreich los ist – ich finde den Versuch der Steiermark, sich am EU-Recht vorbeizuschwindeln sehr traurig!” Ortner selbst hat in kürzester Zeit über 400 Unterschriften für die Bärenrettung gesammelt.
Anfang Mai 2009 hatte die EU-Kommission in einem Schreiben an die Republik Österreich nachgefragt, welche konkreten Maßnahmen gesetzt werden, um für den Braunbären einen “günstigen Erhaltungszustand” zu schaffen, wie es die Naturschutzrichtlinien der Europäischen Union vorschreiben. Besonderer Handlungsbedarf wird demnach in den Bundesländern Steiermark und Niederösterreich geortet.
Auch der WWF ist von der fachlichen Notwendigkeit einer Bestandesstützung in den drei Bundesländern Steiermark, sowie Nieder- und Oberösterreich überzeugt, um die Österreichische Bärenpopulation vor dem Aussterben zu retten. In einer 2008 veröffentlichten Stellungsnahme des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Universität Wien weist Bärenanwalt Dr. Georg Rauer darauf hin, dass eine Zuwanderung weiblicher Bären nicht zu erwarten sei und deshalb die einzige Überlebenschance für Österreichs Bären darin bestehe, “Djuro” und “Moritz”, den letzten beiden Männchen in den Nördlichen Kalkalpen, Weibchen zur Seite zu stellen.
Das Ergebnis einer market-Umfrage unter 600 ÖsterreicherInnen in den Bärenbezirken der Bundesländer Steiermark, NÖ und OÖ vom Sommer 2008 lässt den Schluss zu, dass die überwiegende Mehrheit der Österreicher (71 Prozent) eine Stützung der heimischen Bärenbestände begrüßen. In der Steiermark sprachen sich sogar überdurchschnittliche 77 Prozent der befragten Bewohner der Bezirke Bruck, Liezen, Graz sowie Graz-Stadt für ein Schutzprogramm aus, in dessen Rahmen wieder Bären angesiedelt werden.
Fotos der Petitions-Übergabe und weitere Informationen:
Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF, Tel.: +43 1 48817 250
Frau Ingeborg Maria Ortner, Buchautorin
Christoph Walder, WWF-Bärenprojektleiter
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