Begutachtungsphase endet am Mittwoch: Regelungen für Gewerbeparks und Einkaufszentren sollen auf Kosten wertvoller Böden gelockert werden – WWF fordert Fokus auf Bestand statt Neuwidmung auf der grünen Wiese
Tiger-Gipfel in St. Petersburg: WWF veröffentlicht Undercover-Report
Wien/St. Petersburg, Freitag, 19. 11. 2010 – Ab Sonntag treffen sich Staats- und Regierungschefs sowie Minister aus allen dreizehn Nationen, in denen heute noch wilde Tiger leben, im russischen St. Petersburg zum Internationalen Tiger Forum (21. bis 24. November). Es soll beraten werden, wie das Aussterben der majestätischen Großkatzenart noch verhindert werden kann. „Zum ersten Mal treffen sich Regierungschefs zu einer internationalen Konferenz, um über das Schicksal einer einzigen Tierart zu sprechen“, sagt Jutta Jahrl, WWF-Artenschutzexpertin, und bewertet die Konferenz daher auch als einen „historischen Moment“ für die weltweiten Naturschutzbemühungen. „Ohne ein durchsetzbares Abkommen der Tiger-Länder könnten die Großkatzen bis 2020 nur mehr in Zoos, Zuchtanstalten und ausgestopft in Museen zu bewundern sein“, warnt Jahrl.
Anlässlich des Gipfelauftakts veröffentlichten der WWF und das Artenschutzprogramm TRAFFIC einen Undercover-Report zum illegalen Handel mit Produkten aus Tigern und anderen asiatischen Großkatzenarten. Demnach stellen vor allem die Märkte in der Grenzregion zwischen Myanmar, China und Thailand ein Drehkreuz des internationalen Arten-Schmuggels dar. Wie Filmaufnahmen des WWF belegen, werden auf Schwarzmärkten Teile von Tigern offen angeboten, scheinbar ohne Angst vor Aufdeckung. „In diesen Regionen haben Behörden und die zentralen Regierungen offenbar keinen Einfluss. Hier herrschen lokale Führer, die mit ihren Milizen ihre eigenen Gesetze durchsetzen“, sagt Jahrl.

Die illegalen Märkte ziehen vor allem Touristen aus China an, die sich dort mit Tiger-Medizin, Glücksbringern aus Tigerkrallen oder mit Fellen eindecken. „Um das Überleben der Tiger zu sichern, müssen diese Schwarzmärkte austrocknet werden“, fordert Jahrl. Das Ausmaß des illegalen Handels in der Region rund um Myanmar zeigt, wie wichtig verstärkter politischer Wille zum Schutz der Tiger und ein entschlossenes Vorgehen seitens der Regierungen und Behörden gegen Wilderer und Schmuggler sind, so der WWF.
„Die Staats- und Regierungschefs der Tiger-Länder müssen auf dem Gipfel den vorliegenden globalen Rettungsplan für den Tiger bestätigen und eine Deklaration unterzeichnen, in der sie sich dem Ziel verpflichten, alles zu unternehmen um die Zahl der wilden Tiger bis 2022 zu verdoppeln“, fordert Jahrl. Darüber hinaus erwartet der WWF, dass sich die einzelnen Staaten auch klare und vor allem überprüfbare Ziele auf nationaler Ebene setzen.
Video:
12 Minuten-Film über das Schicksal der Tiger mit Appell von Jane Goodall
Zu deren Umsetzung ist allerdings auch die verbindliche Unterstützung von Geldgebern notwendig, so der WWF. Auch Vertreter Deutschlands, der USA, Frankreichs, Japans und Südkoreas, der Vereinten Nationen und der Weltbank werden nach St. Petersburg reisen, um im „Jahr des Tigers“ endlich die weltweite Wende in den Schutzbemühungen einzuleiten. „Ohne ein entschiedenes und gemeinsames Vorgehen gegen die Wilderer und für den Schutz der Lebensräume der Großkatzen werden wild lebende Tiger bald Geschichte sein“, unterstreicht Jahrl die Bedeutung dieser Konferenz.
Weitere Foto und Videomaterial:
B-Roll-Footage
Fotos zum Report
Weitere Informationen:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 Email: franko.petri@wwf.at.
Rückfragen
News
Aktuelle Beiträge
Energiekrise: WWF fordert Spritverbrauchsbremse
Aktuelle Stellungnahme zur geplanten Mineralölsteuer-Senkung – Umweltschutzorganisation fordert Energiespar-Programme und Offensive für öffentliche Verkehrsmittel, um hohe Erdölabhängigkeit zu reduzieren
Ostern ohne bitteren Beigeschmack: WWF fordert entwaldungsfreie Lieferketten für Schokolade
Kakao-Anbau setzt Regenwälder unter Druck – Klimakrise treibt Preise an – WWF plädiert für nachhaltigen Konsum zu Ostern und fordert bessere Rückverfolgbarkeit für Kakaoprodukte
Trockenheit im Seewinkel: WWF warnt vor Lebensraumverlust für Zugvögel
Rückkehr der Zugvögel im März – WWF warnt vor dramatischem Verlust der salzhaltigen Lacken im Seewinkel – Säbelschnäbler besonders betroffen
Konferenz zum Schutz wandernder Tierarten: WWF fordert sichere Routen
Jede vierte wandernde Tierart akut bedroht – WWF fordert grenzüberschreitende Schutz-Korridore – Besonderer Fokus auf Jaguaren und Meeresarten
Winterbilanz Wald: WWF warnt vor Trockenheit und schwierigem Waldjahr 2026
Waldböden zu Frühlingsbeginn vielerorts zu trocken, Wasserspeicher erschöpft – WWF fordert mehr Wasserrückhalt und Renaturierung im Wald
WWF kritisiert Spritpreis-Populismus der Bundesregierung
Umweltschutzorganisation fordert Sofortmaßnahmen für klimafreundliche Mobilität und schrittweisen Ausstieg aus Öl und Gas: Klimaticket vergünstigen, öffentliche Verkehrsmittel ausbauen, Strukturreformen beschließen
WWF-Zählung: Gefährdete Monarchfalter erholen sich trotz anhaltender Bedrohungen
Naturschauspiel: Monarchfalter wandern 4.000 Kilometer in den Süden – Schmetterlingsmigration trotzt Herausforderungen, aber Lage weiterhin fragil
Good News: Nestor ist ältester bekannter Seeadler in Österreich
Ein Wiedersehen der besonderen Art gab es kürzlich im Burgenland: Der Seeadler „Nestor“ wurde 15 Jahre nach seiner Beringung durch den WWF erneut gesichtet. Er gilt hierzulande als ältester bekannter Seeadler.












