EU-Kommission kündigt Überprüfung zentraler Naturschutz-Richtlinien für 2027 an – WWF warnt vor leichteren Abschüssen und mehr Eingriffen in Schutzgebiete – „Wild sein ist kein Verbrechen“
Toter Rotmilan im Bezirk Eferding nachweislich mit Pflanzenschutzmittel Carbofuran vergiftet
Wien, Linz, 11.08.2017 – Anfang Mai kam es in Stroheim (Bezirk Eferding, OÖ) zu einem Vergiftungsanschlag auf Wildtiere. Mehrere vergiftete Köpfe von Feldhasen und vergiftete Hühnereier wurden am Rande einer Kiesgrube ausgelegt. Ein Rotmilan starb. Wie die nun vorliegenden Untersuchungen zeigen, wurde das Pflanzenschutzmittel Carbofuran eingesetzt.
„Wir haben nun den traurigen Befund des Vergiftungsfalles in Stroheim vorliegen“, berichtet Matthias Schmidt, Experte für Greifvogelverfolgung bei BirdLife Österreich. Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie und das Toxikologische Institut der Ludwigs-Maximillians Universität fanden in präparierten Hasenköpfen und Hühnereiern das Pflanzenschutzmittel Carbofuran, wodurch zumindest ein Rotmilan und eine Rabenkrähe vergiftet wurden. Schmidt: „Weitere unentdeckte Opfer sind wahrscheinlich, da Carbofuran zwar hoch giftig ist, aber die Tiere – in Abhängigkeit der Dosis – durchaus noch weitere Strecken zurücklegen können. Die Tiere erleiden einen qualvollen Tod, der sich über mehrere Stunden ziehen kann.“ Mittlerweile wurde das Umweltkriminalamt eingeschaltet.
Kooperation mit Behörden und Jägern
Ein Gutes bleibt jedoch zu erwähnen, wie Matthias Schmidt von BirdLife Österreich und Christian Pichler vom WWF betonen: „Die zuständigen Stellen nehmen diese Sache ernst. Wir hoffen auf eine entsprechend intensive Bearbeitung. Wichtig ist nun auch, dass seitens der Behörden und des Landesjagdverbandes weitere Schritte präventiv gesetzt werden, die Greifvogelverfolgungen stoppen.“ Dazu meint Landesjägermeister Sepp Brandmayr: „Gift hat in der Jagd nichts verloren, ist strengstens verboten und wird vom Landesjagdverband mit allen Mitteln abgelehnt. Jetzt muss geklärt werden, wer diese Giftköder ausgelegt hat. Sollte es ein Jäger gewesen sein, hätte dieser mit allen Konsequenzen zu rechnen. Es gibt für solche Fälle keinerlei Entschuldigung!"
Erschwerte Rückkehr des bereits ausgerotteten Greifvogels
Bei dem tot aufgefunden Rotmilan handelt es sich um eine der meist bedrohten Greifvogelarten Österreichs. Der Rotmilan ist Ende des 19. Jahrhunderts in OÖ als Brutvogel ausgestorben und kehrt mit einzelnen Paaren seit 2010 wieder zurück. Mit maximal zehn Brutpaaren ist der Bestand in Oberösterreich aber noch höchst empfindlich. Daher führt BirdLife Österreich mit Unterstützung der Abteilung Naturschutz des Landes Oberösterreich eine Bestanderhebung und ein Artenschutzprojekt durch. Zudem engagieren sich WWF und BirdLife Österreich auch international im Rahmen des PannonEagle LIFE Projekts (LIFE15/NAT/HU/000902) für die Bekämpfung der illegalen Greifvogelverfolgung durch den Menschen. Sie ist nach wie vor in Mitteleuropa die Hauptgefährdungsursache für seltene Greife wie etwa den Kaiseradler. Finanziell unterstützt wird das EU-geförderte Projekt vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.
Mithilfe der Bevölkerung unerlässlich
„Wie auch der Vergiftungsfall Stroheim zeigt, sind wir bei der Bekämpfung der illegalen Greifvogelverfolgung auf die Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen,“ betont Christian Pichler vom WWF: „Neben der Möglichkeit, uns Hinweise über die Homepage www.kaiseradler.at und die Gifthotline 0676-444 66 12 zu melden, haben wir eine APP unter dem Namen „Birdcrime“ eingerichtet.“ (Verfügbar auf Android-Geräten).
Matthias Schmidt und Christian Pichler appellieren an eine aufmerksame Bevölkerung: „Falls Sie tote Tiere, Fleischköder, verdächtige Hühnereier abseits der Bauerhöfe oder ähnliches finden, melden Sie uns diese bitte! Denn nur gemeinsam können wir es schaffen, dass die illegale menschliche Verfolgung nicht mehr die Hauptbedrohung der Greifvögel darstellt.“
Rückfragehinweis:
Claudia Mohl, WWF-Pressesprecherin, Tel: +43 1 48817 250, E-Mail: claudia.mohl@wwf.at
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